Wie M+E sich in der Krise für Ausbildung einsetzt

Fachkräftenachwuchs mit technischem Können ist weiter gefragt

Droht eine Generation Corona, die keine Ausbildung findet? Die Frage, wie es um Ausbildungsplätze im Corona-Jahr und darüber hinaus steht, treibt viele Schulabgänger um. Die gute Nachricht: In der Metall- und Elektro-Industrie ist der Bedarf beim Fachkräftenachwuchs nach wie vor hoch.

Auch in der Pandemie engagiert sie sich für die Ausbildung. So zeigt eine Umfrage unter den Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie: Bestehende Ausbildungsplätze sind kaum von der Corona-Krise betroffen. Allerdings können schon jetzt im Herbst nicht mehr alle Unternehmen ihr Ausbildungsangebot beibehalten.

Programme sollen helfen, dennoch einen verlorenen Jahrgang zu vermeiden. So plant etwa das baden-württembergische Wirtschaftsministerium einen Modellversuch: Betriebe, die im Herbst kurzarbeiten müssen, sollen auch noch Anfang 2021 ins neue Ausbildungsjahr einsteigen dürfen. Und das neue Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ fördert die Ausbildung in kleineren Unternehmen mit Geldprämien – zum Beispiel 2.000 Euro pro Ausbildungsvertrag. Allerdings gilt das nur für Betriebe mit höchstens 249 Beschäftigten. Auch größere Betriebe müssen aber gefördert werden: Der Nachwuchsbedarf wird hoch bleiben, vor allem mit Blick auf Industrie 4.0. Und vor allem im ländlichen Raum stehen nach wie vor oft mehr Plätze als Bewerber zur Verfügung.

Die M+E-Unternehmen engagieren sich deshalb auch jetzt in der Krise für die Ausbildung und das technische Verständnis von Schulabgängern – wo immer ihnen das eben möglich ist. Wir haben uns umgehört, wie sie das tun.

Technische Ausbildung bei Chiron
Technische Ausbildung bei Chiron

Ausbildung im Homeoffice

Beispielsweise über Praktika: „Wenn Praktikanten bei uns einen kleinen Roboter bauen, sind sie begeistert – und bewerben sich später“, berichtet Herbert Mattes, Ausbildungsleiter beim Maschinenbauer Chiron in Tuttlingen. Dort haben Personaler und Ausbilder organisatorisch enorm viel gestemmt, damit die Ausbildung in der Krise nicht ins Stocken gerät. Die Azubis waren im Wechsel zu je einem Drittel im Homeoffice, in der Lehrwerkstatt und im Betrieb. Außerdem wurden Schulungen vorgezogen.

Hilfreich im Lockdown war, dass die Auszubildenden gut ausgerüstet sind: Alle haben ein Tablet und Zugang zur firmeneigenen Online-Lernplattform, das digitale Berichtsheft ist Standard. Chiron hat 2020 genauso viele Azubis wie in „normalen“ Jahren. Und das soll auch 2021 so bleiben – künftig aber „mit mehr Gewicht auf Elektrotechnik und IT“, so Mattes.

Arburg-Infotage 2020
Arburg-Infotage 2020 im Zeichen von Corona

Arburg erhöht Ausbildungsplätze

Beim Maschinenhersteller Arburg in Loßburg heißt es sogar: „Im September haben 70 junge Menschen eine Ausbildung bei uns begonnen. Und trotz Krise planen wir für 2021 noch mehr Ausbildungsplätze.“ Die Infotage für die Nachwuchswerbung im Juli standen natürlich im Zeichen des Hygienekonzepts, statt in großen Klassen kamen angemeldete Besucher einzeln oder in Kleingruppen. „Die Stimmung war ausgezeichnet, und wir konnten sehr viele sehr gute Gespräche führen“, sagt Ausbildungsleiter Michael Vieth.

Ausbildung in Elektronik immer wichtiger

Bei Woerner in Wertheim tritt 2020 ein Azubi mehr an als sonst: Dazugekommen ist ein Mechatroniker. Denn Elektronik wird für den Hersteller von Schmiersystemen immer wichtiger. Die Ausbildungsquote soll gehalten werden. Zwar sind die Ausbildungsmessen dieses Jahr ausgefallen, aber: „Seinen Ruf als guter Ausbilder und Arbeitgeber erwirbt man sich langfristig“, betont Personalleiterin Nicole Fabig.

Zum Beispiel als Partner bei „Technolino“, einem Projekt für Kindergartenkinder. Angepasst wurde auch die „Aktivwoche“ für die Neuen: Dieses Jahr gab es nur Outdoor-Aktivitäten, die Vorträge wurden in die Kantine verlegt – mit ausreichend Platz zum Abstandhalten.

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Fotos: Chiron Group, Arburg