Wie der Maschinenbauer Trumpf Arbeitsplätze sichert

Um in der Krise Arbeitsplätze zu erhalten, setzt Trumpf auf Investitionen, Digitalisierung und Innovationen. Qualifizierung garantiert dabei für Jobchancen.

Digitalisierung und Qualifizierung sorgen für Wettbewerbsfähigkeit und Jobchancen

Metall- und Elektro-Unternehmen wie Trumpf sind mit die attraktivsten Arbeitgeber in ihren Regionen. Um die guten Jobs zu erhalten, investiert das Unternehmen viel Geld in digitale Fertigung und neue Technologien.

Zwischen 30 miteinander vernetzten Maschinen flitzen fahrerlose Gabelstapler durch die Gänge. Mitarbeiter tippen auf die Bedienpanels an vollautomatischen Fertigungsstraßen oder schichten Stanzteile auf Paletten. Seit Oktober produziert Trumpf hier, in der neuen Smartfactory am Stammsitz Ditzingen, Teile für seine eigenen Maschinen. Beim Sortieren der Teile hilft der „Sorting Guide“ – das ist ein digitales Assistenzsystem, für das Trumpf kürzlich mit einem neuen Landespreis für künstliche Intelligenz (KI) ausgezeichnet wurde.

Digitalisierung macht Unternehmen wettbewerbsfähig

Führerlose Flitzer: In der Smartfactory in Ditzingen sind mannlose Gabelstapler unterwegs.

In innovative Projekte wie diese Smartfactory oder auch die digital vernetzte Stanzwerkzeugfertigung am Standort Gerlingen hat der Maschinenhersteller und Laserspezialist einige Millionen Euro gesteckt.

„Mit der Digitalisierung optimieren wir die Fertigung und erhöhen die Produktivität: Das ist unsere Antwort auf die billiger produzierende Konkurrenz aus Fernost“, erklärt Manuel Thomä, Leiter Media Relations und Sprecher für Industrie 4.0. „Die Digitalisierung ist also auch ein Mittel, Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten und weiterhin hohe Gehälter bezahlen zu können: Weniger Arbeitskräfte produzieren mehr Output.“

Smarte Maschinensteuerung: Bedienung am Touchpanel, der Rest geht automatisch.

Neue Arbeitsplätze ersetzen alte

Weniger Arbeitskräfte? Wie passt das zur Garantie, die Trumpf gegeben hat: Kein Arbeitsplatz soll der Digitalisierung zum Opfer fallen? „Manche Tätigkeiten verschwinden tatsächlich, wie etwa der Gabelstaplerfahrer. Dafür entstehen aber neue Arbeitsplätze“, erklärt Thomä. „Unsere Garantie gilt also, sogar jetzt in der Corona-Krise.“ Das Konzept basiert auf Qualifizierung und Personalentwicklung. So verbringt zum Beispiel ein gelernter Schweißer in der Ditzinger Smartfactory 50 Prozent seiner Arbeitszeit am Computer, mit dem er die Maschinen steuert. Sein Schweißerfachwissen ist aber immer noch gefragt.

Chancen für die Mitarbeiter

Die Chance zur Weiterentwicklung hat zum Beispiel Tobias Heck genutzt. Nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker hat er sich zum Teamleiter Production Area Flexible Tools im Gerlinger Werk hochgearbeitet. Dass sein Arbeitgeber Führungspositionen auch gerne aus den eigenen Reihen besetzt, kam ihm zugute. Trotz Krise ist Tobias Heck optimistisch: „Trumpf investiert in neue Geschäftsfelder, um technologisch führend zu bleiben. Als Teamleiter kann ich aktiv die Abläufe mitgestalten, zum Beispiel, um die Wirtschaftlichkeit unserer Produktion zu verbessern oder Prozesse weiterzuentwickeln.“ Heck kann bei Investitionen in neue Maschinen mitreden und die Digitalisierung im Werk mit vorantreiben: „Das heißt, dass es intern immer neue Herausforderungen geben wird.“

Jobs durch den Lockdown gerettet

Mit der Kombi-Strategie aus Innovation und Qualifikation scheint der Maschinenbauer tatsächlich gut zu fahren. So ist die Anzahl der Mitarbeiter weltweit mit 14.325 fast noch auf demselben Stand wie 2019. In Deutschland haben Maßnahmen wie das Abschmelzen der Überzeitkonten und die Kurzarbeit geholfen, die Jobs durch den globalen Lockdown zu retten. Wobei natürlich auch Trumpf die Krise deutlich spürt: Der Umsatz ist um 8 Prozent gesunken, der Auftragseingang um 11 Prozent, im Bereich Maschinenbau sogar um 30 Prozent.

Vorausschauende Investitionen sichern Arbeitsplätze

Der „Sorting Guide“ zeigt, welche Teile aus der Blechtafel zu welchem Auftrag gehören.

Aber der Einbruch wäre eben noch dramatischer gewesen, wenn die Geschäftsführung nicht früher in die Bereiche Elektronik und EUV investiert hätte. EUV steht für Extrem Ultra-Violett, es geht da um Riesen-Laser für Anlagen, die Oberflächen von Mikrochips für die Computer-Industrie belichten. In diesem Geschäftsbereich ist der Umsatz sogar gestiegen. Für Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsleitung, ist klar: Weit vorausschauend zu investieren, zahlt sich aus. „EUV hat lange gebraucht, bis die Marktreife erreicht wurde“, sagt sie, „heute profitieren wir enorm davon, dass wir seinerzeit einen langen Atem hatten.“

Unternehmen investieren trotz Krise

Obwohl Trumpf seine Investitionen krisenbedingt um ein Drittel zurückfahren musste, sind im abgelaufenen Geschäftsjahr immerhin knapp 200 Millionen Euro in innovative Vorhaben geflossen. Dazu zählen ein neues Zerspanungszentrum auf der Schwäbischen Alb, ein innovatives Geschäftsmodell für den Maschinenvertrieb oder das Zukunftsthema Quantentechnologie.

Langfristige Herausforderungen für die Wirtschaft

Damit will der Maschinenhersteller sich fit machen für die langfristigen Herausforderungen: schrumpfender Weltmarkt für Maschinenbauer, erstarkende Konkurrenz aus China, harter Strukturwandel in der Automobil-Industrie weg vom Verbrenner. Für Ausrüster wie Trumpf bedeutet das einen deutlichen Umsatzrückgang im Hauptmarkt Deutschland. Deshalb warnt Firmenchefin Leibinger-Kammüller die Politik: „Was die Unternehmen in der schwierigen konjunkturellen Situation nicht brauchen, sind höhere Steuern und mehr Regulierung.“

Fotos: Trumpf