Wie Anlagenbauer Schlager in Arbeitsplätze investiert

Industrieofenspezialist: Brauchen Mitarbeiter, um fit für die Zukunft zu sein

2018 drohte das Aus, dann wurde die Firma übernommen – und jetzt Corona: Beim Industrieofen-Hersteller Schlager bleibt man auch in düsteren Zeiten zuversichtlich. Und stellt mitten in der Krise neue Mitarbeiter mit festen Arbeitsplätzen ein.

Düster sieht es für Tobias Brokherm momentan nur aus, wenn er in den Ofen schaut, an dem er gerade arbeitet. Der massive Drehteller aus dunkler Spezialkeramik glüht noch nicht. Das kommt erst, wenn er – auf 1.200 Grad erhitzt – beim Kunden Hüftgelenke aus Titan kontinuierlich und präzise erwärmt. Ein Roboterarm wird die Teile durch eine kleine Öffnung einlegen und entnehmen. Da kommt es auf eine exakte Steuerung an – und für die hat Tobias Brokherm gesorgt. Für den jungen Elektrotechnik-Ingenieur ist es der erste Industrieofen, den er programmiert hat.

Der 25-Jährige hat seine Stelle bei der Firma Schlager Anfang des Jahres angetreten. Dass kurz darauf die Corona-Pandemie die Wirtschaft in eine historische Krise stürzte, ließ die Zukunft mancher Berufsanfänger nicht gerade rosig aussehen.

Jobs für sieben neue Mitarbeiter

Nicht so in dem Hagener Unternehmen, das auf Industrieofenbau und Thermoprozesstechnik spezialisiert ist. Auch dort brachen Aufträge weg oder wurden verschoben, Kunden wollten selbst bei Störungen keine Service-Mitarbeiter mehr bei sich sehen, die Belegschaft ging in die Kurzarbeit. „Trotzdem haben wir in den letzten Monaten sieben neue Leute fest eingestellt und wollen sie auch halten“, sagt Geschäftsführer Thomas Hüttenhein, der gemeinsam mit Stefan Schlager das Unternehmen führt: „Wir brauchen die Leute, um für die Zukunft gewappnet zu sein.“

Für das zweite Halbjahr sehe es schon wieder ganz gut aus. Die Krise habe man für Fortbildungen genutzt und fürs Aufräumen. Hüttenhein ist Optimist: „Nur schwarzzusehen, bringt einen nicht weiter.“ Anlagen- und Schaltschrankbau, Konstruktion, Automatisierungstechnik, Vertrieb und vor allem der Service wurden personell verstärkt. „Auch wenn wir aktuell nicht wirklich viele Großaufträge haben, die kleinen sind mit wenig Personal nicht zu schaffen“, erklärt Hüttenhein. Er baut eine Serviceabteilung auf, die sich um die Wartung und Modernisierung auch von Fremdanlagen kümmert – ein weiteres Standbein für das Unternehmen.

Für die alten Hasen unter den 40 Mitarbeitern ist das eine beruhigende Perspektive. Die haben ihre eigene Krise schon hinter sich. 2018 war Schlager in die Insolvenz gerutscht, weil ein Großauftrag gekündigt wurde. Die Rettung kam Anfang 2019 mit der Electrotherm-Gruppe aus Israel.

Neue Chancen nach der Übernahme

Beide profitieren: Electrotherm ist vor allem in der Herstellung elektrisch beheizter Industrieöfen führend. Die Hagener bringen zusätzlich Kompetenzen in Sachen gasbeheizte Öfen ein. Sie werden in der Stahlverformung eingesetzt oder entspannen Karbon für Flugzeugteile. „Wir liefern jegliche Art von Erwärmungsanlagen für viele Branchen“, so Stefan Schlager – schlüsselfertig und nach neuesten Standards, mit allen Abnahmen und ergänzenden Maschinen.

Rund zehn Öfen gehen im Jahr raus. Bis sie fertig sind, dauert es immer einige Monate. Sie zu verpacken unter Umständen auch. So wie bei zwei Öfen für eine Schmiede in China, an denen Nico Nolzen arbeitet. Der Industriemechaniker und seine Kollegen haben sie wie im Baukastensystem aufgebaut: rund sieben Meter lang, sechs Meter breit und vier Meter hoch. Allein eine Tür, die sich in nur zwölf Sekunden öffnet und schließt, wiegt acht Tonnen.

Aufwändig müssen die Teile für den Transport im Containerschiff verpackt werden. Vor Ort wird ein Team aus Hagen sie wieder zusammensetzen. An dem Großprojekt hängt einiges. Wenn es gut läuft, kann ein Auftrag für sechs weitere Öfen folgen. „Es ist eine moderne Brennwerttechnologie mit neuen Brennern, stärkerer Isolierung, weniger Stickoxiden“, erklärt Hüttenhein. „Die Chinesen stellen hohe Anforderungen in Sachen Energie.“

Schlager arbeitet an Wasserstofftechnologie

Der Umwelttechnologie gehört die Zukunft, „und das ist unser Metier“, so Hüttenhein. Auch an einer Lösung mit Wasserstoff werde gearbeitet. „Der Technologietransfer zwischen beiden Unternehmen ist dabei sehr wichtig“, betont er. Man unterstütze sich gegenseitig. Für die Kollegen in Israel zahlte sich das besonders während der dort massiver auftretenden Corona-Pandemie aus. Die Zusammenarbeit sei sehr kollegial. „Die Menschen sind uns in der Mentalität sehr nah. Sie sind warmherzig und offen.“ Auch die deutsch-israelische Freundschaft hat da eine Zukunft.

Fotos: Daniel Roth

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