Weltweites Produktionsnetz hilft in der Krise

Warum internationale Standorte für das Unternehmen KSB gerade jetzt wichtig sind

An die 40 Werke zwischen China, Indien, Europa und Amerika. Das ist in der Corona-Krise nicht leicht zu steuern und zu überblicken. Unternehmen wie dem Pumpenhersteller KSB aus Frankenthal in der Pfalz hat gerade dieser weltweite Produktionsverbund dabei geholfen, in der Krise Engpässe zu überbrücken. Wilfried Sauer leitet bei KSB die Corona-Taskforce und erzählt, wie der Maschinenbauer mit rund 15.600 Mitarbeitern in Fertigung, Service und Verwaltung weltweit das Unternehmen am Laufen hält und gleichzeitig in die digitale Zukunft investiert.  

Wilfried Sauer leitet das Corona-Krisenmanagement bei KSB.
Wilfried Sauer leitet das Corona-Krisenmanagement beim Pumpenhersteller KSB.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen?

Die ersten beiden Monate des Jahres waren noch gut, doch dann traf uns – wie viele andere auch – die Corona-Pandemie mit lokalen Lockdowns und anderen Beschränkungen. Auftragseingang und Umsatz gingen in der Folge zum Teil zweistellig zurück. Zunächst war unser Standardgeschäft betroffen, wo wir etwa Pumpen für viele Industrieanwendungen fertigen. Hinzu kam die Strukturkrise in der Automobilindustrie. Die Kunden hielten sich mit Investitionen zurück, Service-Aufträge und Revisionen wurden verschoben, das Reisen unserer Service-Mitarbeiter war nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Im Geschäft mit Engineered-Produkten konnten wir zunächst noch von unserem hohen Auftragsbestand profitieren, doch der geringere Auftragseingang wird im nächsten Jahr zu geringerem Umsatz führen. Engineered Produkten gehen zum Beispiel Kraftwerke, Wasser- oder Abwasseranlagen. Sie sind Unikate, die speziell für den Einsatz in einer bestimmten Anwendung entwickelt und gebaut werden. Solche Projekte haben glücklicherweise eine längere Vorlaufzeit.

Wie haben Sie den Einbruch der Krise im Frühjahr erlebt?

Wir schwammen mit der Quarantäne-Welle. Diese Pandemie-Welle mit zum Teil staatlich verordneten Lockdowns nahm ihren Anfang in China, ging über Indien und Pakistan weiter nach Europa, Südafrika und Amerika. In all diesen Ländern und Regionen haben wir unsere Werke, die zum Teil Zulieferungen wie Guss-Teile für andere Werke herstellen oder die auf Zulieferungen der anderen Werke angewiesen sind. Kann eine der großen Gießereien nicht liefern, hat das Auswirkungen auf andere Standorte.

Was hat da geholfen?

Wir haben sofort einen interdisziplinären Krisenstab eingesetzt, in dem alle wichtigen Funktionen vertreten sind, und der anfangs täglich getagt hat. Er hat schnell reagiert, Entscheidungen täglich an die sich verändernde Lage angepasst und die Produktion an andere Standorte verlagert, wo dies möglich war – sicher ein großer Vorteil unseres internationalen Produktverbundes. So konnten wir im Wesentlichen alles am Laufen halten.

Was war für Ihr Unternehmen das wichtigste?

Das Stichwort heißt Transparenz. Die Produktionsleitung hat ein internationales Monitoring-Team zusammengestellt. Es hat die Situation in den einzelnen Werken genau betrachtet und analysiert, was dies für die Lieferfähigkeit bedeutet, damit die Kunden auch in der Krise zuverlässig versorgt werden können.  

Welche Maßnahmen haben Sie konkret umgesetzt?

Zunächst war viel Organisatorisches nötig. Wenn Schulen und Kitas geschlossen sind, muss zunächst die Kinderbetreuung sichergestellt werden. Das bedeutet schnelles Umstellen auf Homeoffice. Das wiederum heißt, dass Laptops angeschafft werden müssen, wo vorher Arbeitsplatz-Rechner standen. Auch die Schichtmodelle in der Fertigung mussten wir umstellen, um die Übergabezeiten zu entzerren, damit sich die Mitarbeiter beim Schichtwechsel nicht länger als nötig begegnen.

Das alles ist viel Aufwand…

Ja, die Pandemie hat uns Geld gekostet und tut es immer noch. Die Krankheitsquote ist durch Covid-19 gestiegen. Wir haben natürlich Homeoffice ermöglicht, da wo es umsetzbar ist. Aber das geht leider nicht überall. Unsere Monteure können die Pumpen eben nicht zuhause zusammenbauen. Und wo Mitarbeiter fehlen, da sinkt die Produktivität, da steigen die Kosten. Zugleich mussten wir investieren: In Laptops, Bandbreite, Hygiene-Maßnahmen, und, und, und.

Was tun Sie noch gegen Infektionen in der Corona-Krise?

Wir haben viel gelernt. Wir haben klare Hygieneregeln, die auch strikt eingehalten werden. Homeoffice ist in vielen Bereichen fester Bestandteil geworden. Das war letztes Jahr noch undenkbar. Wir haben an den Werkeingängen Fieberscanner installiert. Wer sich krank fühlt, wird zum Betriebsarzt geschickt. Der stellt fest, ob es nur ein harmloser Schnupfen oder eine Infektion mit dem Sars-Cov2-Virus ist. Inzwischen führen wir auch Corona-Schnelltests durch.

Wie wirkt sich Ihr weltweites Produktionsnetzwerk auf die Lage im Unternehmen aus?

Wir hatten zum Glück schon vor Corona redundante Standorte, das heißt, das gleiche Produkt wird auch anderswo gefertigt. Das gilt auch für die Ersatzteile. Wir haben das ursprünglich gemacht, um näher am Kunden zu sein. Das zahlt sich jetzt aus. Als etwa unsere Gießerei in Indien wegen des Lockdowns ausfiel, ist zum Beispiel unser Standort Pegnitz in der Oberpfalz in die Bresche gesprungen. Hier dreht sich alles um Entwicklung, Fertigung und Vertrieb von Pumpen für die Gebäude-, Industrie- und Verfahrenstechnik. In der werkseigenen Gießerei entstehen aber auch Gussteile für den Einsatz in aller Welt.

Was haben Sie aus der Pandemie gelernt?

Wir brauchen die digitale Transformation! Corona hat hier wie ein Katalysator gewirkt und diesen Prozess beschleunigt. Das ist gut so. Wir alle haben doch festgestellt, dass man nicht permanent in Besprechungen, in Autos oder Flugzeugen sitzen muss. Skypen beispielsweise funktioniert in vielen Fällen ebenso. Deshalb werden wir weiterhin in vernetztes Arbeiten investieren, um hier flexibel zu sein.

Wie investiert KSB außerdem in die Zukunft?

Digitalisierung und Innovation sind Treiber des Geschäfts. Im „KSB Innovation Lab“ entwickelt ein Team aus unternehmenseigenen Experten, externen Erfahrungsträgern und Studenten neue Geschäftsmodelle, die den digitalen Wandel im Kerngeschäft Maschinenbau vorantreiben. Ein Beispiel ist „Pump-Drive“, ein Sensor, der elektronisch erfühlt, in welchem Zustand eine Pumpe sich befindet und eventuellen Wartungsbedarf dann drahtlos weitergibt.

Welche Trends werden noch wichtig für Ihr Unternehmen?

Urbanisierung gehört zu den Megatrends, die uns als Pumpenhersteller helfen. Denn Menschen in Städten brauchen Energie, Wasser – und auch Abwassertechnik. Auch das Bevölkerungswachstum spielt uns da in die Hände. Mehr Menschen müssen wohnen, essen, leben, trinken. Auch in der Lebensmittelindustrie benötigt man Pumpen, zum Beispiel zur Herstellung von Pasta-Teig oder von Getränken.

Und wie geht es jetzt in der Krise weiter?

Wir fahren nach wie vor auf Sicht, genau wie unsere Kunden. Denn wer unsicher ist, der investiert nicht gerne. Auftragseingang und Umsatz haben sich mittlerweile stabilisiert. Dadurch, dass wir breit aufgestellt sind können Rückgänge in einem Marktbereich leichter kompensiert werden.

Fotos: KSB

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