„Warum sollen Frauen MINT nicht können?“

Frauen in MINT: Marie Faber ist eine von wenigen. Welche Perspektiven ihre Ausbildung bei Kaeser bietet und warum Frauen im Fachkräftemangel wichtig sind.

MINT-Berufe zählen für Frauen nach wie vor oft nicht zu den Wunschberufen. Anders bei Marie Faber: Die 19-Jährige ist Auszubildende Industriemechanikerin bei KAESER Kompressoren in Coburg. Für sie war früh klar, dass sie einen technischen Beruf machen wird.
Wenn Marie Faber anderen erzählt, wo sie nach der Schule gelandet ist, tut sie das nicht ohne Stolz: „Ich hatte einfach den Mut, das zu machen. Warum sollen Frauen das auch nicht können?“ Im vierten Lehrjahr weiß sie heute ganz sicher, dass sie die richtige Wahl getroffen hat.

„Ich mag das präzise Arbeiten bei allen Teilen, die ich fertigen durfte. Auch das Arbeiten an der Maschine – selbst etwas herzustellen, ist ein tolles Gefühl. Zum Beispiel habe ich für unsere Ausbildungsabteilung Modelle von Zahnrädern gefertigt, um zu verstehen, wie sie funktionieren. „In welche Richtung drehen sich die übrigen Zahnräder, wenn ich eines bewege?“, sagt Faber.

Gesucht: Frauen mit Sinn für Präzision und Interesse an Technik

Und sie weiß auch, dass sie das kann: als Industriemechanikerin arbeiten. Genauso wie alle anderen Frauen oder Männer, die wie sie Spaß an Präzisionsarbeit haben, technisches Verständnis mitbringen und einfach neugierig auf die Zusammenhänge im Kompressorenbau sind. Die wissen möchten, wie eine Maschine entsteht, wie sie funktioniert und wie es ist, von der Fertigung über die Montage bis zur Auslieferung an den Kunden alles selbst zu machen. „Mir hilft neben dem genauen Arbeiten und Interesse an Technik sicher auch meine Geduld und die Flexibilität, mich auf immer neue Herausforderungen und Einsatzgebiete einzustellen”, ist Faber überzeugt.

Diese Offenheit und der Sinn für Präzisionsarbeit ist KAESER wichtig. Von den kleinen Handwerks- oder Kolbenkompressoren bis zu den riesengroßen Anlagen für die Industrie stellt das Unternehmen einen Großteil der benötigten Bauteile selbst her. Damit alle Teile beim Kunden einwandfrei arbeiten, darf es keine Ungenauigkeiten geben. Denn Druckluft ist in der Industrie so wichtig wie Strom – und der darf schließlich auch nicht ausfallen.

In der Kompressorenproduktion bei Kaeser sind junge Talente mit Sinn für Präzision und Faszination für Technik gefragt – doch für die Ausbildung mangelt es an Bewerbungen. (Foto: Kaeser)
In der Kompressorenproduktion bei KAESER sind junge Talente mit Sinn für Präzision und Faszination für Technik gefragt – doch für die Ausbildung mangelt es an Bewerbungen. (Foto: KAESER)

Immer weniger junge Menschen bewerben sich für eine Ausbildung

Die Azubis lernen alle Bereiche kennen. Und können sich ziemlich sicher sein, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Denn wie so viele Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie spürt auch KAESER einen Bewerberrückgang.
„Leider finden wir in den letzten Jahren weniger Auszubildende, als wir für unsere momentan 120 Ausbildungsstellen bräuchten. Da merken wir, dass einfach weniger junge Menschen nachkommen – aufgrund des demografischen Wandels, aber auch, weil immer mehr lieber ins Studium gehen. Das ist ein Problem“, sagt Unternehmenssprecherin Daniela Koehler. „Gerade an den Gymnasien sollte deshalb die Ausbildung als Alternative zum Studium stärker Thema sein. Die damit verbundenen Chancen auch für Schülerinnen und Schüler mit nicht so guten Noten sollte die Bildungspolitik noch stärker aufzeigen, vielleicht auch eine Praktikumspflicht einführen.“

Marie Faber hat gleich drei Praktika als Industriemechanikerin gemacht, nachdem sie bei den Berufsfindungstagen an ihrer Schule von dem Ausbildungsberuf gehört hat. Bei einem hat sie KAESER kennengelernt – und sich direkt um einen Ausbildungsplatz beworben. Dass Technik und Handwerk sie interessieren, war schon früh klar: „Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden und durfte meinem Vater viel helfen, ab und zu auch mal etwas an den Maschinen reparieren. In der Schule habe ich mich dann auch für den handwerklichen Zweig entschieden.“

Marie Faber ist Auszubildende Industriemechanikerin bei Kaeser – und damit eine der wenigen Frauen in MINT-Berufen. (Foto: Kaeser)
Marie Faber ist Auszubildende Industriemechanikerin bei KAESER – und damit eine der wenigen Frauen in MINT-Berufen. (Foto: KAESER)

Auch als einzige Frau selbstverständlich Teil des Teams

Momentan arbeitet sie in der Montage für mittlere Kompressoren – der Abteilung, in der sie auch nach ihrem Abschluss in den Beruf einsteigen wird. „Hier bin ich momentan die erste und einzige Frau“, sagt sie. Als Exotin fühlt sie sich trotzdem nicht: „Ich wurde sehr gut aufgenommen und bekomme immer und von jedem Unterstützung, wenn ich mal Hilfe brauche. Unser Ausbilder ist außerdem immer für uns da und hat mich sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet.“
Im Ausbildungsjahrgang waren sie als Frauen zumindest zu zweit. Jedenfalls bis vor kurzem, als die Mitauszubildende die Lehrzeit verkürzt hat. „Jetzt bin ich auch hier die Einzige“, sagt sie und lacht. Wenn sie anderen aus ihrer früheren Schule oder Bekannten erzählt, was sie jetzt macht, hört sie meist „oh, wow“ oder ähnliches – eine Mischung aus Erstaunen und Anerkennung.

Marie Faber selbst macht sich über ihre Sonderrolle aber schon lange keine Gedanken mehr. Weil es diese, abgesehen davon, dass sie aktuell die einzige Frau ist, auch gar nicht gibt: „Ich gehe wie die anderen auch von Abteilung zu Abteilung und lerne genau wie sie, wie ich noch geschickter, schneller und wirtschaftlicher fertige.“ Schülerinnen, die kurz vorm Schulabschluss stehen, kann sie nur empfehlen, auch über technische Berufe nachzudenken und sie durch Praktika kennenzulernen.

Jungen Frauen fehlt oft Selbstbewusstsein für MINT-Berufe

Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf erklärt sich das geringe Interesse von Mädchen und jungen Frauen an MINT vor allem mit Rollenklischees. „Nicht selten sehen wir auch, dass ihnen das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten fehlt, naturwissenschaftliche Probleme erfolgreich lösen zu können“, sagt Hopf. Beobachten kann er das bei den vielen Angeboten von KAESER für Schülerinnen: vom Praktikum über Veranstaltungen an Schulen, den „Girls’ Day“, verschiedene Camps bis zum Einsatz weiblicher Azubis bei berufskundlichen Veranstaltungen bietet das Unternehmen eine ganze Reihe an Formaten an.

Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf wünscht sich mehr weibliche Vorbilder, damit junge Frauen sich eine Karriere in MINT-Berufen selbstverständlicher zutrauen. (Foto: Kaeser)
Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf wünscht sich mehr weibliche Vorbilder, damit junge Frauen sich eine Karriere in MINT-Berufen selbstverständlicher zutrauen. (Foto: Kaeser)


Von der Bildungspolitik wünscht sich Hopf, dass es sowohl im MINT-Unterricht als auch in der Berufsorientierung ausschließlich um die Interessen und Talente der Schülerinnen und Schüler geht. „Und wir brauchen mehr Vorbilder. Ich könnte mir vorstellen, dass viel mehr Best Practice-Beispiele von Mädchen und Frauen in MINT aus Schulen, Hochschulen und Unternehmen öffentlich gemacht werden. Solche Vorbilder könnten junge Frauen dazu anregen, eine MINT-Laufbahn einzuschlagen.“

Fotos: KAESER