Verhaltene Aussichten für den Export

Außenhandel und Corona: Der Autoindustrie drohen die höchsten Einbußen

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft musste in Folge der Corona-Krise einen starken Rückgang im Außenhandel verkraften. Auch wenn sich die Lage hierzulande aktuell leicht entspannt – langfristig sehen die Prognosen mäßig aus. Besonders hart trifft es die Autoindustrie, die 2019 mit 114 Milliarden Euro einen sehr hohen Umsatz in den durch Corona stark schrumpfenden Volkswirtschaften hatte.

Die deutsche Wirtschaft ist so intensiv in internationale Märkte und Wertschöpfungsketten eingebunden wie nur wenige andere Volkswirtschaften auf der Welt. Die wirtschaftlichen Einbrüche in anderen Ländern wirken sich daher stark auf die deutsche Wirtschaft aus – vor allem auf die Industrie. In der ersten Junihälfte 2020 waren laut Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 65 Prozent der Industrieunternehmen in ihrer Produktion durch Engpässe in den Lieferketten eingeschränkt.

Zudem schwächt die Corona-Krise den Außenhandel. Nach Analyse des IW sind die wichtigsten Branchen der Metall- und Elektro-Industrie besonders stark betroffen. Die Exporte der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der Elektroindustrie in Länder mit derzeit hohem Corona-Risiko* beliefen sich im Jahr 2019 auf gut 90 Milliarden Euro – das ist mehr als die Hälfte der Exporte aller Branchen von gut 160 Milliarden Euro im selben Jahr.

Die Aussichten sind eher schlecht: Rund 57 Prozent der Exporte der Metallindustrie gingen 2019 in Länder, deren Wirtschaftsleistung 2020 voraussichtlich um mehr als 6 Prozent einbrechen wird. Der sonstige Fahrzeugbau schneidet mit 46 Prozent Exportanteil in solche Länder noch relativ gut ab. Er hat auch mit knapp 16 Prozent den höchsten Anteil an Ausfuhren in Länder, in denen die Wirtschaft im Jahr 2020 wachsen dürfte. Das liegt vor allem daran, dass China, Indien und Vietnam wichtige Exportziele des sonstigen Fahrzeugbaus sind.

Umgerechnet auf das Exportvolumen drohen der Autoindustrie die größten Einbußen. Ihr Umsatz in den stark schrumpfenden Volkswirtschaften lag 2019 weltweit bei 114 Milliarden Euro. Die Elektroindustrie erzielt mit fast 100 Milliarden Euro und der Maschinenbau mit knapp 90 Milliarden Euro ebenfalls hohe Erlöse in Ländern mit sinkender Wirtschaftsleistung.

 

*Für seine Untersuchung hat das IW sieben Wirtschaftszweige betrachtet, die zusammen rund 82 Prozent der industriellen Exporte Deutschlands auf sich vereinen. Die Risikoeinordnung wurde für mehr als 160 Länder vorgenommen und bezieht sich auf den Zeitraum vom 2. bis zum 16. Juni 2020. Dabei besteht nach Definition der Forscher ein hohes Risiko in Ländern, in denen es einen Anstieg der Corona-Fälle um 10 Prozent innerhalb einer 14-Tages-Periode gab und gleichzeitig mindestens 0,1 Prozent der Bevölkerung akut mit dem Coronavirus infiziert sind. Trifft nur eines der beiden Kriterien zu, liegt ein mittleres Risiko vor.