Sorge vor Lieferstopp: Gas für viele Betriebe unersetzbar

Wenn Gas aus Russland vollständig ausbleiben würde, hätte das für die Industrie enorme Folgen. Es drohen weitere Lieferausfälle und Produktionsstopps.

Schon jetzt trifft Russlands Gas-Drosselung die deutsche Wirtschaft hart. Doch was, wenn russisches Gas vollständig ausbleiben würde? Für die meisten Betriebe ist das ein besorgniserregendes Szenario: 58 Prozent könnten das benötigte Erdgas kurzfristig nicht ersetzen, zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung1) aus dem Mai. Rund zwei Drittel der energieintensiven Betriebe, die Erdgas brauchen, erwarten bei einem Stopp russischer Gaslieferungen deutliche Produktionseinschränkungen bis hin zu einem Produktionsstopp. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Sorge vor solchen negativen Auswirkungen besonders groß.

Tatsächlich träfe ein Gasmangel nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nahezu alle Unternehmen in Deutschland, auch in der Metall- und Elektroindustrie. Dabei geht es nicht nur um die Betriebe, die Gas direkt einsetzen und schon jetzt unter den hohen Preisen leiden. Denn viele beziehen auch Vorprodukte von anderen Unternehmen, die auf Gas angewiesen sind. Dadurch kann es in den ohnehin angespannten Lieferketten zu weiteren Problemen wie Lieferausfällen kommen. Käme es zu drastischen Einschränkungen der Produktion, könnte das auch dazu führen, dass Betriebe die Beschäftigung reduzieren müssen.

Kurzfristig lässt Gas sich in der Industrie nicht in großem Stil ersetzen. Dafür sind die Produktionsprozesse zu komplex. Politik und Gesellschaft müssten deshalb aus Sicht der IW-Experten gemeinsam an einem Strang ziehen – und Alternativen finden, um Gas zu beschaffen sowie den Verbrauch wenn möglich zu reduzieren. Wie bereits in den vergangenen Wochen sollte so viel Gas wie möglich über Pipelines aus Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden bezogen und der Bau von Flüssiggasterminals weiter konsequent vorangetrieben werden. Das ist die Voraussetzung, damit Deutschland zukünftig Flüssiggas aus Ländern wie den USA oder Katar importieren kann. Zudem unterstützt das IW die angekündigte Energiesparkampagne des Bundeswirtschaftsministeriums, um den Gasverbrauch zu reduzieren. Unter anderem sollen Kohlekraftwerke reaktiviert werden, um weniger Gas in der Stromerzeugung zu verbrauchen. All das könne helfen, das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, die Gasspeicher in Deutschland bis 1. Oktober zu 80 Prozent aufzufüllen.

Quelle 1): https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/6/beitrag/energiekrise-und-lieferstopp-fuer-gas-auswirkungen-auf-die-betriebe-in-deutschland.html