Nicht jeder Arbeitsplatz ist gleich flexibel

Mitarbeiter, Unternehmer und Wissenschaftler: Flexibilität kann nicht angeordnet werden

Wie sehr gehört flexibles Arbeiten für M+E-Mitarbeiter und -Unternehmer zur modernen Arbeitswelt? Und wie weit kann die Flexibilisierung überhaupt gehen, wenn Kundenaufträge warten und alle Hände in der Produktion gebraucht werden? Wir haben Mitarbeiter und einen Unternehmer der Metall- und Elektro-Industrie sowie einen Arbeitswissenschaftler gefragt:

Wie flexibel muss modernes Arbeiten sein? Und wie viel Flexibilität ist in Produktionsbetrieben überhaupt möglich?

„Man wird in Zukunft von einer festen Wochenarbeitszeit wegkommen und sich an Arbeitspaketen orientieren, die in einem gewissen Zeitraum zu schaffen sind. Damit wird Arbeiten auch weniger präsenzorientiert sein. So eine Flexibilisierung für alle Unternehmen anzuordnen, halte ich allerdings für schwierig, da das nicht jedes Unternehmen gleichgut organisieren und eine dafür grundlegende Unternehmenskultur nicht zwangsverordnet werden kann.“

Lisa Nowke, Gebietsvertriebsleiterin bei Trumpf, Ditzingen

„Flexibilität ist für uns im internationalen Vergleich ein Wettbewerbsvorteil, den wir nicht verspielen dürfen. Allerdings sind in einem Produktionsbetrieb nicht alle Arbeitsplätze gleichgut für Home-Office oder Gleitzeit geeignet. Für die Zukunft müssen wir kreative Lösungen finden, die sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerinteressen in Einklang bringen.“

Harald Speck, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor der SKF GmbH, Schweinfurt

„Das prägnante Kriterium der Arbeitswelt 4.0 ist die Flexibilisierung – und zwar von Arbeitszeit, Arbeitsort, Arbeitsorganisation und der Handlungsfreiheit der Beschäftigten. Unsere Analysen zeigen, dass Flexibilität auch in der Schichtarbeit schon vielfach umgesetzt wird. Sie kann aber nie so weitreichend sein wie im Büro, weshalb die Politik Gleichmacherei betreibt, wenn sie beispielsweise ein Recht auf Homeoffice oder andere Flexibilisierungsansprüche anordnet.“

Prof. Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa)

„Bei uns in der Firma gilt die Gleitzeit auch für Schichtarbeiter: Für mich ist das genug Flexibilität. Da ist es kein Problem, etwas früher oder später anzufangen, solange man auf seine Stundenzahl insgesamt kommt. Ich bin aber lieber pünktlich. Wenn ein Kollege ausfällt, mache ich manchmal Überstunden, die auf mein Arbeitszeitkonto angerechnet werden.“

György Barabas, Zerspanungsmechaniker bei Schrimpf & Schöneberg in Hagen