Mit UV-Licht gegen Viren und Bakterien

Rolltreppen-Hersteller Thyssenkrupp und Kone kooperieren seit Corona mit Startup

Wie lassen sich Menschen gegen das Coronavirus schützen? Mit dem Einsatz von UV-Licht gehen Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie innovative Wege. Wie die Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen ihre Produkte über ein Startup virenfeindlich machen – ganz ohne Reinigungsmittel und -personal.

Die kann man getrost anfassen – mit der ganzen Hand, nicht nur mit spitzen Fingern: Der Flughafen Zürich hat 16 besonders frequentierte Rolltreppen mit Modulen ausgerüstet, die Handläufe ständig mit UV-Licht desinfizieren. Reisende können sich sorgenfrei festhalten und der Flughafen spart Unmengen an Reinigungsmitteln. Licht im UV-C-Spektrum tötet zuverlässig so gut wie alle Bakterien, Schimmelpilze und Viren ab. Weil das Modul im Inneren der Treppe eingebaut ist und die Handläufe während ihres Durchlaufs im geschlossenen Teil bestrahlt, bekommen die Passagiere keine Strahlung ab. Das ist wichtig, denn das UV-Licht kann die Haut und die Augen schädigen.

Handlauf einer Rolltreppe mit UV-Licht und Hinweis
Handläufe mit diesem Hinweis sind durch UV-Strahlung keim- und virenfrei.

Die Module mit dem Namen Escalite hat thyssenkrupp Elevator in den Rolltreppen installiert. Wegen Corona schrecken plötzlich viele Menschen vor Druckknöpfen, Haltegriffen und Handläufen im öffentlichen Raum zurück. Für den Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen ist die innovative chemiefreie Desinfektionslösung Teil der neuen Covid-Strategie aus Hygiene-Technologien, berührungsloser Bedienung und Social Distancing-Lösungen. Hier kooperiert er mit einem Kölner Startup namens UVIS (UV-Innovative Solutions), das die Module entwickelt hat.

Idee aus der Schulzeit: Die Schweinegrippe stand Pate für UV-Einsatz

Die Idee hatten UVIS-Gründerinnen Katharina Obladen und Tanja Zirnstein schon als Schülerinnen. Damals, im Jahr 2010, grassierte die Schweinegrippe. Den Mädchen fiel auf, dass die Handläufe auf den Rolltreppen in Bahnhöfen, Flughäfen und Shoppingcentern richtige Keimschleudern sind. Igitt, Finger weg! Sich nicht festzuhalten, birgt jedoch Sturzgefahr. Dass kurzwelliges UV-Licht Keime abtötet, wird schon lange in der Trinkwasseraufbereitung und der Lebensmittelindustrie genutzt.

Uvis-Gründerinnen mit Modul für UV-Licht
Katharina Obladen und Tanja Zirnstein gründeten ein Unternehmen für UV-Licht-Hygiene.

„Strom ist an jeder Fahrtreppe vorhanden, also warum nicht das gleiche Prinzip für die Handläufe nutzen?“, erklärt Obladen die Idee. Beide Freundinnen machten sich schlau, sprachen mit Herstellern von Rolltreppen und UV-Lampen, ermittelten die korrekte Wellenlänge und Strahlungsdosis mit Hilfe von Forschungsinstituten. Ein befreundeter Techniker half, den Prototypen zu bauen. Damit gewannen sie einen Ideenwettbewerb und sicherten sich noch in der Schulzeit ein Patent.

2016 gründeten die jungen Frauen mit Förderung der NRW-Bank ihr Unternehmen und verkauften ihr Produkt zunächst vor allem in Asien gut. Die Module lassen sich in neue Fahrtreppen einbauen oder im Bestand nachrüsten. UVIS arbeitet mit den Herstellern zusammen: Neben thyssenkrupp Elevator sind das Kone und Schindler. Seit diesem Jahr hat das Thema Hygiene im öffentlichen Raum weltweit Hochkonjunktur. Die Nachfrage zieht auch aus Australien, Amerika und Europa an, Deutschland inbegriffen. „Die Pandemie erweist sich tatsächlich als Treiber bestimmter Megatrends, die einen Einfluss auf die gesamte weitere Entwicklung der Mobilitätsbranche haben werden“, so ein Unternehmenssprecher von thyssenkrupp Elevator.

UV-Strahlung desinfiziert Shoppingcenter, Bahnhöfe und Elbphilharmonie

Rolltreppe mit UV-Licht in der Hamburger Europa Passage
In Shoppingcentern und an anderen Punkten mit viel Publikumsverkehr macht UV-Licht das Festhalten am Rolltreppenhandlauf sicher.

Die UV-Module desinfizieren hierzulande die Handläufe zum Beispiel in der Hamburger Elbphilharmonie, am Bahnhof Düsseldorf, in mehreren Shoppingcentern und U-Bahn-Stationen und im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart.

Den geplanten Jahresumsatz hat das Jungunternehmen bereits in den ersten Monaten 2020 erreicht und die Belegschaft auf zehn Mitarbeiter verdoppelt. Damit sei noch lange nicht Schluss. Um die Aufträge erfüllen zu können, fertigten während des ersten Lockdowns neben den fünf festen Mitarbeitern zahlreiche Aushilfskräfte die Bauteile. „Wir haben uns Unterstützung im Familien- und Freundeskreis geholt. Bei den Studierenden ist die Uni ausgefallen, also hatten sie Zeit für uns“, erzählt die Firmenchefin. Inzwischen vertreibt UVIS auch eine desinfizierende Beschichtung auf Titandioxid-Basis, mit der sich die Griffe von Einkaufswagen, die Kartenleser im Supermarkt wie auch die Haltestangen im Bus leichter entkeimen lassen.

Escalite besteht aus drei Quecksilber-Niederdruckdampflampen, die auf der Wellenlänge von 254 Nanometer strahlen. Den Grundkörper der Module produziert ein Metallbauer in der Eifel, die elektronischen Steuerungskomponenten montiert die Kölner Werkstatt. „Für uns hat sich als Riesenvorteil erwiesen, dass wir alle Teile aus Deutschland beziehen und selbst produzieren. So hatten wir keinen Druck während der Krise, dass etwas nicht geliefert werden konnte“, sagt Obladen. Diese Unabhängigkeit und das Qualitätssiegel „made in Germany“ wollen sich die Gründerinnen weiter bewahren.

Fotos: Uvis

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