Mit dem iPad in die Ausbildung

Die digitale Transformation prägt bei Zeiss SMT schon die Ausbildung. Lesen Sie, wie das M+E-Unternehmen in lebenslanges Lernen investiert.

Fachkräftemangel und Digitalisierung – das sind laut einer aktuellen Studie die zwei Themen, die die Industrieunternehmen in Deutschland zurzeit am meisten umtreiben. M+E-Unternehmen wie Zeiss SMT engagieren sich auf vielfältige Weise für die Aus- und Weiterbildung, um auch künftig die richtigen Köpfe für den digitalen und technologischen Wandel an Bord zu haben. Weshalb Zeiss SMT 1,3 Millionen Euro in eine neue Ausbildungswerkstatt investiert und handgeschriebene Berichtshefte hier Vergangenheit sind.


„Ich arbeite komplett papierlos, schreibe alles ins iPad, und Aufgabenblätter aus der Schule scanne ich ein, weil sie so nicht verloren gehen“, erzählt Ozan Subatli. Der 22-Jährige lernt Feinoptiker bei ZEISS SMT in Wetzlar und ist bereits im zweiten Ausbildungsjahr.


Bei der ZEISS-Halbleitersparte SMT gibt es zum Ausbildungsstart ein iPad. Damit kommunizieren die Azubis mit Ausbildern und Lehrern, erhalten Aufgaben und Prüfungsergebnisse, führen ihr Berichtsheft und schauen Lernfilme.
Die Abkürzung SMT steht für Semiconductor Manufacturing Technology. Das Unternehmen produziert Optiken und Systeme für Anlagen, die man für die Herstellung von Mikrochips braucht. Mehr als 80 Prozent aller Mikrochips weltweit entstehen heute dank ZEISS.

Zeiss SMT baut Ausbildung aus und schafft 50 neue Stellen

Da inzwischen so gut wie jede Branche Mikrochips braucht, wurde in Wetzlar sogar während der Corona-Lockdowns in Volllast produziert. „Und wir wollen allein bis Anfang 2022 hier 50 neue Stellen schaffen und bauen auch die bestehende Ausbildung weiter aus“, erklärt Natascha Baumann, Personalleiterin von ZEISS SMT in Wetzlar.

Personalleiterin Natascha Baumann setzt angesichts des digitalen Wandels auf lebenslanges Lernen. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)
Personalleiterin Natascha Baumann setzt angesichts des digitalen Wandels auf lebenslanges Lernen. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)


Engagierte junge Menschen wie Subatli oder Tom Rustler, der bei ZEISS SMT Industriemechaniker lernt und wie sein Kollege einen guten Realschulabschluss hat, sind deshalb sehr willkommen. „Es ist schon faszinierend, an der beeindruckenden Technologie von SMT so nah dran zu sein“, sagt Rustler stolz.

Industriemechaniker-Azubi Tom Rustler hat sein Tablet auch an der Drehmaschine griffbereit. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)
Industriemechaniker-Azubi Tom Rustler hat sein Tablet auch an der Drehmaschine griffbereit. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)

Das eigene iPad, das auch er zu Beginn der Ausbildung bekam, war für ihn wie das Tüpfelchen auf dem i: „Wir waren damals alle baff, als jeder so ein Tablet mit Tastatur in die Hand gedrückt bekam, auf dem man sogar mit einem Stift schreiben kann und das wir auch privat nutzen dürfen“, erinnert sich der 17-Jährige.

Die Digitalisierung der Produktion schreitet voran

Inzwischen ist für ihn wie für Subatli der Umgang damit längst selbstverständlich, und beide wollen das handliche Gerät mit dem Elf-Zoll-Monitor als Handwerkszeug längst nicht mehr missen. „Da steckt einfach alles drin, und ich hätte ein echtes Problem, wenn es verloren ginge“, erzählt Subatli.

Ausbildungsleiter Burkhard Kramer ist begeistert, wie gut die Azubis die Digitalisierung annehmen. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)
Ausbildungsleiter Burkhard Kramer ist begeistert, wie gut die Azubis die Digitalisierung annehmen. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)

Schon seit einigen Jahren stellt man Azubis bei ZEISS SMT Tablets zur Verfügung. „Unsere Produktion wird immer digitaler, Maschinen sind zunehmend miteinander vernetzt, wir arbeiten am papierlosen Büro und so vielem mehr, da dürfen wir doch in der Ausbildung der Zeit nicht hinterherhinken“, betont Ausbildungsleiter Burkhard Kramer.

Die Ausbildung läuft über digitale Plattformen und Tools

Er ist begeistert davon, wie unkompliziert sich die jungen Leute der Digitalisierung öffnen. „Sie sind mit elektronischen Geräten aufgewachsen, und das merkt man einfach, weil sie sich ohne große Scheu auf digitale Herausforderungen einlassen“, erläutert der Diplom-Ingenieur.
Bei ihm starten jeden Herbst zwischen acht und zwölf Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich. In der ZEISS-Firmenzentrale in Oberkochen in Baden-Württemberg sind es sogar jedes Jahr insgesamt rund 75. Sie alle haben Zugriff zur eigenen ZEISS-Lernplattform, kommunizieren übers Tablet mit ihren Ausbildern, der Personalabteilung, Lehrern und Mitschülern. Sie erhalten darüber neue Aufgabenstellungen und ihre Prüfungsergebnisse. Zudem stehen ihnen interne Apps und Filme zur Verfügung, die zum Beispiel zeigen, wie man Metall fräst oder eine optische Linse poliert. Manche Azubis nutzen es sogar, um über Social-Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook für ihren Ausbildungsberuf zu werben.

Wissen ist in der neuen Arbeitswelt jederzeit und überall verfügbar

Aber vor allem werden die Minicomputer genutzt, um Maschinen zu bedienen und zu programmieren, denn auch das will gelernt sein. Und jederzeit sind die Azubis an jedem Ort in der Lage, ihren aktuellen Lernstoff oder auch das bereits Erlernte anzusehen, das sie sich im Lauf der mehrjährigen Ausbildung angeeignet haben.
„Aber wir wollen kein Wissen auf Vorrat. Wir möchten, dass sie selbstständig in der Lage sind, Wissen überall abzurufen und dieses dann zu kombinieren, zu transferieren sowie in Teams kritisch zu hinterfragen und kreativ weiterzudenken. Der schnelllebige Wandel erfordert es, sich zukünftig stets neue Inhalte selbst anzueignen. Das Lernen auf Vorrat war früher, heute müssen wir flexibel in der Aneignung von Wissen sein. Das neue Wissen heißt verstehen!“, erläutert Organisationsentwickler Thomas Schnell, der in der Personalabteilung der Zentrale von ZEISS in Oberkochen mit daran arbeitet, die Aus- und Weiterbildungsangebote im Konzern an die fortschreitende Digitalisierung anzupassen.

Technologische Innovationen wie der 3-D-Drucker gehören selbstverständlich zur Ausbildungswerkstatt. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)
Technologische Innovationen wie der 3-D-Drucker gehören selbstverständlich zur Ausbildungswerkstatt. (Foto: aktiv/Gerd Scheffler)

Neue Ausbildungswerkstatt bereitet auf rasanten Wandel vor

Maschine-zu-Maschine-Kombinationen, Roboter-Systeme und sogar kollaborative Roboter, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten, kommen schließlich bei ZEISS immer mehr zum Einsatz. „Die Technologien verändern sich extrem schnell, und genau da müssen wir mithalten“, betont Schnell. Gerade in den Ausbildungssektor investiert der Konzern deshalb enorm. Allein in Wetzlar werden aktuell rund 1,3 Millionen Euro ausgegeben für eine neue Ausbildungswerkstatt inklusive neuen Maschinen sowie additiven Fertigungsverfahren wie 3-D-Drucker. Baumann betont: „Die technologischen Veränderungen sind inzwischen in allen Unternehmensbereichen wirklich rasant – deshalb bekommt das Thema ,lebenslanges Lernen’ nicht nur bei uns eine ganz neue Dimension.“