Mit Chancen gegen den Fachkräftemangel

Im Herz der Wirtschaft werden aus schwachen Schülern starke Azubis

Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie bietet Haupt- und Realschülern gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz – zumindest wenn sie einen festen Willen, Lernbereitschaft und etwas technisches Verständnis mitbringen. Dabei nehmen die Unternehmen aus dem Herz der Wirtschaft auch Bewerber, deren Abschlusszeugnisse nicht zu den besten gehören. So wie die HA-BE Gehäusebau, bei der Jugendliche auch dank eines Förderprogramms der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände ihre Ausbildungen mit Vorzeigenoten absolvieren. Trotz sinkender Bewerberzahlen gewinnt das Unternehmen so fähige neue Fachkräfte.

Der Frust war groß. Viele Bewerbungsschreiben, aber nur Absagen: Wie andere Jugendliche mit schwachen Schulnoten hat das auch Faton Krasniqi (19) erlebt. Trotzdem bekam der ehemalige Hauptschüler am Ende seine Chance auf eine Ausbildung – und das in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, im Herz der Wirtschaft.

Die HA-BE Gehäusebau, eine Blech bearbeitende 230-Mann-Firma in Altheim bei Landshut, hat Krasniqi zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet. Und wie: In der praktischen Abschlussprüfung reichte es 2014 sogar zu einer glatten Eins, in der Theorie immerhin noch zur Note zwei. „Ich wollte es allen beweisen“, sagt er.

Krasniqi hat nach schwacher Schullaufbahn die Kurve gekriegt. Voraussetzung dafür vor allem war sein Wille. Enorm geholfen haben ihm aber auch sein Betrieb – und das Förderprogramm „power(me)“.

Arbeitgeberverbände bringen junge Menschen in Ausbildungsberufe

Die Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme und vbm haben das Projekt ins Leben gerufen und mitfinanziert. Es unterstützt Jugendliche, die als leistungsschwach gelten, während ihrer Ausbildung. Die Erfahrungen sind so positiv, dass in diesem Jahr zusätzlich das Programm „power25+(me)“ startet. Es begleitet junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 35 bei einer Umschulung. „Ich habe Hilfe gebraucht“, erklärt Krasniqi, warum er in der Ausbildung plötzlich durchgestartet ist.

„Es war wie ein kleiner Schubs.“ Überall und jederzeit hatte er Ansprechpartner, die ihn unterstützten. In zusätzlichen Förderstunden konnte er gezielt an seinen Schwächen arbeiten. „Ich habe gemerkt, dass sich mein Einsatz auszahlt“, sagt er. „Deshalb ist bei mir dann der Groschen gefallen.“ Jugendliche in der Ausbildung an die Hand nehmen – das ist die Philosophie von HA-BE-Ausbildungsleiter Roland Ubrig. „Jungs wie Faton müssen erst erwachsen werden“, sagt er. „Sie auszubilden, ist schon anstrengend, aber es ist toll, ihre Entwicklung zu sehen.“

Besetzte Ausbildungsplätze nur dank Förderung

HA-BE vertraut seit Jahren auch auf Auszubildende, deren Zeugnisse nicht zu den besten gehören. Warum? „Die Zahl der Bewerber nimmt rapide ab“, sagt Ubrig. „Außerdem brauchen wir ja nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer.“

Bei Werkzeugmechanikern setzt der Ausbildungsleiter den Realschulabschluss voraus. „Aber nicht jeder Auszubildende braucht die mittlere Reife“, sagt er. Für viele Tätigkeiten in der Industrie reiche es aus, einfaches technisches Verständnis mitzubringen, fleißig zu lernen und gewissenhaft zu arbeiten. „Und das kann schließlich fast jeder leisten, der sich reinhängt.“ Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten für Haupt- und Mittelschüler, die immer wieder beklagt werden, erkennt Ubrig nicht. „Im Gegenteil“, sagt er, „ihre Chancen sind heute besser denn je.“ Die Industrie brauche sie ebenso wie das Handwerk.

Bei HA-BE ist man mittlerweile sehr froh, Faton Krasniqi eine Chance gegeben zu haben. Er macht sich so gut, dass Ubrig ihn schon als zukünftigen Techniker oder Meister sieht: „Faton kann das erreichen, wenn er sich weiter so entwickelt wie bisher.“

Das nötige Selbstvertrauen hat er inzwischen jedenfalls. „Man kann vieles schaffen, wenn man es nur unbedingt will“, sagt er. „Das habe ich während meiner Ausbildung gelernt.“


Wir sind Deutschlands Chancenindustrie.
Wir sind die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie.
Wir sind das Herz der Wirtschaft.

Fotos: Armin Weigel