Unternehmen machen aus Flüchtlingen Fachkräfte

Kaeser ermöglicht Integration durch Ausbildung

Viele Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie haben in den vergangenen Jahren Geflüchtete ausgebildet. Der Start in den Beruf klappt vor allem dann, wenn die Flüchtlinge ausreichend mit Deutsch- und Mathekursen vorbereitet werden. Wer darin fit ist, findet im Herz der Wirtschaft schnell ein neues Zuhause. Schließlich werden Fachkräfte in Deutschland dringend gesucht, ganz egal aus welchem Land sie kommen.

Wael Almhamid tippt sich stolz an die Brust: Auf der grauen Latzhose steht sein Name, eingestickt unter dem leuchtend gelben Logo von Kaeser Kompressoren. Seit einem Jahr lernt der 20-jährige Flüchtling aus Syrien nun schon in dem Coburger Unternehmen den Beruf des Maschinen- und Anlagenführers.

Damit ist er nicht allein. Der Druckluftspezialist in Franken hat vergangenes Jahr eine ganze Klasse Flüchtlinge bei sich aufgenommen – und jetzt zum Ausbildungsstart noch mal nachgelegt. Erneut bekamen mehr als 20 Jugendliche aus Ländern wie Syrien und Pakistan einen Ausbildungsplatz. Zusätzlich zu 75 neuen Azubis aus der Region. Kann man sich da überhaupt noch um jeden Einzelnen kümmern?

M+E-Industrie sieht in Talenten eine Chance

Kann man. Das zeigt auch das Beispiel von Wael Almhamid. Wie viele Flüchtlinge in Bayern kam auch er zu einem Job dank der Initiative „Integration durch Ausbildung und Arbeit (IdA)“. Dahinter stehen die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die Staatsregierung, die Kammern und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Bei Kaeser gehe es ihm „prima“, sagt der junge Mann, er sieht zufrieden aus. Nach einer kurzen Pause fügt er ernster hinzu: „Aber der Anfang war für mich echt hart.“ Almhamid kam Ende 2014 aus Syrien. Erst nach München, dann ins Fränkische, in eine betreute Wohngemeinschaft, weil er damals noch minderjährig war. Von Coburg, wo er heute zu Hause ist, hatte er zuvor noch nie gehört: „Ich hab das erst mal gegoogelt“, erinnert er sich.

Zwei Jahre lang besuchte er eine Integrationsklasse, büffelte Mathe und Deutsch. Und er bewarb sich für Praktika, auch bei Kaeser. Dort stellte sich der Syrer beim Feilen und Fräsen so geschickt an, dass er zum 1. September 2016 einen Ausbildungsplatz bekam. Bei aller Freude über diese Chance war Almhamid plötzlich mulmig: Würde er die Ausbildung schaffen? Was würden die anderen Azubis über ihn denken? „Ich war skeptisch“, sagt er, „es war ja mein erster engerer Kontakt zu deutschen Jugendlichen.“

Anerkennung ist im Herz der Wirtschaft garantiert

Seine Bedenken waren dann schnell beiseitegefegt. Locker ging es im Azubi-Camp von Kaeser zu, das Eis war bald gebrochen, Almhamid fand Freunde. Mit Marcel, einem Azubi aus Franken, geht er ab und zu kicken, beim ASV Reckendorf. Mit anderen Lehrlingen sitzt er zusammen in der Frühstückspause oder mittags in der Kantine, am Wochenende geht man manchmal aus.

Mühsamer als der Kontakt zu Gleichaltrigen war die Sache mit der für ihn ganz neuen Sprache. Vor allem die vielen Fachbegriffe machten dem Syrer zu schaffen: „Ich kannte eine Fräsmaschine nicht mal in meiner eigenen Sprache“, sagt er. Doch er ließ sich nicht entmutigen – und erhielt von vielen Seiten Unterstützung. „Frag einfach, wenn du etwas nicht verstanden hast“, forderte ihn etwa seine Berufsschullehrerin auf. Das tat Almhamid. Und bemerkte: „Oft freuen sich auch deutschsprachige Schüler in der Klasse, wenn etwas noch mal erklärt wird.“

Bildung ist Voraussetzung zum Aufstieg

Sein Betrieb tut viel, damit die Integration gelingt. So finanzierte Kaeser zusätzlichen Sprach- und Fachunterricht in der Firma, erweiterte die Lehrwerkstatt, stellte neue Ausbilder, eine Deutschlehrerin und kürzlich sogar einen Sozialpädagogen ein, der beispielsweise bei bürokratischen Dingen hilft. In der zweiten Flüchtlingsklasse sind einige Azubis, die es im Vorjahr nicht in die Auswahl geschafft hatten – vor allem der Sprachprobleme wegen. „Sie bekommen jetzt eine neue Chance“, sagt Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf.

Wael Almhamid hat seine Chance genutzt. „Ich weiß, dass ich das schaffe“, sagt er heute, zur Halbzeit der Ausbildung. Seine Noten sind gut. Auch privat läuft es. Mit seiner Freundin hat er eine Wohnung gemietet, sich vom Azubi-Gehalt sein erstes Auto zusammengespart: „Jetzt muss ich nicht mehr auf den Bus warten, wenn ich zur Arbeit will.“ Ein Stück mehr Freiheit in der neuen Heimat Franken.

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Foto: Kaeser