M+E schafft mit flexiblen Arbeitszeiten Freiräume

Familie, Hausbau, Weltreise: Arbeitszeitmodelle von Trumpf lassen Mitarbeitern die Wahl

Ein attraktiver Arbeitgeber zeichnet sich für immer mehr Fachkräfte durch flexible Arbeitszeiten aus. Die Unternehmen aus dem Herz der Wirtschaft bieten viele Arbeitszeitmodelle und Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten, um ihren Mitarbeitern Freiräume für Privates zu bieten. Bei Trumpf können die Arbeitnehmer unter anderem ihre Wochenarbeitszeit selbst festlegen, um Familie und Arbeit zu vereinbaren, den Horizont zu erweitern oder Investitionen wie den Hausbau zu finanzieren.

Ben Haugk setzt den Akkuschrauber an und fährt die Wendestation hoch. Sie steht neben dem 3D-Laserdrucker und nimmt nimmt den Behälter auf, der beim Druck eines Werkstücks überschüssiges Pulver auffängt. Die Wendestation kippt den Behälter und damit das Pulver aus, übrig bleibt das Werkstück. „Wäre cool, wenn ein Motor zum Hochfahren drin wäre“, sagt der 32-Jährige. Haugk hat Maschinenbau studiert und steuert die Prozesse an den 3D-Druckanlagen beim Ditzinger Maschinenbauer Trumpf.

Ein Job mit viel Flexibilität: „Seit ich bei Trumpf bin, bearbeite ich verschiedene und breite Themenfelder. Vor der additiven Fertigung war ich im strategischen Bereich, wo wir geschaut haben, ob die additive Fertigung den Markteintritt wert ist. Hier habe ich dann in der Verfahrensentwicklung angefangen, bin zum technischen Produktmanagement gewechselt und starte aktuell in der Entwicklungsabteilung die ersten Kundenprojekte.“ Ob die Wendestation demnächst einen Motor hat, entscheidet er in Abstimmung mit dem Kunden selbst.

Genauso selbstständig ist er bei der Wahl seiner Arbeitszeit. „Unser Sohn ist jetzt sieben Monate alt. Da meine Frau auch gerne arbeiten würde und wir ihn nicht den kompletten Tag betreuen lassen möchten, habe ich mich entschieden, für ein Jahr statt 35 nur 25 Stunden pro Woche zu arbeiten.“ Mit der Wahlarbeitszeit bietet Trumpf ein Arbeitszeitmodell, bei dem die Mitarbeiter selbst entscheiden können, wie viel Zeit sie bei der Arbeit verbringen wollen. Seit Anfang dieses Jahres gilt ein ähnliches Modell in den tarifgebundenen Metall- und Elektrounternehmen. Trumpf hat sein Modell schon 2011 eingeführt. Die Wochenarbeitszeit kann bei Trumpf zwischen 15 und 40 Stunden liegen, wird mit der Führungskraft vereinbart und für ein oder zwei Jahre festgelegt. Danach gilt entweder wieder die Basisarbeitszeit oder eine neue Wahlarbeitszeit.

Mit flexiblen Arbeitszeiten Mitarbeiter halten

„Für mich ist das wirklich ein großer Benefit“, sagt Ben Haugk. Sonst hätte entweder seine Frau zu Hause bleiben müssen, „oder ich hätte für einen längeren Zeitraum Elternzeit beantragt“ – und Trumpf eine Weile auf eine Fachkraft verzichten müssen. Trumpf will die Mitarbeiter halten, wenn sie Kinder erziehen, Verwandte pflegen oder aus anderen Gründen in einer Lebensphase weniger Zeit im Job verbringen können.

Die Wahlarbeitszeit ist in ein agiles Zeitsystem eingebettet: Innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten können Führungskraft und Mitarbeiter die Verteilung der Arbeitszeit frei regeln und ungleichmäßig im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben verteilen. Der Korridor liegt zwischen minus 100 und plus 200 Stunden. Das Zeitguthaben kann zum Beispiel für Privates genutzt werden, Defizite können durch eine stundenweise Ausweitung der täglichen Arbeitszeit abgebaut werden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Konten, in denen gezielt Zeit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Weiterbildung oder auch einfach mehr Urlaub angespart werden kann. „Das macht uns als Arbeitgeber in Zeiten des Fachkräftemangels attraktiv und stärkt die Mitarbeiterbindung. Seit Einführung der lebensphasenorientierten Arbeitszeit haben sich die Bewerbungen verdreifacht“, sagt Stefan Gryglewski, Personalleiter Werkzeugmaschinen, zur Flexibilisierung des Arbeitszeitvolumens durch die Abkehr von starren Wochenarbeitszeiten. Zum anderen ermöglichen die Arbeitszeitkonten im Rahmen der gesetzlichen Regelungen eine größere Flexibilität in Belastungsspitzen.

Mobiles Arbeiten erhöht die Entscheidungsfreiheit

Englisch, osteuropäisch, dazwischen Schwäbisch: die Hallen, in denen Trumpf Besuchern aus aller Welt seine Maschinen vorführt, sind von Fachgesprächen erfüllt. Am Ende einer der Hallen steht Agnes Mendel mit Marius Lippold. Die Softwareentwicklerin lässt sich vom Techniker Matrizen, Stempel und eine enorme Vielzahl weiterer Komponenten von Stanzwerkzeugen erklären. „Wir entwickeln eine Software, mit der wir die Kunden bei der Verwaltung der Werkzeugteile unterstützen wollen. Die Idee ist, die Daten an die Maschine zu übertragen, zum Beispiel per Scancode.“

Der Großteil ihres Teams sitzt zehn Flugstunden entfernt in Südindien. Meist ersetzten Mails und Telefonkonferenzen das Vier-Augen-Gespräch. Auch für die Konzeption der Software ist die 38-Jährige nicht an einen bestimmten Arbeitsort gebunden. Sie arbeitet gerne im Home-Office. Es ist Teil des mobilen Arbeitens, das Trumpf an bis zu 20 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit ermöglicht. „Um allerdings zu begreifen, was es für die Verwaltung der Stanzwerkzeuge braucht, muss ich mir die Teile hier im Werk von den Kollegen erklären lassen.“

Auch Mendel nutzt die Wahlarbeitszeit. Sie gehört zu den Mitarbeitern, die ihre Wochenarbeitszeit freiwillig erhöht haben. „Mit der Einführung der Wahlarbeitszeit arbeitete ein Großteil der Mitarbeiter nicht weniger, sondern hat die Arbeitszeit erhöht. Das mag auf den ersten Eindruck verwundern, aber wer genug Zeit hat, findet es eben oft auch attraktiv, mehr zu verdienen“, sagt Gryglewski. Zum Beispiel, um wie Agnes Mendel ein Haus zu bauen. „Mittlerweile halten sich Verlängerungen und Verkürzungen aber in etwa die Waage.“

Stunden sparen für die Auszeit

Und dann gibt es noch die, die für eine Weile auf die Auszahlung eines Teils des Gehalts verzichten. Lisa Nowke, Ländermanagerin für Osteuropa, hat so ein Sabbatical von elf Monaten angespart. „Eine Freundin von mir hatte vor eineinhalb Jahren in Montreal studiert. Ich habe sie besucht, um mit ihr durch Westkanada zu reisen. Und ich habe in einer Suppenküche in Montreal gearbeitet, ein Sozialprojekt, bei dem ich etwas Gutes tun konnte, aber beim Verteilen auch die Stadt noch besser kennengelernt habe.“ Die 31-Jährige ist froh, diese Gelegenheit zur Auszeit gehabt zu haben. „Wer weiß, wann das noch mal geht, sobald ich beruflich und privat so richtig verwurzelt bin.“

Eigentlich hatte Nowke nur ein halbes Jahr Sabbatical geplant. „Währenddessen habe ich dann gefragt, ob ich nochmal fünf Monate verlängern kann. Sogar das wurde mir sehr unkompliziert ermöglicht. Trumpf hat mein Gehalt vorgestreckt, und ich habe es nachher wieder reingearbeitet.“ So viel Flexibilität ist einmalig in Nowkes Bekanntenkreis. Und sie nutzt noch weitere Flexibilisierungsangebote: Ihre Wahlarbeitszeit hat sie von 40 auf 35 Stunden heruntergesetzt. Außerdem spart sie wöchentlich 2,5 Stunden auf dem Zeitkonto an, indem sie auf diesen Teil ihres Gehalts verzichtet. Die angesparte Zeit kann sie für ein weiteres Sabbatical oder andere Pläne nutzen.

„Get connected“ – vernetze dich – steht in den Fluren des Ditzinger Stammsitzes von Trumpf. Auf dem Weg von einem Gebäudeteil in den anderen bekommen diese Worte mit jedem Schritt mehr Bedeutung. Das Unternehmen mit rund 4.000 Mitarbeitern allein am Stammsitz wächst beständig. Die Entfernungen auch. Nach einigen Fluren, Treppen und Ecken sind wir zurück in der additiven Fertigung: Die Halle wirkt hell und aufgeräumt. Dennoch müssen wir Überschuhe anziehen. „Damit das Pulver für den 3D-Druck drinnen bleibt“, sagt Haugk. Er ist oft mit Kunden hier, um mit ihnen die Eckdaten für 3D-Druckmaschinen und die Prozesse drumherum zu besprechen. Der Rest seiner Arbeit ist kaum an einen bestimmten Ort gebunden. „Mein Chef arbeitet beispielsweise gerade von Berlin aus.“ Er selbst nutzt auch gern Home-Office oder schaltet sich per Skype ins Meeting, wenn die Wege im Werk zu lang sind.

Arbeitnehmer wollen Eigenverantwortung

Ben Haugk genießt die Flexibilität, die Trumpf ihm bei der Wahl von Arbeitszeit und -ort lässt. Genauso sind er und die Kollegen aber flexibel, wenn sie dienstlich zu Messen reisen, ins Ausland fliegen und dafür bis später am Abend unterwegs oder im Arbeits-Mailkonto sind. Mendel, Nowke und Haugk finden es dann oft fast unmöglich, vor dem Arbeitsstart am nächsten Morgen elf Stunden Ruhezeit einzuhalten, wie es das Arbeitszeitgesetz vorsieht. „Als Arbeitnehmer muss ich Eigenverantwortung mitbringen. Von einer Überregulierung halte ich nichts“, sagt Haugk. Und Mendel kennt durchaus einige Kollegen, die sich schon früh am Nachmittag verabschieden, um Zeit mit der Familie zu verbringen. „Wenn von denen dann um elf Uhr abends noch eine E-Mail kommt und sie am nächsten Morgen um sieben Uhr wieder im Büro sind, habe ich das Gefühl, die machen das gerne.“

Feste Wochenarbeitszeiten werden in Zukunft ohnehin kaum noch Thema sein, ist Nowke überzeugt. Damit hätten sich auch starre Ruhezeitenregelungen erledigt. „Dann haben wir Arbeitspakete, die wir in einem bestimmten Zeitraum erledigen. Dagegen wird es immer weniger ums Präsentsein gehen.“ Auch wenn dazu in vielen Unternehmen noch mehr Vertrauen in die Mitarbeiter investiert werden müsse, beobachtet Nowke, wie sich die Einstellung in den Köpfen schon heute verändert. „Und zwar auf allen Ebenen. Ich finde es zum Beispiel schön, dass auch mein Chef letztes Jahr vier Monate Elternzeit genommen hat. Das zeigt, dass Flexibilisierung normaler und auch von Führungskräften gelebt wird.“

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Fotos: Gottfried Stoppel