M+E schafft Freiräume für pflegende Angehörige

Airbus ermöglicht die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Die Pflege von Angehörigen ist eine große Herausforderung. Im Herz der Wirtschaft lässt man die Beschäftigten mit ihren Sorgen nicht allein. Die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie unterstützen pflegende Mitarbeiter dabei, die schwierige Situation zu meistern. Sie bieten Informationen und zeigen konkret, wie und wo man Hilfe bekommt. Außerdem ermöglichen sie den Betroffenen die nötige Zeit zu Hause und bieten mitunter noch bessere Rahmenbedingungen als gesetzlich vorgesehen – wie bei Airbus.

Vor der Arbeit zur Mutter fahren, ihr beim Frühstücken helfen. Alleine kann sie das nicht mehr. Nach Feierabend wieder hin, zuvor schnell noch die Mahlzeit aus der Kantine für sie mitnehmen. Zwischendurch anrufen, ob alles okay ist. Dazu der ganz normale Job bei Airbus DS Electronics in Ulm. „So war mein Alltag“, erzählt Gerti Schwab (52) – und diesen Kraftakt müssen immer mehr Berufstätige meistern.

Rückblick. Schwab steht vor einem großen Problem: Ihre Mutter ist recht plötzlich zum Pflegefall geworden. Seit einer Zungenkrebs-Erkrankung braucht sie rund um die Uhr Hilfe – beim Aufstehen, im Bad, beim Essen. Wie soll Schwab ihren Job als Sekretärin im Herz der Wirtschaft damit vereinbaren?

Die Personalabteilung informiert pflegende Angehörige über Hilfen

Am Airbus-Standort in Ulm geht man mit dem Thema Pflege bewusst offen um. Zur ersten Infoveranstaltung vor vier Jahren meldeten sich 100 der rund 2.500 Mitarbeiter an – „mit so einem Ansturm hätten wir damals nie gerechnet“, sagt Personalreferentin Sabine Sauer. Sie vermutet bei dem Thema eine hohe Dunkelziffer Betroffener: „Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt etwa bei 45“, schildert Sauer. „Das ist genau das Alter, in dem Pflege von Angehörigen für viele aktuell wird. Dafür müssen wir Lösungen anbieten – auch um wettbewerbsfähig und als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.“

Zumal viele von einer Pflegesituation überrascht werden. Wie Schwab: Ihre Mutter war zwar schon 83, „hatte sich bis dahin aber noch topfit um Haus und Garten gekümmert, sogar eine Seniorengruppe geleitet“. Die Sekretärin sagt: „Für mich stand fest, dass ich für meine Mutter da sein will.“ Sich an die Personalabteilung zu wenden, kostete sie trotzdem etwas Überwindung. „Ich wusste, dass es für solche Fälle Möglichkeiten gibt“, sagt sie. „Aber welche?“

Sie erfährt, dass der Staat eine Vielzahl von Hilfen bietet: Tages- oder Kurzzeitpflege, Sachleistungen und Beratung, sogar die Förderung des Wohnungsumbaus. Beschäftigte können kurzfristig eine bis zu zehntägige Auszeit nehmen, um eine neue Pflegesituation zu organisieren, und bekommen dafür Pflegeunterstützungsgeld. Wer sich länger um einen Angehörigen kümmern muss, kann sich freistellen lassen. Schließlich reduziert Schwab ihre Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden – auch ihr Bruder und die Nachbarschaftshilfe packen bei der Pflege mit an.

Familienpflegezeit für pflegende Angehörige

Ihr Vorteil: Bei Airbus bietet eine Betriebsvereinbarung über die Familienpflegezeit sogar noch bessere Rahmenbedingungen als gesetzlich vorgesehen. Außerdem gibt es hier neben einer Sozialberatung auch eine Pflegesprechstunde. Und zwei Pflegelotsen, Personalreferentin Sauer ist eine von ihnen: speziell geschulte Kollegen, die wissen, wie und wo man Hilfe bekommt.

Seit 2015 erfolgt die Schulung zum Pflegelotsen im Rahmen von familyNET: Das landesweit in zwölf Servicestellen angebotene Projekt wird vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert sowie von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie und der Chemieindustrie. familyNET-Projektleiterin Maria Leinweber vom Bildungsträger BBQ in Aalen sagt: „Wir merken, dass das Thema die Betriebe sehr beschäftigt, weil die Anfragen sich häufen.“ Inzwischen gibt es deshalb auch eine Aufbauschulung.

Für Gerti Schwab war die Hilfe von Airbus enorm wichtig. Mittlerweile ist ihre Mutter gestorben. „Aber dass ich ihr am Lebensabend so viel zurückgeben konnte, macht mich froh.“

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Foto: Frank Eppler