M+E-Betriebe machen Mitarbeiter fit für Industrie 4.0

Heller ermöglicht Realschüler ein Studium und bekämpft so den Fachkräftemangel

Personalentwicklung hat für die Metall- und Elektro-Industrie einen hohen Stellenwert. Gute Mitarbeiterführung fördert die Stärken der Arbeitnehmer und ist das wirksamste Mittel gegen den zunehmenden Fachkräftemangel. Mit persönlichen Entwicklungsplänen machen die M+E-Unternehmen sie fit für Industrie 4.0. Bei dem Maschinenbauer Heller aus Nürtingen unterstützt die Unternehmensführung ihre Facharbeiter auch während eines Studiums. Das Beispiel zeigt: Mitarbeiterförderung schafft Zukunftsperspektiven und fördert gleichzeitig die Mitarbeiterzufriedenheit im Herz der Wirtschaft.

Dass er den einfachen Weg nicht mag, macht Sascha Jahn gleich deutlich. Warum er sich für das Fach Industrieelektronik entschieden hat? „Weil es so schwer ist“, sagt der 28-Jährige grinsend, „ich habe es mir einfach zugetraut.“ Und dann berichtet er von seinem beispielhaften Aufstieg, wie er sich vom Realschüler zum Elektroingenieur emporgearbeitet hat. Unerschrocken, voller Selbstvertrauen – und stets unterstützt von seinem Arbeitgeber, dem Nürtinger Unternehmen Heller, einem Spezialisten für Bearbeitungszentren.

Jahn kommt aus einer Technikerfamilie, Vater und Bruder sind Industriemechaniker, auch er selbst hat immer gerne getüftelt. „Eine Ausbildung in einem technischen Beruf lag für mich einfach nahe.“ Nicht irgendwo, das wusste er schon als ehrgeiziger Realschüler: „Ich wollte zu Heller, denn die Ausbildung hier hat einen sehr guten Ruf.“ Der erste Schritt gelang ihm, mit 17 wurde Jahn Azubi zum Elektroniker Automatisierungstechnik.

Einen zweiten Schritt plante er damals noch gar nicht. „Der Gedanke an ein Studium war für mich ganz weit weg“, sagt Jahn. Die Ausbildung war eine ideale Basis, er reifte menschlich wie fachlich und wurde anschließend als Servicetechniker übernommen, in Hannover, fern seiner schwäbischen Heimat Grabenstetten. „Das war sehr anspruchsvoll und auch anstrengend. Doch gerade durch den Umgang mit schwierigen Kunden habe ich sehr viel gelernt.“

M+E-Betriebe erkennen und fördern Stärken

Dass noch mehr möglich ist, merkte Jahn erst bei der Bundeswehr. Der Wehrdienst war ein finanzieller Einschnitt. „Ich musste mit dem bescheidenen Sold auskommen. Und habe festgestellt: Es geht.“ Es würde also auch als Student gehen, dachte er, irgendwie den Lebensunterhalt bestreiten, während man sich an der Hochschule auf größere Aufgaben vorbereitet. Zurück bei Heller würde er kündigen und sich aufs Studium konzentrieren.

Aber mit Elke Gackenheimer aus der Personalentwicklung hatte er nicht gerechnet: „Wir wollten ihn auf alle Fälle im Unternehmen halten und haben Herrn Jahn ein Angebot gemacht“. Er konnte sein Arbeitsverhältnis ruhen lassen, solange er die Fachhochschulreife nachholte und studierte. Und während seiner sieben Semester an der Hochschule Ulm unterstützte Heller Jahn mit 300 Euro im Monat. Eine Regelung, von der beide Seiten profitieren. „Ich hätte jederzeit zurückgehen können“, sagt Jahn. „Das hat mir bei den schwierigen Prüfungen geholfen und viel Druck von mir genommen.“ Einen Kredit musste er auch nicht aufnehmen.

Für Heller ist die Förderung bildungswilliger Mitarbeiter bestens investiertes Geld: „Wir decken damit einen Teil unseres Ingenieurbedarfs“, sagt Personalchef Martin Töpler. Denn auf dem Weg zur Industrie 4.0 werden diese dringend gebraucht. Auch beim Techniker und anderen Abschlüssen unterstützt Heller, seit dem Beginn des Förderprogramms 2006 haben es rund 60 Angestellte in Anspruch genommen. So will das Unternehmen, das weltweit 2.500 Mitarbeiter beschäftigt und 2012 knapp 600 Millionen Euro umgesetzt hat, dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

M+E-Mitarbeiterförderung – eine Win-Win-Situation für Betriebe und Mitarbeiter

Bei Sascha Jahn ist das geglückt. Der junge Mann arbeitet heute in der Entwicklung. Am Computer baut er die komplexen Heller-Maschinen in 3D nach und überspielt die Programme anschließend auf die Maschinensteuerung. Eine komplexe Arbeit, für die es viel Finesse braucht. Die Modelle müssen bis ins Hundertstel stimmen, denn nur auf ihrer Grundlage können die verschiedenen Achsen der Maschinen so eingestellt werden, dass sie nicht kollidieren. Jahn hatte seinen Arbeitsplatz erstmals während des Praxissemesters im Studium kennengelernt und sofort Eindruck gemacht. „Er hat auf ganzer Linie überzeugt, für den Gruppenleiter war der Nachwuchsmann ein absoluter Volltreffer“, sagt Personalerin Gackenheimer.

Seit Oktober 2012 ist Jahn nun in seiner Wunschabteilung, seit Februar ist er auch Bachelor, mit der Abschlussnote 2,0. Er blickt auf einen anstrengenden, aber lohnenden Weg zurück. Und ist überzeugt, dass es genau so richtig war: „Im Betrieb und als Servicetechniker habe ich sehr wichtige Erfahrungen gemacht und mich persönlich weiterentwickelt. Man bringt dann eine ganz andere Arbeitshaltung fürs Studium mit. Sonst hätte ich das bestimmt nicht so gut geschafft.“

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Fotos: Roland Sigwart