M+E-Arbeitgeber setzen auf Familienfreundlichkeit

WAREMA vereint Arbeit und Kinderbetreuung

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie ein wichtiger Bestandteil der Personalpolitik. Zum Beispiel bei Warema aus Mainfranken, ein Spezialist für Sonnenschutzprodukte: Während die Eltern bei der Arbeit sind, können sich die Kinder in den Ferien direkt neben dem Firmengelände austoben. Für seine Familienfreundlichkeit hat der M+E-Arbeitgeber bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.

„Spielen und Spaß haben“ ̶  Tillmann spricht wohl für so ziemlich alle der rund 145 „Sonnenkinder“, als er das Ferienangebot für Mitarbeiterkinder von Warema zusammenfasst. Drei Sommerferienwochen lang dürfen sie auf einem Schulgelände gegenüber der auf Sonnenschutztechnik spezialisierten Firma den ganzen Tag genau das: Spielen und Spaß haben.

Egal ob beim Holzboot bauen, Seife herstellen, Taschen nähen, T-Shirts-Färben oder Fußballspielen: Gleich nebenan, am Stammsitz im bayerischen Marktheidenfeld, arbeiten Mama oder Papa – ganz ohne Kopfzerbrechen über die Frage, wo sie ihre Kleinen in den Ferien unterbringen und ob es ihnen dort gut geht.

Zumindest heute, am Besuchstag der Kinder in der Firma, können sie sich davon direkt am eigenen Arbeitsplatz überzeugen. So wie Arne Löken, der seine achtjährige Tochter Michelle auf dem Arm durchs Werk trägt. Gerade bläst sie mit dem Druckluftreiniger Führungsschienen für Rollladen von Spänen frei. „Papa repariert Maschinen“, hat sie voller Überzeugung auf dem Weg in sein Büro erklärt. Jetzt sitzt sie mit ihm an seinem Schreibtisch und staunt, dass gleich drei Bildschirme darauf stehen: „Wie viele Computer hast Du denn?“

Kinder lernen Arbeit und Berufe ihrer Eltern im Herz der Wirtschaft kennen

Löken ist technischer Informatiker und programmiert Werkzeugmaschinen. „Einer ist für den Programmiercomputer, einer fürs Tagesgeschäft mit all den E-Mails, und auf dem Bildschirm hier kann ich mir die Aufgaben genauer ansehen“, erklärt er seiner Tochter. Dass die Kinder sehen, was ihre Eltern in der Firma machen, ist für Personalchef Thomas Klein einer von vielen Vorteilen der Kinderferienbetreuung: „Die Kinder können sich nicht vorstellen, was die Eltern bei Warema machen. Selbst, wenn die seit Jahren hier arbeiten, kommen so witzige Antworten wie ,Mein Vater ist Chef auf dem Dillberg‘, einem unserer Standorte hier in der Stadt.“

Löken und seine Frau nutzen das Betreuungsangebot von Warema, seit Michelle drei Jahre alt ist. „Für uns ist das ein Top-Angebot, gerade weil wir beide berufstätig sind. Das macht es definitiv attraktiver, hier zu arbeiten.“ Michelle jedenfalls ist stolz auf ihren Papa und das, was er auf seiner Arbeit macht. „Darf ich da ,bester Papa‘ drauf schreiben?“, fragt sie ihn und zeigt auf eine Tafel. Klar darf sie – und malt noch ein Herz darum.

„Als wir die Kinderferienbetreuung vor zehn Jahren eingeführt haben, hat das eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert sich Klein – bei den Eltern, aber auch in der Öffentlichkeit, was zur ersten Prämierung als familienfreundlichster Arbeitgeber Mainfrankens durch die Region Mainfranken GmbH führte. „Wenn wir im Dezember die Plätze für die Betreuung im nächsten Jahr ausschreiben, sind sie innerhalb von wenigen Tagen voll“, sagt Christina Vogel, die das Programm im Personalbereich betreut.

Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil der M+E-Personalpolitik

Die große Beliebtheit hat auch mit dem Geschäftsfeld der Firma, der Sonnenschutztechnik, zu tun, sagt Klein: „Die Hauptsaison ist für uns die Sommerzeit. Eine Zeit, in der Eltern aber auch mit Schulferien zu tun haben und bei der Betreuungsfrage immer vor einem großen Loch standen. Die vorhandenen Betreuungsangebote haben nicht mal einen ganzen Tag abgedeckt. Darum haben wir uns entschieden, qualitativ hochwertige Betreuung anzubieten, in der wir die Kinder morgens aufnehmen und abends wieder abgeben.“

Die Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen sei Teil der Unternehmenskultur als Familienunternehmen, als das Warema sich auch mit 2.300 Mitarbeitern am Stammsitz immer noch versteht. „Solche Angebote sind auch wichtig, um nach außen attraktiv zu sein“, sagt Klein. Dass sich die Kinderferienbetreuung und die Krippenplätze, die Warema für seine Mitarbeiter in einer benachbarten Kita reserviert hat, herumsprechen, erfahren Klein und sein Team oft in Bewerbungsgesprächen.

„Eine junge Frau zum Beispiel wohnte zwar 60 Kilometer von uns weg, hat sich aber bei uns beworben, weil ihre Mutter im Lokalblatt von unserer Kinderferienbetreuung gelesen hat.“ Bei einer verschwindend geringen Arbeitslosenquote wie im Main-Spessart-Kreis sind Waremas Betreuungsangebote, aber auch die knapp 200 unterschiedlichen Teilzeitmodelle ein wichtiges Pfund bei der Suche nach Personal.

Unternehmen bringt Azubis und Kinder zusammen

Warema-Mitarbeiter können ihre Kinder in den Sommerferien bis zu zwei Wochen für die Betreuung anmelden. „Die Eltern zahlen pro Woche einen Unkostenbeitrag von 50 Euro für die Größeren und 30 Euro für die Kleinen“, sagt Christina Vogel. Den Hauptteil der Kosten, beispielsweise für Verpflegung, Ausflüge, die Miete für Schule und Kitagebäude sowie die Bezahlung der Erzieherin, die die Ferienbetreuung pädagogisch leitet, übernimmt Warema – ein fünfstelliger Betrag.

Fest eingeplant sind auch die Auszubildenden, die so lernen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Vogel. „Bei der ersten Ferienbetreuung war ich auch als Auszubildende dabei.“ Heute betreut zum Beispiel Azubi Lion Amersbach, früher selbst ein Sonnenkind, die Kinder beim Holzbootbau. „Die Kinder sind total super, beschäftigen sich auch viel selbst. Ich find es immer noch schön hier“, sagt er und lacht. Neben den Azubis kümmern sich pädagogische Betreuer, also eine Erzieherin und Studierende oder Auszubildende mit pädagogischem Hintergrund, beim Basteln, auf Ausflügen ins Schwimmbad, in den Freizeitpark oder beim Grillen um die Kinder.

Wenn die Kinder basteln, arbeitet es sich besser

So wie Laura Schiller. Die auszubildende Erzieherin sitzt mit einigen Mädchen und einem Jungen um eine Schultischgruppe. Es duftet nach Kokos und Zitrone. „Wir machen Badebomben aus Zitronensäure, Natron, Kokosöl, Speisestärke und Farbe. Glitzer darf natürlich auch nicht fehlen“, erklärt Schiller. „Das sprudelt richtig wie die echten Kugeln“, sagen die Mädchen.

In der Nähgruppe nebenan ist der Jungenanteil deutlich höher. Lukas lässt sich von einer Betreuerin bei einer Tasche mit silbernen Henkeln helfen. „Letztes Mal habe ich ganz viele Flicken mitgebracht, aus der wir dann eine Tasche gemacht haben“, erzählt er. Er ist schon zum vierten Mal dabei. Wie er finden auch die allermeisten anderen Sonnenkinder in der Ferienbetreuung viele neue Freunde. „Aber zum Glück gibt es auch viele, die länger dabei sind, zum Beispiel Konstantin“, sagt Lukas und zeigt auf einen Jungen neben sich. Der nickt kräftig, als Lukas sagt: „Ich finde es schön hier, und zwar jedes Mal wieder.“

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Foto: dpa Picture-Alliance/Jan Haas