„Kommen mit digitalem Selbstvertrauen aus der Krise“

So hart die Corona-Krise die Unternehmen trifft: Sie hat auch Stärken der M+E-Industrie und neue Wege der Zusammenarbeit aufgedeckt, wie unsere Umfrage zeigt.

Wie gehen die Unternehmen durch die Pandemie – und was nehmen sie daraus mit?

Die Corona-Pandemie ist für die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie schmerzlich zu spüren. Wir wollten wissen, wie die Situation in der Krise aktuell ist, und was in der Pandemie hilft, das die Unternehmen auch in Zukunft beibehalten möchten.

Deshalb haben wir fünf Unternehmer gefragt:

Wie ist die Situation zurzeit in Ihrem Unternehmen, und was nehmen Sie aus der Krise mit?

 

„Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Krise aufs Geschäft. Besonders in den Krankenhäusern verschieben sich derzeit die Budgets, weil zum Beispiel Krankenhausbehandlungen aufgeschoben werden. Aber die Krise hat gezeigt, wie groß die Solidarität unter den Beschäftigten ist – ob es darum ging, Kollegen zu vertreten, die die Kinderbetreuung organisieren mussten, oder um Einhaltung interner Hygieneregeln. Und wir haben uns digitale Tools erarbeitet, die uns künftig viel Zeit und Geld für Reisen sparen.“



Dr. Joachim Schulz, Vorstandsvorsitzender Aesculap AG in Tuttlingen

 

„Mobiles Arbeiten prägt bei uns inzwischen den Alltag. Das hat in der Krise neue Herausforderungen gebracht: Führungskräfte müssen eine neue Führungskultur entwickeln, die Beschäftigten müssen ihre Arbeitszeit einteilen und mit ihrem Privatleben abstimmen. Und es gibt viele neue Fragen – von Arbeitssicherheit bis Zeiterfassung. Auch nach der Krise wollen wir mobiles Arbeiten auf zwei bis drei Tage pro Woche ausweiten. Letztlich hat die Pandemie uns als Organisation zusammengeschweißt.“



Stefan Moschko, Personalleiter Siemens Deutschland in Berlin

 

„Das Corona-Virus hat uns alle gezwungen, anders zu arbeiten. Eine Antwort darauf ist die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung. Wir haben durch konsequente Digitalisierung über die letzten zwei Jahre in der Produktion erreicht, dass sich unsere Produktivität ausgerechnet in der Krise auf Rekordniveau erhöht hat. Innerhalb weniger Wochen haben wir 1450 Mitarbeiter ins Mobile Office geschickt. Die Mitarbeiterführung hat darunter in keiner Weise gelitten, die Arbeitsmoral war ausgesprochen hoch, und unsere Besprechungskultur hat sich verbessert.“

Dr. Andreas Widl, Vorstandsvorsitzender Samson Group in Frankfurt

 

 

„Corona lässt uns enger zusammenrücken. Als Anlagenbauer sind wir oft darauf angewiesen, unsere Kunden vor Ort zu betreuen, was die Reisebeschränkungen erschwert haben. Dank einem neuentwickelten Software-Tool konnten wir viele Projekte trotzdem weiter vorantreiben. Wir sind begeistert, wie gut lokale Teams mit unseren Experten zusammenarbeiten, ohne Berührungsängste und Bedenken. Wir kommen mit gestärktem digitalen Selbstvertrauen aus der Corona-Krise.“

Frédéric Erben, Leiter Strategie und Kommunikation bei Grenzebach in Asbach-Bäumenheim, Bayern

 

 

„Wir sehen, dass eine stärkere Regionalisierung eintritt. Nicht nur wegen Corona, auch wegen des politischen Protektionismus. Wir haben angefangen, unsere Lieferanten und Komponenten nach Risikoklassen einzuordnen. Bei neuen Projekten stellen wir sicher, dass es keine Teile gibt, die nur ein Lieferant in der Welt herstellen kann. Und wir achten viel stärker auf die eigene Wertschöpfung anstatt ins Outsourcing zu gehen. Das hilft uns auch bei der Auslastung der Werke.“

Georg Weber, Technik-Chef von Wilo in Dortmund

 

Fotos: Marco Moog, André Wagenzik, Samson, Grenzebach, Daniel Roth