Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die Mutter des Erfolges

Das M+E-Unternehmen Warema wurde für seine Familienfreundlichkeit ausgezeichnet

Dass bei Warema auch die Kinder der Mitarbeiter eine große Rolle spielen, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Im Interview erklärt die Vorstandsvorsitzende Angelique Renkhoff-Mücke, wie ihr Unternehmen Eltern durch betriebliche Angebote bei der Kinderbetreuung unterstützt und warum auch die Firma davon profitiert. Sie sagt aber auch: Der Staat könnte noch mehr dafür tun, um Familien den oft schwierigen Spagat zu erleichtern.

Frau Renkhoff-Mücke, was war der Auslöser für Sie, die Mitarbeiter in ihrem Unternehmen bei der Kinderbetreuung noch mehr zu unterstützen?

Als ich vor 19 Jahren ins Unternehmen eingestiegen bin, waren meine Kinder selbst noch relativ jung. Ich weiß also aus eigener Erfahrung, wie schwierig es als berufstätige Frau ist, die lange Ferienzeit mit einem auch für die Kinder attraktiven Programm zu überbrücken. Gleichzeitig habe ich den hohen Frauenanteil in unserer Fertigung gesehen, die wir in unserer Hauptsaison im Sommer brauchen. Dann habe ich von einem Pilotprojekt in Regensburg gehört, bei dem mehrere Firmen zusammen eine Ferienbetreuung ausprobiert haben. Das muss doch machbar sein, hatte ich damals gedacht, so schwierig kann das nicht sein! Unser erstes Programm war ein Riesenerfolg: Es wurde super angenommen. Nach zehn Jahren ist es heute eine feste Instanz: Die Eltern kalkulieren das Betreuungsangebot fest in ihre Urlaubsplanung ein.

Sie investieren auch in die betriebliche Ferienbetreuung, in die für Warema-Mitarbeiter reservierten Kita-Plätze und die Planung einer Vielfalt von Arbeitszeitmodellen Geld und Personalstunden. Wie zahlt sich das für das Unternehmen aus?

Das ganze Unternehmen profitiert, da diese Angebote zum einen Teil unserer Unternehmenskultur geworden sind. Die Kinder essen während der Ferienbetreuung im Betriebsrestaurant mit, besuchen ihre Eltern am Arbeitsplatz: Das ist auch eine Wertschätzung der Arbeit ihrer Eltern und erzeugt bei den Kindern Stolz. Das trägt zur positiven Kommunikation nach außen bei. Auf unsere Arbeitgebermarke zahlt das genauso ein wie auf unsere Unternehmenskultur.

Sind Ihre Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Antwort auf einen steigenden Bedarf?

Der Bedarf hat sich nicht verändert, er war auch vor Jahren schon genauso groß. Aber es ist heute Standard, den Mitarbeitern Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu geben, um motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter rekrutieren und halten zu können. Diese Möglichkeiten sind in den letzten Jahren aber auch besser geworden: Es ist eine der positiven Seiten der Digitalisierung, dass wir von zu Hause arbeiten können und mobiler sind. Das gilt es, mehr und mehr auszuschöpfen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Unterstützung an, weil die öffentlichen Angebote nicht ausreichen? Schließen Sie also die Lücken, die von politischer Seite nicht abgedeckt werden?

Bei dem Thema trage ich zwei Seelen in meiner Brust: Bei der Betreuung, auch der schulischen, sehe ich deutliche Verbesserungspotenziale. Das Angebot muss größer, aber auch qualitativ hochwertiger werden. Hier sehe ich die Tendenz, solche Fragen auf Unternehmen abzuschieben. Es gehört aber nicht zu den grundsätzlichen Aufgaben der Unternehmen, sich darum zu kümmern. Andererseits sehe ich aber auch, dass sich die Angebote in den Ferien mittlerweile in jeder Kommune verbessert haben. Auch, wenn das kommunale Angebot viel gestückelter ist als bei unserer Rundumbetreuung in festen Gruppen über bis zu zwei Wochen: Für Kinder und Jugendliche hat sich im Vergleich zu früher viel getan.

Wie ist die Situation außerhalb der Ferienzeit: Wie bringen Ihre Mitarbeiter Familie und Beruf zusammen?

Hier sind vor allem die von uns reservierten Kita-Plätze für junge Mütter, aber auch für Berufseinsteiger als Option für die Zukunft ein wichtiges Thema. Darüber hinaus stellen wir uns individuell auf die unterschiedlichen Lebensphasen unserer Mitarbeiter ein. Zum Beispiel ist es selbstverständlich, dass sich auch Väter am Tag der Einschulung ihrer Kinder einen Tag frei nehmen können. Wir sind bei der Arbeitszeitplanung unserer Mitarbeiter sehr flexibel, und zwar auch, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Dann suchen unsere Vorgesetzten nach einem Weg, ob nun ein Kollege einspringt oder eine andere Lösung gefunden wird.

Haben Sie weitere Angebote zum Thema Familienfreundlichkeit geplant?

Ich sehe es als großes Thema, auch dann eine sehr gute Betreuung zu gewährleisten, wenn Kinder in die Schule kommen. Oft ist es so, dass die Kinder um 12 Uhr zu Hause sind, weil es in der Grundschule kaum Nachmittagsangebote wie Hausaufgabenbetreuung gibt. Hier eine qualitativ hochwertige und individuelle Betreuung anzubieten, ist als Unternehmen nicht leicht. Ich stehe immer wieder in Kontakt mit anderen Unternehmen, um zu schauen, was sie anbieten. Auch wir wurden ja gebeten, unsere Erfahrungen zu teilen. Genauso suchen wir bei anderen Anstöße, um zu sehen, ob wir neue Pilotprojekte bei uns starten können.

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Foto: dpa Picture-Alliance/Jan Haas