„Ich hoffe einfach, dass wir alle weiter durchhalten“

Philips-Kommunikationschef über den Schutz vor Corona und Wünsche an die Politik

Für Sebastian Lindemann bedeutet die Pandemie noch mehr Kommunikation, um die rund 5.000 Mitarbeiter in Deutschland je nach Unternehmensbereich optimal zu schützen. Der Kommunikationschef erklärt im Interview, was das im Arbeitsalltag heißt und dass es auch in der Politik trotz Fehlentscheidungen und Müdigkeit vor allem darum gehen sollte, durchzuhalten.

Was heißt es für einen Konzern wie Philips, seine Mitarbeiter vor Corona zu schützen?

Wir sind sehr heterogen aufgestellt und mussten daher für die unterschiedlichsten Berufsgruppen schauen, wie wir sie schützen: Wir haben eine Marketing- und Vertriebsorganisation, wir haben in Hamburg und Böblingen Forschung & Entwicklung und Produktion, und wir haben eine riesige Crew, die draußen unterwegs ist: Im Konsumenten-, aber vor allem im Healthcare-Bereich. Hier arbeiten mehrere hundert Leute, auch Ingenieure, die täglich ins Krankenhaus müssen, um dort Geräte zu installieren und zu reparieren.

Philips-Sprecher Sebastian Lindemann
Sebastian Lindemann informiert fortlaufend über neue Angebote und Regeln zum Schutz vor Corona.

Welche Schutzangebote haben Sie eingeführt?

Homeoffice haben wir auch vor der Pandemie schon angeboten, bei den Büromitarbeitern war es also am einfachsten. In der Produktion brauchten wir die Mitarbeiter dagegen gerade in der Pandemie vor Ort: Wir stellen in Böblingen Patientenmonitoring her, hier in Hamburg unter anderem Röntgengeräte und Bauteile für CTs – bei beidem haben wir durch die Pandemie eine gesteigerte Nachfrage. Wir haben deshalb klare Regeln eingeführt, wer aufs Gelände, wer wann in die Kantine darf. Wir haben dafür gesorgt, dass zwischen den Teams keine Vermischung stattfindet. Und wir haben für acht Wochen zu Beginn der Pandemie einen Betriebskindergarten eingerichtet, damit die Produktionsmitarbeiter mit Kindern, die nicht in die Kitas konnten, sie zu Beginn der Schicht bei zwei Kindergärtnerinnen in Obhut geben konnten – bis sich für die Betreuung außerhalb des Betriebs eine Lösung gefunden hatte.

Die Betriebs-Kita hat Philips im ersten Lockdown angeboten
In den ersten Wochen der Pandemie konnten Philips-Mitarbeiter die Betriebs-Kita nutzen.

Wir haben außerdem viele Bereiche mit Plexiglas coronasicher gemacht und über ein Onlinetool sichergestellt, dass die Büros nie voll belegt sind. Für unsere große Gruppe der Serviceingenieure haben wir von Beginn an in ausreichend Schutzkleidung investiert – zum Teil haben uns hier andere Unternehmen der M+E-Industrie ausgeholfen, weil die Nachfrage am Markt enorm war.

Wie sieht Ihr Schutzkonzept heute, rund ein Jahr danach, aus?

Wir kommunizieren noch intensiver miteinander: Ich selbst habe bereits 63 Corona-Mails an die Belegschaft mit neuen Informationen, Regelungen und Angeboten geschrieben. Wir tagen regelmäßig mit dem Krisenstab, in den Sicherheitsbeauftragte und unser betriebsärztlicher Dienst mit Krankenschwestern und zwei Betriebsärzten intensiv eingebunden sind. Die Schichten sind so eingeteilt, dass immer ein Team vor Ort arbeitet, während das andere zuhause ist. Wir achten darauf, dass die Sicherheitsabstände eingehalten werden und arbeiten generell mit Sicherheitskleidung – in unserer Produktion ist das der Mund-Nasenschutz, für unsere Serviceingenieure kommen je nach Einsatzort Handschuhe und Sicherheitsanzüge hinzu. Auch im Verwaltungsgebäude haben wir uns alle Gemeinschaftsräume angesehen und inzwischen eine Maskenpflicht. Das alles scheint Erfolg zu haben: Wir haben seit dem vergangenen Jahr keinen Corona-Fall gehabt, bei dem sich jemand im Betrieb angesteckt hat. Von den rund 30 Erkrankungen in Deutschland haben sich alle im privaten Umfeld angesteckt.

Philips-Mitarbeiter in der Produktion mit Maske und Abstand
In der Produktion achtet Philips auf den Mund-Nasenschutz und ausreichenden Sicherheitsabstand.

In der Öffentlichkeit ist gerade viel die Rede von Selbst- und Schnelltests, die Unternehmen anbieten sollen. Haben Sie da etwas geplant?

Wir werden Selbst- und Schnelltests zur Verfügung stellen, weisen aber auch darauf hin, dass insbesondere die Mitarbeiter im Homeoffice den wöchentlichen, kostenlosen Schnelltest der Regierung nutzen. Für die Mitarbeiter, die draußen oder in der Produktion arbeiten und einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, schauen wir gerade, dass wir ihnen für die nächsten fünf bis acht Wochen einen wöchentlichen Extra-Test anbieten. Derzeit prüfen wir, ob wir die benötigte Anzahl an Tests zur anbieten können.

Momentan scheinen Impfungen der einzige Ausweg aus der Pandemie. Engagieren Sie sich auch bei diesem Thema?

Wir haben in Abstimmung mit den entsprechenden Stellen in der Politik geklärt, dass unsere Serviceingenieure mit Einsätzen in Krankenhäusern als systemrelevant anerkennt werden. Mit einem entsprechenden Schreiben können sie sich bei einer Impfstelle impfen lassen. Mehr als 400 solcher Schreiben haben wir bereits verschickt. Und wir haben alle Mitarbeiter informiert, dass sie im Falle von Vorerkrankungen über unseren betriebsärztlichen Dienst oder ihren Hausarzt ebenfalls ein Impfberechtigungsschreiben erhalten können.

Philips dankt seinen Mitarbeitern fürs Durchhalten
Philips unterstützt seine Mitarbeiter auch psychisch – mit Botschaften, vor allem aber mit Beratung.

Weniger gut messbar, aber mit der Dauer der Pandemie vielleicht auch immer stärker Thema ist die psychische Gesundheit. Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter auf dieser Ebene?

Schon vor Corona haben wir kollegiale Ansprechpartner im Programm Philips-in-Balance installiert. Das sind Kollegen aus allen Bereichen, die durch besondere Schulungen als Ansprechpartner bei besonderen Problemen fungieren und Hilfestellung leisten. Darüber bietet Philips-in-Balance nun auch virtuell die unterschiedlichsten Themen vom gesunden Rücken bis zur mentalen Fitness an. Wir arbeiten auch eng mit dem Familienservice, deren Experten in Online-Seminaren zu Themen der psychischen Gesundheit beraten. Und: Unser Büro ist offen. Wenn ich dort also mit Test, Abstand und Mund- und Nasenschutz sicher arbeiten kann, kann ein Tag außerhalb der eigenen vier Wände und ein Plausch mit Kollegen auf Abstand schon viel helfen.

Es gibt zurzeit viele Stimmen aus der Politik, die Unternehmen im Kampf gegen Corona stärker in die Pflicht zu nehmen. Gibt es etwas, das Sie sich im Gegenzug von der Politik wünschen?

Wir sind alle in einer Ausnahmesituation, in der immer wieder Dinge passieren, mit denen man nicht rechnet. Da kann man sich nur wünschen, dass alle weiter durchhalten und das Möglichste tun, um diese Krise zu überwinden. So wie wir das im Kleinen für Philips Deutschland mit rund 5.000 Mitarbeitern tun und Philips global für 80.000 Mitarbeiter, muss die Politik das für über 80 Millionen in Deutschland machen. Dass da hin und wieder Entscheidungen fallen, die sich im Nachhinein als nicht optimal erweisen, ist verständlich. Ich wünsche mir einfach, dass das Durchhaltevermögen dort wie bei uns weiter bestehen bleibt und weniger gegeneinander gearbeitet wird. Und ich hoffe, dass Politiker trotz aller Müdigkeit Vorbild bleiben, so wie ich das auch von unserer Geschäftsführung erwarte, und wir uns weiterhin einigermaßen sicher fühlen können.

Fotos: Augustin (3), Philips (2)

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