Homeoffice: Flexibles Arbeiten klappt freiwillig am besten

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren individuelle Arbeitszeitlösungen gemeinsam

In der Corona-Krise haben viele Arbeitgeber mit dem Arbeiten im Homeoffice gute Erfahrungen gemacht. Statt dem Recht auf Homeoffice für alle setzen sie auf gemeinsam vereinbarte Lösungen.

Freiwilligkeit ist besser als Zwang: Davon sind die Mitarbeiter in den Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie genauso überzeugt wie die Chefetage. Zum Beispiel, indem wichtige Regelungen zur Arbeitszeit besser gemeinsam vereinbart werden: der Umgang mit Zeitkonten etwa oder auch Regelungen zu Homeoffice oder mobilem Arbeiten. Einen Rahmen dafür liefert der Tarifvertrag. Zusätzliche Vorschriften, etwa ein aktuell diskutiertes Arbeitnehmerrecht auf mobiles Arbeiten, würden das vielfach gelebte Miteinander gefährden, wie die folgenden Beispiele aus Betrieben zeigen.

SKF: Kritisch gegenüber Recht auf Homeoffice

Beim Wälzlagerhersteller SKF in Schweinfurt ist Arbeiten im Homeoffice für einen Teil der 4.000 Mitarbeiter seit Jahren eine Option. Wer sich etwa um Kinder kümmern muss oder Angehörige zu pflegen hat, kann in der Regel ein oder zwei Tage die Woche von daheim arbeiten – wenn seine Tätigkeit es zulässt. Großflächig über die ganze Belegschaft kam das Modell jedoch nie zum Einsatz. Dann kam Corona.

„Als die Krise im Frühjahr begann, haben wir unsere Mitarbeiter quasi über Nacht nach Hause geschickt“, berichtet Harald Speck, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von SKF. Den Umständen entsprechend habe das auch besser als zunächst gedacht funktioniert – etwa über Vertrauensarbeitszeit, also den Fokus auf das Erledigen von Aufgaben. „Aber ein uneingeschränkter Freund von Homeoffice und mobilem Arbeiten bin ich deswegen heute immer noch nicht“, sagt Speck. Deren umfangreiche Ausweitung, insbesondere über ein immer wieder ins Spiel gebrachtes Recht auf Homeoffice für Arbeitnehmer, sieht Speck sehr kritisch. „Homeoffice und seine Vorteile sind derzeit ein total gehyptes Thema“, findet er.

Identifikation mit der Firma könnte beim mobilen Arbeiten leiden

Dabei geht es dem SKF-Geschäftsführer nicht nur um mögliche Folgen für die eigentlichen Arbeitsprozesse. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter in Schweinfurt arbeiten ohnehin in der Produktion im Schichtbetrieb, was das Arbeiten von daheim sachlich unmöglich macht. Bei vielen anderen sei mobiles Arbeiten zwar prinzipiell möglich, aber nur in sehr begrenztem Umfang praktikabel.

Speck sorgt sich vor allem um Dinge wie den informellen oder zufälligen Austausch zwischen Kollegen, das soziale Miteinander und wachsendes persönliches Vertrauen. „Weiche Faktoren wie ein gemeinsamer Alltag im Betrieb sind für das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Firma sehr wichtig“, sagt er. „Ohne sie geht auch ein Stück Identifikation verloren.“ Dass das Arbeiten unter Corona-Bedingungen bislang so gut geklappt habe, sei auch auf Voraussetzungen zurückzuführen, die man in den Jahren und Jahrzehnten zuvor geschaffen habe, sagt Speck. Dennoch wolle man nun, vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen, das mobile Arbeiten langsam vorantreiben und werde dazu Regelungen für den Umgang damit einführen.

ebm-papst: Hohe Flexibilität beim Arbeiten abseits des Schichtbetriebs

Auch am Landshuter Standort des Ventilatorenherstellers ebm-papst ist das derzeitige umfangreiche Arbeiten von daheim keine Dauerlösung. Das berichtet Kai Gebhardt, Personalleiter im niederbayerischen Werk mit rund 1.000 Mitarbeitern. Mobiles Arbeiten sei grundsätzlich eine prima Sache, die auch nach Corona am Standort etabliert bleiben werde, sagt er. Einen möglichen Rechtsanspruch auf Homeoffice dagegen sieht auch Gebhardt kritisch – und befürchtet im Falle solcher Regelungen sinkende Flexibilität sowie steigenden Arbeits- und Verwaltungsaufwand im Unternehmen. „Es ist ja absehbar, dass es dann zu großen Diskussionen darüber kommen wird, für welche Art von Tätigkeit der Rechtsanspruch gilt.“

Bei einem produzierenden und entwickelnden Technologieunternehmen erleichtern zudem seiner Meinung nach Präsenzzeiten das gemeinsame Arbeiten im Betrieb und die Abstimmung unter Kollegen. „In Zeiten von Corona liegt unser Fokus natürlich darin, die Hygienevorschriften und Abstandsregeln einzuhalten und damit unsere Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“, versichert er.

Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit zwischen 6 und 20 Uhr frei wählen

Bei der täglichen Arbeitszeit setzt ebm-papst hingegen auf die größtmögliche Freiheit und Flexibilität der Mitarbeiter – jedenfalls bei dem Viertel der Belegschaft, das nicht im getakteten Schichtbetrieb der Produktion arbeitet. Die Kollegen aus Verwaltung und Entwicklung zum Beispiel können ihre Arbeitszeit völlig frei in den Zeitraum zwischen 6 und 20 Uhr legen. Eine für alle verpflichtende Kernzeit wurde vor zwei Jahren abgeschafft.

„Betriebliche Belange sollten dabei natürlich nicht zu kurz kommen“, sagt Gebhardt. „Aber wir setzen in dieser Hinsicht ganz klar auf die Eigenverantwortung eines jeden Mitarbeiters und sind damit bislang sehr gut gefahren.“

Toolcraft: Striktes Arbeitszeitgesetz macht es schwer

Flexible Arbeitszeiten und das tageweise Arbeiten von daheim: Das ist auch beim Zulieferer Toolcraft im mittelfränkischen Georgensgmünd, einem Hersteller von Präzisionsteilen mit rund 400 Mitarbeitern, seit Langem Praxis. „Es gibt sehr viele verschiedene Modelle für verschiedene Funktionen und Tätigkeiten“, sagt Geschäftsführer Karlheinz Nüßlein. 80 Prozent der Arbeitsplätze seien aber eng an die Produktion gebunden und daher – wenn überhaupt – nur in Ausnahmen von daheim zu erledigen.

„Pauschal lässt sich da allerdings kaum etwas sinnvoll regeln“, erklärt der Geschäftsführer. Gute Lösungen entstünden einvernehmlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. „Und wie in einer guten Beziehung funktioniert ein Miteinander auf Dauer eben nur mit einem gegenseitigen Geben und Nehmen.“

„Regeln müssen Globalisierung besser berücksichtigen“

Viel Einsatz zeigen müssen Mitarbeiter, die mit Kunden in Übersee zu tun haben. „Wir sind weltweit vernetzt, arbeiten mit Partnern aus Nordamerika und Asien zusammen“, sagt Nüßlein. Da sei klar, dass man für Telefonate mit Asien mal früher aufsteht oder sich für eine Videokonferenz mit US-Partnern auch spätabends noch Zeit nimmt.

„Flexibilität ist für uns elementar wichtig“, betont Nüßlein. „Dabei bewegen wir uns häufig an der Grenze dessen, was das Arbeitszeitgesetz hergibt“, gesteht er. Die vorgeschriebene Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen etwa sei oft nur sehr schwer einzuhalten. „Der Gesetzgeber muss die aktuellen Regeln dringend auf den Prüfstand stellen und dabei die Anforderungen der Globalisierung besser berücksichtigen“, fordert Nüßlein. Ein grundlegendes Regelwerk sei zwar wichtig. Es dürfe Betrieben und Mitarbeitern jedoch nicht den Bewegungsspielraum nehmen, um auf Kundenwünsche zu reagieren. „Wir sind über jede Vorschrift froh, die fehlt.“

Fotos: SKF, Toolcraft, ebm-papst

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