Steuerliche Forschungsförderung: wichtig, aber ausbaufähig

Innovationsökonom erklärt, wie Forschung noch besser gestärkt werden könnte

Die Bundesregierung hat die steuerliche Forschungsförderung beschlossen. Sie ist inzwischen in 31 von 36 OECD-Ländern üblich und gilt als technologieoffener Anreiz für marktwirtschaftlich sinnvolle Forschung. Auch Oliver Koppel, Innovationsforscher am Institut der deutschen Wirtschaft, begrüßt die Einführung. Dennoch hat er in seinem Audiostatement und im folgenden Interview Vorschläge, wie sie den Forschungsstandort Deutschland noch besser stärken könnte.

Herr Koppel, was halten Sie vom Kabinettsbeschluss zur steuerlichen Forschungsförderung?

Nachdem sich die Bundesregierung drei Legislaturperioden Zeit gelassen hat, finde ich es sehr positiv, dass endlich auch in Deutschland eine steuerliche Forschungsförderung eingeführt wird. Nur das Gesamtvolumen könnte größer sein. Wir rechnen jetzt mit ungefähr mit etwa 1,5 Milliarden Euro Steuerausfällen für den Bund. Das ist relativ wenig, gemessen an dem, wie international gefördert wird. Frankreich, England und insbesondere Österreich weisen da ganz andere Fördervolumina auf. Sowohl das gesamtwirtschaftliche Fördervolumen als auch das Fördervolumen pro Unternehmen ist im internationalen Vergleich doch sehr überschaubar.

Sehen Sie weiteren Verbesserungsbedarf für Anreize bei der Forschung?

Aktuell werden nur Personalaufwendungen gefördert. Das hat in der Realität immer die bürokratische Tücke, dass man entscheiden muss, ob eine bestimmte Person, die im F+E-Bereich tätig ist, wirklich auch als Forscher arbeitet. Es ist nicht verständlich, warum nicht auch Forschungslabore, also physische Infrastruktur, gefördert werden sollte. Hier scheint man sparen zu wollen und hat eine bürokratisch aufwändige Lösung gewählt.

Die Förderhöhe ist zudem auf 25 Prozent der Personalaufwendungen bis 2 Millionen Euro gedeckelt, was 500.000 Euro pro Firma als maximale Förderhöhe ergibt. Das ist für Großunternehmen kaum ein Anreiz, die werden das ohnehin komplett abschöpfen. Aber auch für Mittelständler ist das keine riesige Fördermenge. In anderen Ländern wird da deutlich mehr gefördert, mit einer deutlich höheren Anreizwirkung.

Wie beurteilen Sie die Förderung der Auftragsforschung?

Hier sehe ich das größte Problem: Sie fällt nur beim Auftragnehmer und nicht beim Auftraggeber an. Ein konkretes Beispiel: Ich bin ein mittelständisches Unternehmen und möchte eine Auftragsforschung an ein externes Institut vergeben, weil ich typischerweise keine eigene F+E-Abteilung habe. Im aktuellen Entwurf ist dieser Tatbestand leider nicht förderwürdig. Es wird nur das gefördert, was ein Unternehmen wirklich hausintern an Forschung betreibt. Das ist für die Großen relevant, die viel eigene Forschung betreiben. Aber gerade die Forschung, die vor allem Mittelständler und Kleinere als externe Aufträge vergeben, wird im jetzigen Entwurf nicht gefördert. Auch bei den Forschungsinstituten selbst kommt die Förderung nicht an, weil sie in aller Regel gar nicht steuerpflichtig sind. Hier sollte die Förderung bei den Unternehmen, die die Aufträge vergeben, ansetzen. Letztlich tragen sie ja auch das komplette Forschungs- und Innovationsrisiko für das Produkt und seinen Markterfolg.

Ist der Beschluss dennoch geeignet, den Standort Deutschland zukunftsfähig zu machen?

Die steuerliche Forschungsförderung ist ein Instrument, das sich ganz klar an den Mittelstand richtet, wenn man sich das Fördervolumen von maximal 500.000 Euro pro Unternehmen anguckt. Das ist vom Prinzip her nicht schlecht und für unseren mittelständischen Standort dringend nötig. Es ist nur, wie gesagt, etwas wenig. Und man sollte auch größere Unternehmen fördern. Wie das Beispiel Österreich, aber auch Großbritannien und Frankreich zeigen, lassen sich über eine für große und auch internationale Unternehmen gültige steuerliche Forschungsförderung auch forschende internationale Unternehmen für den Forschungsstandort Deutschland begeistern.