Einkommensteuer belastet viele Fachkräfte

OECD-Studie: Deutschen Arbeitnehmern bleibt weniger Netto als in den meisten Ländern

Wer für gut qualifizierte Fachkräfte attraktiv sein möchte, sollte nicht nur spannende Jobs, sondern auch gutes Geld bieten. Die Gehälter der Metall- und Elektro-Industrie können sich sehen lassen: Mit 4.293 Euro monatlichem Bruttolohn verdient ein durchschnittlicher M+E-Mitarbeiter 520 Euro über dem durchschnittlichen Monatsbrutto deutscher Arbeitnehmer insgesamt. Allerdings kommt bei allen Arbeitnehmern vom Einkommen nach Steuern weit weniger an als in anderen Industriestaaten, wie die OECD-Studie „Taxing Wages 2018“ („Besteuerung der Arbeit 2018“) zeigt. Die Abschaffung des Solis wäre ein erster Schritt, um die Einkommen und Arbeitskosten zu entlasten.

  • Während Arbeitnehmer im Durchschnitt der OECD-Länder gut ein Viertel ihres Einkommens für Steuern und Abgaben zahlen[1], sind es in Deutschland fast 40 Prozent – nur in Belgien bleibt noch weniger vom Brutto übrig.
  • Besonders Alleinstehende, die vergleichsweise mobil und damit eine geeignete Zielgruppe für die Personalsuche sind, tragen in Deutschland eine enorme Abgabenlast. Sie führten 2017 durchschnittlich 49,7 Prozent ihres Arbeitseinkommens an den Staat ab. Im OECD-Schnitt sind es 35,9 Prozent.
  • Aber auch Familien liegen deutlich über dem OECD-Satz: z. B. beträgt die Abgabenlast für ein Ehepaar mit einem Erwerbstätigen und zwei Kindern in Deutschland 34,5 Prozent, OECD-weit sind es für diese Gruppe nur 26,1 Prozent.
  • Hinzu kommt in Deutschland, dass bereits jeder elfte Steuerzahler mindestens den Grenzsteuersatz von 42 Prozent zahlt. Bei Singles ohne Kinder wird er bereits ab einem Jahresbrutto von 65.000 Euro fällig, bei Familien mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener ab 135.000 Euro, wenn sie Kinderfreibeträge beanspruchen.


Besonders für hoch qualifizierte Fachkräfte, bei deren Einkommen in den meisten Fällen der Spitzensteuersatz greift, ist Deutschland damit wenig attraktiv. Internationale Arbeitssuchende werden sich daher eher für Länder mit geringerer Steuerbelastung entscheiden. Und auch ungebundene inländische Fachkräfte zieht es oft ins Ausland, wo mehr vom Einkommen übrigbleibt. Unser derzeitiges Einkommensteuersystem verschärft damit den ohnehin durch die demografische Entwicklung immer größer werdenden Mangel an gut qualifiziertem Personal.

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[1] Die Abgabenlast wird als durchschnittliche Nettobelastung aus der Summe von Einkommensteuern und Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung abzüglich Transferzahlungen im Verhältnis zum Bruttoarbeitsentgelt definiert.