Digitalisierung in der Industrie: Für M+E oft die Lösung

Die Industrie nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung schon lange. Wir zeigen, wie sich das für die Unternehmen jetzt in der Pandemie bezahlt macht.

Wie digitale Transformation und Kommunikation sich in der Krise bezahlt machen

Während die Corona-Krise das öffentliche Leben ins Stocken bringt, laufen Produktion und Geschäfte in vielen Unternehmen weiter. Denn in der Industrie werden die Möglichkeiten der Digitalisierung schon lange genutzt und perfektioniert. Wir haben uns umgehört, was die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie digital lösen und anbieten.

Digitales Training ohne Risiko

Der Mann mit der Motorsäge setzt die Virtual-Reality-Brille auf. Und schon befindet er sich mitten auf einer Waldlichtung – zumindest in seiner Wahrnehmung. Jetzt kann das Training beginnen. Das Beste an der virtuellen Waldarbeit: Sie ist völlig ungefährlich und vermittelt trotzdem wichtige Grundlagen. Der Hersteller Stihl aus Waiblingen setzt schon seit Langem auf digitale Trainingsangebote – wie zum Beispiel den Sägen-Simulator. Den gibt es auch speziell für Einsatzkräfte, die mit Rettungssägen Menschen etwa aus brennenden Häusern befreien: Feuerwehren üben damit in gefahrloser Umgebung. Zum Beispiel, wie sich ein brennendes Rolltor zersägen lässt. Dafür bekam Stihl Auszeichnungen, darunter den „eLearning Award 2020“ eines Fachjournals. Denn das virtuelle Schulungskonzept hat noch weitere Vorteile: Es spart Kosten und Zeit, und das Säge-Training kann bei jedem Wetter stattfinden.

Marketing und Kundenpflege in sozialen Netzwerken

Auf das Thema „Social Distancing“ hat der Küchengerätehersteller Neff aus Bretten eine Antwort: „Social Cooking“. Das Unternehmen hat mit der Pandemie seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken verstärkt. Regelmäßig laden zwei Influencerinnen zum gemeinsamen Kochen über Videos auf Instagram und Live-Cookings auf Facebook ein. Marketingleiterin Elena Polontchouk sagt: „Der Zuspruch der Fans bestärkt uns in unseren digitalen Aktivitäten und zeigt, dass die sozialen Medien mehr denn je ein wichtiger Baustein für uns sind.“

Messe mit rein digitalen Kontakten

Der Sensor- und Automatisierungsspezialist Balluff aus Neuhausen machte aus der Corona-Not eine Tugend und veranstaltete in diesem Jahr gleich zwei virtuelle Live-Events. Da wurden etwa neue Lösungen für die industrielle Automatisierung und die digitale Transformation vorgestellt. Gesendet wurde aus einem eigens eingerichteten Studio. Mehr als 3.000 Menschen hatten sich angemeldet – zu Höchstzeiten verfolgten über 500 gleichzeitig die Vorträge. Geschäftsführer Florian Hermle sagt: „Die positive Resonanz unserer Kunden bestärkt uns auf unserem digitalen Weg.“ Und so sehen die Live-Events aus: Jeder Gast wird persönlich begrüßt. In der Ausstellung informieren Videos über die Produkte. Fragen beantworten die Mitarbeiter an der Info-Theke. Nebenan laufen rund neun Stunden lang live Vorträge. Wer eine Pause braucht, zieht sich in den Meetingraum zurück und schmökert in Broschüren. Oder schaut auf der Teilnehmerliste, wer auch gerade dabei ist, um ein bisschen zu chatten.

Auch viele andere Unternehmen setzen verstärkt auf solche virtuellen Messen, zum Beispiel Pilz aus Ostfildern, internationaler Komplett-Anbieter in Sachen Automatisierungstechnik, oder das Maschinenbau-Unternehmen Chiron aus Tuttlingen.

Service mit smarten Tools

Der Kunde meldet, dass der Mähdrescher, Häcksler oder die Feldspritze streikt? Der Servicetechniker kann nicht zum Kunden fahren? Dann inspiziert man die Maschine eben einfach vom Büro aus. Beim Landmaschinenhersteller John Deere heißt das „Remote Support“: Fernunterstützung und Ferndiagnose. Sensoren an den Maschinen sammeln Daten, die aus der Ferne abrufbar sind. So kann der Kundendienst falsche Einstellungen oder Störungen erkennen und oft auch gleich beheben. Fast so, als würde der Servicetechniker mit dem Landwirt auf der Maschine sitzen.

Maschinenabnahme per Livestream

Viele Maschinenbau-Unternehmen bieten ihren Kunden inzwischen an, die Abnahme einer Anlage virtuell durchzuführen. Zum Beispiel der Drehmaschinen-Spezialist Index aus Esslingen. Die Anwendungstechniker nehmen die Maschine dann im Hause Index in Betrieb, filmen alles und übertragen die Videoaufnahmen per Livestream an die Kunden. Die Kunden erleben alles hautnah mit und können so gemeinsam mit den Index-Mitarbeitern prüfen: Funktionieren alle Abläufe? Stimmen die Maße der Werkstücke? Weil die virtuelle Maschinenabnahme viel Zeit und Reisekosten spart, ist sie für die Branche nicht nur in Pandemie-Zeiten interessant.

Fotos: Stihl, Neff, Balluff, John Deere, Index