Digitale Transformation: Neue Chancen durch Weiterbildung

Digitalisierung und Dekarbonisierung machen lebenslanges Lernen im Automobilbau zentral. Wie Unternehmen die Transformation mit Weiterbildung angehen.

Zukunftsfähig bleiben heißt für die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie zurzeit vor allem, die Digitalisierung und Dekarbonisierung zu stemmen. Beides geht nur mit Belegschaften, die offen sind für lebenslanges Lernen. Besonders wichtig ist neues Wissen im Automobilbau. Hier investieren Unternehmen massiv in Weiterbildung, die ihnen und ihren Beschäftigten neue Chancen eröffnet.

Digitale Skills sind dabei gefragt wie nie – und für viele ganz selbstverständlich Teil der Freizeitgestaltung. Warum also nicht Privatinteressen mit der digitalen Transformation im Unternehmen verknüpfen? Eine neue Weiterbildung vom Autohersteller Audi folgt genau dieser Idee. Im Qualifizierungsprogramm „Digital Future“ schaut Audi nicht auf Abschlüsse, sondern auf die Interessen seiner Mitarbeitenden und qualifiziert sie entsprechend weiter – für gefragte Zukunftsjobs. So wird zum Beispiel aus einem Karosseriebauer ein Produktmanager für Softwaresysteme, aus dem Elektroniker für Automatisierung ein SAP-Spezialist. Das Projekt läuft bereits erfolgreich in Neckarsulm, startet Anfang 2022 in ähnlicher Form nun am Standort Ingolstadt.

Die Arbeit geht nicht aus, die Zusammenarbeit verändert sich

Robotik, Sensorik, Assistenzsysteme, autonomes Fahren und Führen, Industrie 4.0. – die Liste der Themen, die für die Autobranche in der Transformation wichtig werden, ist lang. Und die Unternehmen gehen sie an, zum Beispiel über das aus EU-Mitteln geförderte Projekt „Unternehmen im Transformationsprozess“. In Bayern wird es von der Taskforce Fachkräftesicherung+, einem gemeinsamen Projekt der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, gesteuert und vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft als Trainingsreihe mit Firmen entwickelt und umgesetzt.
Mit dabei: Bordnetz-Hersteller Kromberg & Schubert in Abensberg. „Unser Produkt bleibt gleich. Alle Fahrzeuge brauchen einen Kabelbaum, auch fahrerlose und mit E-Antrieb“, so Georg Weichenrieder, Manager für technisches Know-how und Global HR Training. „Doch die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, wird sich verändern.“ Am Ende stehe die voll digitalisierte Fabrik. „Alle brauchen ein gutes Grundverständnis, was hier künftig möglich ist.“ Zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen nahmen an den Schulungen teil und tragen das Wissen nun in den Betrieb.

Georg Weichenrieder, Manager für Global HR Training beim Bordnetz-Hersteller Kromberg & Schubert. (Foto: privat)
Georg Weichenrieder, Manager für Global HR Training beim Bordnetz-Hersteller Kromberg & Schubert. (Foto: privat)

Auch Zulieferer ZF treibt die rechnergestützte Fertigung voran, und nutzte dazu unter anderem das Transformationsprojekt. „Wir müssen schauen, dass das Wissen unserer Mitarbeiter immer auf dem aktuellen Stand ist“, so Tobias Eschrich, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung. Das schließt Fach- und Führungskräfte sowie Azubis ein.

Schlaues System: Leistungselektronik ist die Steuerzentrale des E-Antriebs. Ein Mitarbeiter von ZF montiert sie hier. (Foto: ZF)
Schlaues System: Leistungselektronik ist die Steuerzentrale des E-Antriebs. Ein Mitarbeiter von ZF montiert sie hier. (Foto: ZF)

Bei Digitalisierung und E-Mobilität ist der Bedarf an Fachkräften enorm

„Die gesamte Automobilindustrie befindet sich im Wandel, das erfordert ganz neue Kompetenzen“, bekräftigt Audi. „Besonders bei Digitalisierung und E-Mobilität ist die Nachfrage nach Fachkräften enorm“, sagt Thomas Hasenbank, Leiter Recruiting, HR Beratungscenter und Audi Akademie. Man setzt auf Transformation von Innen heraus. „Mit gezielter Qualifizierung und individuellen Weiterbildungsangeboten bereiten wir die Mitarbeitenden auf neue Aufgaben vor“, so Hasenbank. Um die Belegschaft in die Berufe von morgen mitzunehmen, hat das Unternehmen bis 2025 eine halbe Milliarde Euro für Weiterbildung bereitgestellt.

Moderne Motoren: Dingolfing ist Heimat der großen BMW-Baureihen, hier läuft auch der neue BMW iX vom Band. (Foto: Tom Kirkpatrick/BMW AG)
Moderne Motoren: Dingolfing ist Heimat der großen BMW-Baureihen, hier läuft auch der neue BMW iX vom Band. (Foto: Tom Kirkpatrick/BMW AG)

Auch BMW investiert in zukunftsfähige Arbeitsplätze. So geschieht etwa der Aufbau der Fertigung für E-Antriebe fast ausschließlich durch Personalumbau. Im eigenen Anlernzentrum in Dingolfing werden Mitarbeiter zu den neuen Technologien geschult – und auch das immer digitaler. So können die Trainings auch in der Pandemie sicher weitergehen.