Deutsche Arbeitsplätze sind uns teuer

Warum Aesculap sich für Investitionen im Inland entscheidet

Die M+E-Industrie stützt mit ihren Investitionen die deutsche Wirtschaft und sorgt trotz hoher Arbeitskosten für neue Jobs. Um dem globalen Wettbewerb mit Billiglohnländern standzuhalten und auf Industrie 4.0 vorbereitet zu sein, sind die Unternehmen auf eine gute Infrastruktur, ein starkes industrielles Netzwerk und hoch qualifizierte Facharbeiter, wie sie Deutschland hat, angewiesen. Die „Innovation Factory“ von Aesculap leistet mit hochwertiger Ausbildung im Herz der Wirtschaft einen wichtigen Beitrag für Deutschlands Wohlstand.

Der Roboterarm hebt und senkt sich in Sekundenschnelle, legt den Container in die Presse, holt ihn heraus, transportiert ihn zur nächsten Station. Alle 30 Sekunden verlässt ein Sterilcontainer die Fertigungslinie des Medizintechnikherstellers Aesculap in Tuttlingen.

Mit seiner neuen „Innovation Factory“ zeigt Aesculap, was in der Industrie heute möglich ist. „Die Herausforderung liegt in der hohen Komplexität“, erklärt Werkleiter Thomas Philipp beim Rundgang durch die Fabrik. Hier entstehen rund 3.000 verschiedene Endprodukte, weltweit produziert Aesculap etwa 25.000 Artikel. Die Container müssen leicht, stabil, stapelbar, gut befüllbar und absolut dicht sein, um später – bestückt mit sterilen Instrumenten – bei einer Operation bereitzustehen.

M+E-Industrie investiert viele Millionen Euro in den Standort Deutschland

„Wir brauchten mehr Platz, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten“, sagt Produktionsvorstand Joachim Schulz. Seit dem Umzug in die „Innovation Factory“ vor einem Jahr produziert Aesculap fast ein Drittel mehr. Das Werk ist auf die Bedürfnisse einer schnellen und gleichzeitig sehr flexiblen Fertigung zugeschnitten. Zum Beispiel beim Materialfluss: Alles läuft von rechts nach links. Alle Mitarbeiter der Prozesskette, von der Entwicklung über die Produktion bis zum Marketing, arbeiten auf der gleichen Gebäudeebene. Zudem sind alle Maschinen miteinander vernetzt. Philipp kann am Bildschirm ihre Daten in Echtzeit abrufen und sieht, welches Produkt in welchem Fertigungsstadium ist.

Soviel Hightech kostet Geld: Rund 50 Millionen Euro hat das Unternehmen in die moderne Fabrik investiert. Dafür leisten die Mitarbeiter bis zu 120 Stunden pro Jahr zusätzlich. Außerdem hat das Unternehmen weitere Investitionen von 120 Millionen Euro in den Standort zugesagt. Die Fertigung von 150.000 Containern im Jahr ist hier möglich. Doch Schnelligkeit allein reicht nicht aus. „Wir müssen Schrittmacher sein“, sagt Schulz und meint damit: Produkte und Prozesse müssen innovativ sein, von sehr hoher Qualität und gleichzeitig zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Standort punktet mit guter Infrastruktur und hoch qualifizierten Facharbeitern

In der globalisierten Welt ist das die größte Herausforderung für die deutsche Industrie. Angesichts steigender Kosten wächst der Druck auf die Betriebe, ins Ausland zu gehen. Wie das Kölner Beratungsunternehmen IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Südwestmetall ermittelt hat, sind die Investitionen baden-württembergischer Unternehmen im Ausland seit 1995 um 400 Prozent gestiegen.

„Für die Entscheidung, diese Hightech-Produktion in Tuttlingen zu bauen und nicht etwa in Malaysia, wo heute das größte Aesculap-Werk steht, war das Gesamtpaket ausschlaggebend“, sagt Schulz. Er zählt die gute Infrastruktur, das Wechselspiel mit anderen Werken in Deutschland und die Zulieferer auf. „Das Wichtigste sind allerdings die hoch qualifizierten Facharbeiter“, hebt Schulz hervor. Aesculap bildet die meisten davon selbst aus: „Unsere Mannschaft hat sehr viel Erfahrung mit unseren Produkten.“

Die neue Fabrik stellt noch höhere Anforderungen an die Mitarbeiter. Über 100 verschiedene Container werden an der Roboterlinie gefertigt. „Wir rüsten zwei bis dreimal am Tag um“, sagt Werkleiter Philipp. Sowas funktioniert nur mit gut ausgebildeten Facharbeitern.

Wir sind Deutschlands Wohlstandsmotor.
Wir sind die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie.
Wir sind das Herz der Wirtschaft.

 

Text: Sigrid Stoss; Fotos: Gottfried Stoppel