Bei M+E kümmert man sich 'sehr gut' um schlechte Schüler

Der Autozulieferer SKF hilft Schülern mit Problemen, einen Beruf zu finden

Mit einem schlechten Hauptschulabschluss in der Bewerbung fallen viele Jugendliche durch die Auswahl. Doch das Herz der Wirtschaft gibt sie nicht auf und bietet ihnen die Chance auf eine Ausbildung. Engagierte Unternehmen in der Metall- und Elektro-Industrie fangen die vermeintlich hoffnungslosen Fälle mit Mentorenprogrammen auf. Das gelang zum Beispiel dem Autozulieferer SKF, der Mehmets Potenzial mit einer Einstiegsqualifizierung förderte.

Mehmet hat die Kurve gekriegt. Dabei hätte ihm das vor zwei Jahren kaum jemand zugetraut. In der Hauptschule lief es nicht. „Ich war einfach zu faul“, sagt Mehmet heute. Hinzu kam seine schüchterne Art. Vor den Lehrern zu glänzen oder mit anderen Schülern zu diskutieren, das war nicht sein Ding. Die Quittung kam regelmäßig mit der Zeugnisvergabe. Eine Lehrstelle war damals in weiter Ferne. Welches Unternehmen nimmt schon einen stillen Typen mit schlechten Noten, fragte sich Mehmet.

Wer den 17-Jährigen heute trifft, kann die Erzählungen kaum glauben. Mehmet steht im Blaumann mitten in der Werkhalle des Autozulieferers SKF, plaudert locker mit anderen Azubis, prüft dann wieder sorgfältig die vor ihm liegenden Metallscheiben. Im Sommer 2013 wird Mehmet seine Ausbildung abschließen. Dann ist er Maschinen- und Anlagenführer – eine Fachkraft mit guten Jobaussichten.

Ausbildungsplatz trotz Hauptschulabschluss

Was ist passiert? Mehmet erzählt eine Geschichte, die auch vielen Jugendlichen mit ähnlichen Startproblemen Mut macht. Es ist eine Mischung aus Ehrgeiz, Glück und Unterstützung, die die Wende bringt. „Mir war damals klar: So kann es nicht weitergehen.“, sagt Mehmet. Er überlegt, was ihm in der Schule Spaß macht und kommt auf den Technikunterricht. Mehmet ist fasziniert vom Metall, von den Maschinen, der Elektronik. Er beginnt, im Unterricht Fragen zu stellen. Sein Lehrer lädt ihn zum Projekt „M+E-Einstieg“ ein, mit dem der Arbeitgeberverband Südwestmetall Jugendlichen wie Mehmet bei der Lehrstellensuche hilft.

Der Hauptschüler bekommt eine Mentorin an die Seite gestellt und nimmt die Hilfe an. „Jeden Mittwoch um 14 Uhr stand Mehmet pünktlich bei mir vor der Tür“, erzählt Christine Pergande, die den Hauptschüler damals betreute. Pergande ist beim Bildungsträger BBQ zuständig für das Projekt "M+E-Einstieg". Sie hilft ihm mit dem Unterrichtsstoff, erklärt Mathe und Grammatik.

Bis zum Schulabschluss werden die Noten etwas besser. Aber dann kommt der erste Rückschlag. Die Leistungen reichen noch nicht. Bei der Lehrstellensuche geht Mehmet leer aus. Es passt zu ihm, dass er sich jetzt nicht hängen lässt. Über „M+E-Einstieg“ erhält er die Chance, beim Autozulieferer SKF ein einjähriges Praktikum  zur Vorbereitung auf eine Ausbildung zu machen. Einstiegs-Qualifizierung heißt eine solch Maßnahme – und für Mehmet ist sie eine Initialzündung.

M+E gibt niemanden auf

Der Jugendliche kniet sich rein und profitiert davon, auf einen engagierten Ausbildungsleiter zu treffen. Gebhard Grießbaum traut dem Praktikanten vom ersten Tag an etwas zu, gibt ihm Aufgaben, zeigt ihm Tricks. Mehmets Selbstvertrauen wächst. Die anderen Auszubildenden akzeptieren ihn, er geht auf sie zu. „Mehmet ist hier richtig aufgeblüht“, sagt Ausbildungsleiter Grießbaum stolz.

Auch das Engagement stimmt. Nach dem Einstiegsjahr bietet ihm SKF daher eine Ausbildung an. Und aufgrund seiner guten Leistungen wird die Vorbereitungszeit sogar als erstes Ausbildungsjahr anerkannt. Mehmet kann daher gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen. Der Ehrgeiz hat ihn jetzt gepackt: „Nach meiner Prüfung im Sommer mache ich noch weiter zum Industriemechaniker“ sagt Mehmet heute selbstbewusst.

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Fotos: Wilhelm Mierendorf