„Bei Elektrotechnikern sehen wir Handlungsbedarf“

Wie Ausbildung bei Webasto Wissen für Zukunftsfelder wie Elektromobilität sichert

In der Elektromobilität liegt für viele Unternehmen in Deutschland die Zukunft. Auch der Automobilzulieferer Webasto befindet sich mitten im Wandel von Verbrenner-orientierten Geschäftsfeldern zu Elektroautos – und braucht dafür Elektrotechniker. Das bayerische Unternehmen setzt deshalb stark auf Ausbildung – nicht nur am heutigen Girls‘ Day, bei dem u. a. die weiblichen Auszubildenden einen virtuellen Standortrundgang für Schülerinnen organisiert haben. Andrea Bodner, Ausbildungsleiterin der Webasto-Gruppe, erklärt, wie die Ausbildung in Zukunft aussieht, wo es dabei in der Bildungspolitik hakt und weshalb Webasto mitten in der Pandemie Ausbildungsplätze aufstockt.

Digitalisierung bei Webasto
Mit dem technologischen Wandel gewinnt die Digitalisierung auch bei Webasto an Bedeutung.

Was sind die Hauptantriebsgründe für Webasto, auch in der Pandemie in Ausbildung zu investieren und sie sogar auszubauen?

Ausbildung ist bei Webasto schon immer ein zentrales Thema. Zum einen stellen wir uns damit unserer gesellschaftlichen Verantwortung, jungen Menschen eine fundierte Ausbildung zu geben. Gerade in Zeiten in der Pandemie ist das sehr wichtig. Zum anderen möchten wir mit einer hochwertigen Ausbildung auch sicherstellen, dass unsere Nachwuchskräfte optimal auf spätere Tätigkeiten in unserem Unternehmen vorbereitet sind. Aktuell befinden sich knapp 200 junge Menschen an den deutschen Webasto-Standorten in einer Ausbildung oder in einem dualen Studium – bei rund 4.000 Mitarbeitern in Deutschland. Zum Start des nächsten Ausbildungsjahres werden wir unsere Ausbildungszahlen noch einmal um 20 Prozent erhöhen.

Webasto-Mitarbeiter in der Montage
Webasto hält das Wissen seiner Mitarbeiter in allen Geschäftsbereichen durch Trainings aktuell.

Welche Rolle spielt dabei der technologische Wandel, Stichwort Elektromobilität?

Wir stecken mitten im Wandel vom Verbrenner zum Elektroantrieb. Damit digitalisiert sich die gesamte Automobilindustrie. Wir haben seit Ende 2016 unsere neuen Geschäftsbereiche mit dem Fokus E-Mobilität. Das verändert das Profil unserer Mitarbeiter – immer mehr von der Mechanik in Richtung Mechatronik, Elektronik und Informatik– und spiegelt sich auch in unseren Ausbildungs- und Studiengängen wider. Im gewerblichen Bereich setzen wir immer mehr auf Mechatroniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik, weniger auf Industriemechaniker. So haben wir in den vergangenen zwei Jahren an unserem Standort Utting die komplette Lehrwerkstatt umgebaut und auf diese beiden Berufsbilder ausgerichtet. Auch in den dualen Studiengängen geht es mehr in Richtung Elektrotechnik und Mechatronik, auch der Studiengang Elektromobilität wird immer wichtiger.

Ist Ausbildung für Sie der wichtigste Weg, sich das Know how für neue Geschäftsfelder wie E-Mobilität ins Unternehmen zu holen?

Ja, denn wir brauchen die besten Talente. Und die bekommen wir, indem wir selbst ausbilden. Bei unseren Auszubildenden und dualen Studenten gelingt es uns deshalb fast immer, sie zu übernehmen. Von den drei Säulen Ausbildung, Weiterbildung und Akquise von Know how durch neue Mitarbeiter nimmt die Ausbildung einen wichtigen Stellenwert ein. In der Vergangenheit sind unsere Ausbildungszahlen fast jedes Jahr gestiegen. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Trend auch weiterhin fortsetzt.

Webasto-Ausbildungsleiterin Andrea Bodner

„Unsere Azubis und Studenten sind vom ersten Tag der Ausbildung an mit Laptops ausgestattet, in Tools wie Teams und anderen geschult und allem, was man so braucht, um wirklich erfolgreich im Mobile Office arbeiten zu können. Auch unsere Ausbilder wissen, wie sie mit der Situation umgehen, damit die Ausbildung weiter auf dem hohen Niveau ist, wie sie es zu Präsenzzeiten gewesen ist. Aktuell sind fast alle Azubis und dualen Studenten im Mobile Office, und es funktioniert wirklich hervorragend.“

Webasto-Ausbildungsleiterin Andrea Bodner

Wie arbeiten sich Ihre Ausbilder in neue Wissensbereiche ein?

Die Ausbilder sind durch ihre Arbeit in den neuen Geschäftsfeldern mit den Themen bestens vertraut. Darüber hinaus bieten wir Schulungen an. Wir haben beispielsweise ein strategisches Fokusprojekt mit dem Titel „Mechanics to Mechatronics“. Das ist für die neuen Geschäftsfelder „Batteries“ und „Charging“ wichtig, aber auch in etablierten Geschäftsbereichen werden wir immer stärker mit Elektronik konfrontiert. Deshalb haben wir viele Trainings etabliert, an denen seit 2020 bereits 175 Mitarbeiter teilgenommen haben, unter anderem die Ausbilder. Unsere Lehrwerksmeister in den Lehrwerkstätten sind zudem selbst Mechatroniker oder Elektroniker, um gut ausbilden zu können.

Schülerpraktikum bei Webasto
Mit Schülerpraktika richtet sich Webasto in normalen Zeiten an potenzielle Bewerber – nun funktioniert das digital.

Der Fachkräftemangel pausiert durch die Pandemie allenfalls, wie Arbeitsmarktexperten sagen. Finden Sie noch ausreichend Fachkräftenachwuchs?

Noch haben wir kaum Probleme. Wir sind als sehr guter Ausbildungsbetrieb bekannt. Zudem haben wir Kooperationen mit Schulen, in die wir in Zeiten des Lockdowns auch digitale Formate tragen. Digitale Bewerbertrainings beispielsweise, ausgewählten Schulen bieten wir auch einen digitalen Girls‘ Day an, an dem Ingenieurinnen und Technik-Studentinnen Vorträge halten und bei dem wir mit den Schülerinnen digital arbeiten. So haben wir guten Kontakt zu potenziellen Kandidaten. Bei den Elektrotechnikern sehen wir noch Optimierungspotenzial und Handlungsbedarf – zum Beispiel bei den Angeboten in Schulen. Denn der Bedarf in den Unternehmen für diese Berufsgruppe ist längst da.

Es ist also auch eine Frage der Bildungspolitik, welche Chancen die Industrie in Bereichen wie E-Mobilität und anderen neuen Geschäftsfeldern hat?

Absolut. Im Moment haben wir wirklich ein Defizit. Wir haben uns deshalb überlegt, Gymnasien Seminare zur Berufsorientierung anzubieten, um den Schülerinnen und Schülern an einem Thema der Elektromobilität Einblicke zu geben in das, was die Unternehmen wirklich brauchen. Verknüpft wird das mit einem kleinen Kurs zum agilen Projektmanagement, Technikwissen und Erfahrungsberichten von Ingenieuren, die zeigen, was man eigentlich macht, wenn man als Elektroingenieur arbeitet. Das entwickeln wir gerade mit den Lehrern zusammen.

Fotos: Webasto

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