07 September 2017

Spiel und Spaß neben Papas Büro

Warema betreut in den Ferien Mitarbeiterkinder

Spiel und Spaß neben Papas Büro

„Spielen und Spaß haben.“ Tillmann spricht wohl für so ziemlich alle der rund 145 „Sonnenkinder“, als er das Ferienangebot für Mitarbeiterkinder von Warema zusammenfasst. Drei Sommerferienwochen lang dürfen sie auf einem Schulgelände gegenüber von der auf Sonnenschutztechnik spezialisierten Firma den ganzen Tag genau das: Spielen und Spaß haben.

Egal ob beim Holzschiffe bauen, Seife herstellen, Taschen nähen, T-Shirts färben oder Fußballspielen: Gleich nebenan, am Stammsitz im bayerischen Marktheidenfeld, arbeiten Mama oder Papa – ganz ohne Kopfzerbrechen über die Frage, wo sie ihre Kleinen in den Ferien unterbringen und ob es ihnen dort gut geht.

Zumindest heute, am Besuchstag der Kinder in der Firma, können sie sich davon direkt am eigenen Arbeitsplatz überzeugen. So wie Arne Löken, der seine achtjährige Tochter Michelle auf dem Arm durchs Werk trägt. Gerade bläst sie mit dem Druckluftreiniger Führungsschienen für Rollladen von Spänen frei. „Papa repariert Maschinen“, hat sie voller Überzeugung auf dem Weg in sein Büro erklärt. Jetzt sitzt sie mit ihm an seinem Schreibtisch und staunt, dass gleich drei Bildschirme darauf stehen: „Wie viele Computer hast Du denn?“

Kinder lernen, was Eltern den ganzen Tag in der Firma machen

Löken ist technischer Informatiker und programmiert Werkzeugmaschinen. „Einer ist für den Programmiercomputer, einer fürs Tagesgeschäft mit all den E-Mails, und auf dem Bildschirm hier kann ich mir die Aufgaben genauer ansehen“, erklärt er seiner Tochter. Dass die Kinder sehen, was ihre Eltern in der Firma machen, ist für Personalchef Thomas Klein einer von vielen Vorteilen der Kinderferienbetreuung: „Die Kinder können sich nicht vorstellen, was die Eltern bei Warema machen. Selbst, wenn die seit Jahren hier arbeiten, kommen so witzige Antworten wie ,Mein Vater ist Chef auf dem Dillberg‘, einem unserer Standorte hier in der Stadt.“

Löken und seine Frau nutzen das Betreuungsangebot von Warema, seit Michelle drei Jahre alt ist. „Für uns ist das ein Top-Angebot, gerade weil wir beide berufstätig sind. Das macht es definitiv attraktiver, hier zu arbeiten.“ Michelle jedenfalls ist stolz auf ihren Papa und das, was er auf seiner Arbeit macht. „Darf ich da ,bester Papa‘ drauf schreiben?“, fragt sie ihn und zeigt auf eine Tafel. Klar darf sie – und malt noch ein Herz darum.

„Als wir die Kinderferienbetreuung vor zehn Jahren eingeführt haben, hat das eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert sich Klein – bei den Eltern, aber auch in der Öffentlichkeit, was zur ersten Prämierung als familienfreundlichster Arbeitgeber Mainfrankens durch die Region Mainfranken GmbH führte. „Wenn wir im Dezember die Plätze für die Betreuung im nächsten Jahr ausschreiben, sind sie innerhalb von wenigen Tagen voll“, sagt Christina Vogel, die das Programm im Personalbereich betreut.

Betreuungsangebote helfen bei der Personalsuche

Die große Beliebtheit hat auch mit dem Geschäftsfeld der Firma, der Sonnenschutztechnik, zu tun, sagt Klein: „Die Hauptsaison ist für uns die Sommerzeit. Eine Zeit, in der Eltern aber auch mit Schulferien zu tun haben und bei der Betreuungsfrage immer vor einem großen Loch standen. Die vorhandenen Betreuungsangebote haben nicht mal einen ganzen Tag abgedeckt. Darum haben wir uns entschieden, qualitativ hochwertige Betreuung anzubieten, in der wir die Kinder morgens aufnehmen und abends wieder abgeben.“


Die Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen sei Teil der Unternehmenskultur als Familienunternehmen, als das Warema sich auch mit 2.300 Mitarbeitern am Stammsitz immer noch versteht. „Solche Angebote sind auch wichtig, um nach außen attraktiv zu sein“, sagt Klein. Dass sich die Kinderferienbetreuung und die Krippenplätze, die Warema für seine Mitarbeiter in einer benachbarten Kita reserviert hat, herumsprechen, erfahren Klein und sein Team oft in Bewerbungsgesprächen.

„Eine junge Frau zum Beispiel wohnte zwar 60 Kilometer von uns weg, hat sich aber bei uns beworben, weil ihre Mutter im Lokalblatt von unserer Kinderferienbetreuung gelesen hat.“ Bei einer verschwindend geringen Arbeitslosenquote wie im Main-Spessart-Kreis sind Waremas Betreuungsangebote, aber auch die knapp 200 unterschiedlichen Teilzeitmodelle ein wichtiges Pfund bei der Suche nach Personal.

Azubis unterstützen bei der Betreuung

Warema-Mitarbeiter können ihre Kinder in den Sommerferien bis zu zwei Wochen für die Betreuung anmelden. „Die Eltern zahlen pro Woche einen Unkostenbeitrag von 50 Euro für die Größeren und 30 Euro für die Kleinen“, sagt Christina Vogel. Den Hauptteil der Kosten, beispielsweise für Verpflegung, Ausflüge, die Miete für Schule und Kitagebäude sowie die Bezahlung der Erzieherin, die die Ferienbetreuung pädagogisch leitet, übernimmt Warema – ein fünfstelliger Betrag.

Fest eingeplant sind auch die Auszubildenden, die so lernen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Vogel. „Bei der ersten Ferienbetreuung war ich auch als Auszubildende dabei.“ Heute betreut zum Beispiel Azubi Lion Amersbach, früher selbst ein Sonnenkind, die Kinder beim Holzbootbau. „Die Kinder sind total super, beschäftigen sich auch viel selbst. Ich find es immer noch schön hier“, sagt er und lacht. Neben den Azubis kümmern sich pädagogische Betreuer, also eine Erzieherin und Studierende oder Auszubildende mit pädagogischem Hintergrund, beim Basteln, auf Ausflügen ins Schwimmbad, in den Freizeitpark oder beim Grillen um die Kinder.

Badekugeln, Flickentaschen und viele neue Freunde

So wie Laura Schiller. Die auszubildende Erzieherin sitzt mit einigen Mädchen und einem Jungen um eine Schultischgruppe. Es duftet nach Kokos und Zitrone. „Wir machen Badebomben aus Zitronensäure, Natron, Kokosöl, Speisestärke und Farbe. Glitzer darf natürlich auch nicht fehlen“, erklärt Schiller. „Das sprudelt richtig wie die echten Kugeln“, sagen die Mädchen.

In der Nähgruppe nebenan ist der Jungenanteil deutlich höher. Lukas lässt sich von einer Betreuerin bei einer Tasche mit silbernen Henkeln helfen. „Letztes Mal habe ich ganz viele Flicken mitgebracht, aus der wir dann eine Tasche gemacht haben“, erzählt er. Er ist schon zum vierten Mal dabei. Wie er finden auch die allermeisten anderen Sonnenkinder in der Ferienbetreuung viele neue Freunde. „Aber zum Glück gibt es auch viele, die länger dabei sind, zum Beispiel Konstantin“, sagt Lukas und zeigt auf einen Jungen neben sich. Der nickt kräftig, als Lukas sagt: „Ich finde es schön hier, und zwar jedes Mal wieder.“

Text: Wiebke Bomas, Fotos: dpa Picture-Alliance/Jan Haas, Werk

 

Interview mit Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende von Warema Renkhoff

Frau Renkhoff-Mücke, was war der Auslöser für Sie, sich für die Unterstützung Ihrer Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung zu entscheiden?

Als ich vor 19 Jahren ins Unternehmen eingestiegen bin, waren meine Kinder selbst noch relativ jung. Ich weiß also aus eigener Erfahrung, wie schwierig es als berufstätige Frau ist, die lange Ferienzeit mit einem auch für die Kinder attraktiven Programm zu überbrücken. Gleichzeitig habe ich den hohen Frauenanteil in unserer Fertigung gesehen, die wir in unserer Hauptsaison im Sommer brauchen. Dann habe ich von einem Pilotprojekt in Regensburg gehört, bei dem mehrere Firmen zusammen eine Ferienbetreuung ausprobiert haben. Das muss doch machbar sein, hatte ich damals gedacht, so schwierig kann das nicht sein! Unser erstes Programm war ein Riesenerfolg: Es wurde super angenommen. Nach zehn Jahren ist es heute eine feste Instanz: Die Eltern kalkulieren das Betreuungsangebot fest in ihre Urlaubsplanung ein.

Sie investieren auch in die Ferienbetreuung, in die für Warema-Mitarbeiter reservierten Kita-Plätze und die Planung einer Vielfalt von Arbeitszeitmodellen Geld und Personalstunden. Wie zahlt sich das für das Unternehmen aus?

Das ganze Unternehmen profitiert, da diese Angebote zum einen Teil unserer Unternehmenskultur geworden sind. Die Kinder essen während der Ferienbetreuung im Betriebsrestaurant mit, besuchen ihre Eltern am Arbeitsplatz: Das ist auch eine Wertschätzung der Arbeit ihrer Eltern und erzeugt bei den Kindern Stolz. Das trägt zur positiven Kommunikation nach außen bei. Auf unsere Arbeitgebermarke zahlt das genauso ein wie auf unsere Unternehmenskultur.

Sind Ihre Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Antwort auf einen steigenden Bedarf?

Der Bedarf hat sich nicht verändert, er war auch vor Jahren schon genauso groß. Aber es ist heute Standard, den Mitarbeitern Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu geben, um motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter rekrutieren und halten zu können. Diese Möglichkeiten sind in den letzten Jahren aber auch besser geworden: Es ist eine der positiven Seiten der Digitalisierung, dass wir von zu Hause arbeiten können und mobiler sind. Das gilt es, mehr und mehr auszuschöpfen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Unterstützung an, weil die öffentlichen Angebote nicht ausreichen? Füllen Sie also die Lücken aus, die von politischer Seite nicht abgedeckt werden?

Bei dem Thema trage ich zwei Seelen in meiner Brust: Bei der Betreuung, auch der schulischen, sehe ich deutliche Verbesserungspotenziale. Das Angebot muss größer, aber auch qualitativ hochwertiger werden. Hier sehe ich die Tendenz, solche Fragen auf Unternehmen abzuschieben. Es gehört aber nicht zu den grundsätzlichen Aufgaben der Unternehmen, sich darum zu kümmern. Andererseits sehe ich aber auch, dass sich die Angebote in den Ferien mittlerweile in jeder Kommune verbessert haben. Auch, wenn das kommunale Angebot viel gestückelter ist als bei unserer Rundumbetreuung in festen Gruppen über bis zu zwei Wochen: Für Kinder und Jugendliche hat sich im Vergleich zu früher viel getan.

Wie ist die Situation außerhalb der Ferienzeit: Wie bringen Ihre Mitarbeiter Familie und Beruf zusammen?

Hier sind vor allem die von uns reservierten Kita-Plätze für junge Mütter, aber auch für Berufseinsteiger als Option für die Zukunft ein wichtiges Thema. Darüber hinaus stellen wir uns individuell auf die unterschiedlichen Lebensphasen unserer Mitarbeiter ein. Zum Beispiel ist es selbstverständlich, dass sich auch Väter am Tag der Einschulung ihrer Kinder einen Tag frei nehmen können. Wir sind bei der Arbeitszeitplanung unserer Mitarbeiter sehr flexibel, und zwar auch, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Dann suchen unsere Vorgesetzten nach einem Weg, ob nun ein Kollege einspringt oder eine andere Lösung gefunden wird.

Haben Sie weitere Angebote zum Thema Familienfreundlichkeit geplant?

Ich sehe es als großes Thema, auch dann eine sehr gute Betreuung zu gewährleisten, wenn Kinder in die Schule kommen. Oft ist es so, dass die Kinder um 12 Uhr zu Hause sind, weil es in der Grundschule kaum Nachmittagsangebote wie Hausaufgabenbetreuung gibt. Hier eine qualitativ hochwertige und individuelle Betreuung anzubieten, ist als Unternehmen nicht leicht. Ich stehe immer wieder in Kontakt mit anderen Unternehmen, um zu schauen, was sie anbieten. Auch wir wurden ja gebeten, unsere Erfahrungen zu teilen. Genauso suchen wir bei anderen Anstöße, um zu sehen, ob wir neue Pilotprojekte bei uns starten können.

Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau Renkhoff-Mücke.