04 Januar 2018

Roboter sind Azubi-Sache

Digitale Kompetenz ist bei Bosch Ausbildungsgrundlage

Roboter sind Azubi-Sache

Apas, der Roboter, greift das Metallteil und setzt es direkt vor Jean- Pierre Ullrich ab. Er weiß, was dieser Mensch gerade braucht, um eine Zündspule oder eine Pumpe zu montieren, die später in einen Automotor eingebaut wird. Auf dem Tisch, der eigentlich ein Computerbildschirm ist, erscheint jetzt der nächste Arbeitsschritt.

So sieht ein Montageplatz der Zukunft aus. Bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach sind solche Vorführstationen aufgebaut. Im Werk sind auch schon ein paar davon im Einsatz, und die alltägliche Zusammenarbeit mit dem Roboter, dessen Abkürzung Apas für Automated Production Assistant steht, ist ganz selbstverständlich.

Jean-Pierre Ullrich ist 19 Jahre alt. Er macht hier eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik: „Früher musste man jedes Mal die Hand nach dem nächsten Teil ausstrecken“, erklärt er, „heute nimmt einem der Roboter solche ermüdenden Tätigkeiten ab.“

IT-Kompetenzen sind so wichtig wie Grundrechenarten

Doch dazu muss der Apas erst von ihm programmiert werden. Und genau das ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. In der Digitalisierung der Produktion liegt die Zukunft der Industrie. Der Technikkonzern macht seine Azubis dafür fit. Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch: „In der vernetzten Welt sind IT-Kompetenzen so wichtig wie Grundrechenarten.“

Das Motto in der Ausbildung lautet deshalb „Digital first“: Das Digitale hat Vorrang. Das gilt sowohl für die Ausbildungsinhalte als auch für die Methoden, mit denen diese Inhalte vermittelt werden.

Azubi Ullrich hat im ersten Ausbildungsjahr die Grundlagen der Elektronik gelernt – die „Hardware“, wie er sagt. Im zweiten Jahr ging es dann ans Programmieren. Außer an die technische Kompetenz stellt sein Arbeitgeber hohe Anforderungen an Selbstständigkeit und an die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Bei Fragen schauen Azubis aufs Tablet

Wissen teilen – das gilt auch für die Azubis. So hat Ullrich seine Roboterstation und das Prinzip der vernetzten Produktion schon erfahrenen Mitarbeitern erklärt. An der Infowand zeigt er auf ein Display in einem grün leuchtenden Kreis: „Alle Maschinendaten werden in der Cloud gespeichert. Wir sehen, wie viele Teile wir in der letzten Stunde produziert haben.“ Der Datenaustausch ermöglicht den weltweiten Blick: „Wenn beispielsweise in Asien aus irgendeinem Grund die Produktion abfällt, können wir sie woanders sofort hochfahren.“

Der digitale Wandel stellt ganz neue Anforderungen an die Facharbeiter in der Industrie: Produktionsdaten sind in Echtzeit verfügbar und müssen ausgewertet werden, eng vernetzte Prozesse machen Steuerungsaufgaben komplexer.

Laut dem „Future of Jobs Report“ des World Economic Forum ändert sich bis 2020 mehr als ein Drittel der benötigten Kernkompetenzen in den heutigen Berufen. Bosch reagiert darauf: IT-Wissen ist in den Lehrplänen von Mechatronikern, Industriemechanikern oder Elektronikern verankert. Und die Azubis müssen nicht mehr zum Meister laufen, wenn sie Fragen haben. Sondern sie schauen in ihrem Tablet-Computer nach, wie es mit ihrem Projekt weitergeht.

Vernetzte Produktion heißt null Stillstand

1.500 junge Menschen haben dieses Jahr bei Bosch eine Ausbildung oder ein Studium begonnen, 200 davon in Feuerbach. Mehr als 12.500 Mitarbeiter entwickeln und produzieren an diesem Standort unter anderem Systeme für Dieselmotoren und Roboter für die automatisierte Fertigung.

Azubi Ullrich weiß schon: Nach Abschluss seiner Ausbildung will er in der Instandhaltung arbeiten. Hier werden die Maschinen in den Fertigungslinien überwacht und gewartet. Teile, die bald ausgetauscht werden müssen, senden ein Signal. Das Ziel: „In der vernetzten Produktion sollen die Anlagen niemals stillstehen.“

Text: Sigrid Stoss, Fotos: Wilhelm Mierendorf