27 April 2017

Faszination für das Allerkleinste

Vanessa Bernt studiert Präzisionsmaschinenbau und arbeitet bei Mahr

Faszination für das Allerkleinste

Vanessa Bernts Ding sind die Gesetze, die Mechanik und die Physik des Allerkleinsten: winzigste Zeiträume, kleinste Abstände, superfeine Oberflächen und extrem exakte Messungen. In ihrem Studium des Präzisionsmaschinenbaus geht es mit der Entwicklung hochgenauer Komponenten, Messgeräte und Maschinen genau darum. Und ohne Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die sogenannten MINT-Fächer, geht hier nichts. Bernt, die bereits einen Abschluss als Industriemechanikerin und einen Bachelor im Präzisionsmaschinenbau will mehr davon: „Ich will noch den Master-Abschluss dranhängen“, sagt die 23-Jährige.

Den Bachelor hat sie in einem dualen Studium absolviert. „Ich wollte zwar studieren, aber gleichzeitig Praxisbezug haben. Nur Theorie zu lernen, wäre für mich nichts gewesen“, sagt die junge Frau. Also startete sie 2012, nach ihrem Abitur, an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen und begann gleichzeitig eine Ausbildung zur Industriemechanikerin beim Traditionsunternehmen Mahr. 700 Mitarbeiter stellen in der Uni-Stadt Messgeräte her, unter anderem für die Auto-Industrie. Damit prüft man die Qualität von Oberflächen, Motor-, Lenk- und Getriebeteilen, Injektor- und Bremssystemen.

Drei Tage im Unternehmen, zwei an der Hochschule

Für Bernt begann eine fordernde Zeit: Beim dualen Studium lernen die Studierenden jede Woche drei Tage im Unternehmen und zwei an der Fachhochschule. Das Gelernte können sie gleich anwenden. Für Bernt ist das ein Vorteil gegenüber dem normalen Studium: „Im Betrieb kann man die Theorie unmittelbar in die Praxis umsetzen. Dann versteht man beispielsweise die Mathematik viel besser, die hinter bestimmten technischen Anwendungen steht.“

Wichtig war ihr auch, dass sie als Azubi Geld verdient. „Meine Eltern konnten mir kein Studium finanzieren. Und die Vorstellung, nach dem Abschluss Bafög-Schulden zu haben, fand ich nicht gut.“ Allerdings arbeiten die Verbund-Studenten auch in den Semesterferien die meiste Zeit im Unternehmen. „Dort nahm man aber auf unsere besondere Situation Rücksicht, vor Klausuren durften wir auch während der Arbeit lernen“, erzählt Bernt.

Finanziell profitiert sie auch jetzt noch vom dualen Modell. Derzeit arbeitet sie bei Mahr 20 Stunden wöchentlich als Werkstudentin; einen erheblichen Teil der Stunden leistet sie in den Semesterferien.

Wenige, aber überdurchschnittlich erfolgreiche Studentinnen

Eines aber hat sich nun geändert. Hatte Bernt unter den etwa 70 Studierenden ihres Bachelor-Jahrgangs noch einige Kommilitoninnen, ist sie nun beim Master-Studium eine echte Rarität. Sie ist die einzige Frau unter mehr als 20 Männern. „Damit muss man umgehen können“, sagt sie gelassen. Sie kennt das schon. „Schon in der Schule im Mathe- und Physik-Leistungskurs waren ganz überwiegend Jungs.“

Professor Manfred Bußmann, der Leiter des Studiengangs, hätte gerne einen deutlich höheren Frauenanteil unter den Studierenden – besonders im dualen Studium. Derzeit sind dort weniger als 10 Prozent Frauen. Die aber seien überdurchschnittlich erfolgreich: „Frauen schneiden häufig sehr gut ab.“ Gefragt sind die Absolventen des Studiums aber allemal, egal ob Frau oder Mann.

Text: Christina Petrick-Löhr; Fotos: Chris Gossmann, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst