28 Dezember 2017

Eine Reederei gibt Gas

Gasantrieb für Containerschiff senkt Emissionen

Eine Reederei gibt Gas

Ganz langsam hebt ein Schwimmkran am Kai der Bremerhavener Werft German Dry Docks einen riesigen Tank an, setzt ihn behutsam auf dem Deck der „Wes Amelie“ ab. Der Behälter, der 500.000 Liter Gas fasst, ist das Herzstück einer Weltpremiere: Nach fast drei Jahren Vorbereitung wird erstmals ein Containerschiff auf LNG-Antrieb umgerüstet.

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, verflüssigtes Erdgas. Dieser Treibstoff besteht überwiegend aus Methan und verursacht daher keine nennenswerten Schwefeloxid-Emissionen. Auch die anderen Abgaswerte von LNG-Motoren sind beachtlich: Im Vergleich zu klassischen Schiffsantrieben sinkt zum Beispiel der Stickoxid-Ausstoß um bis zu 90 Prozent.

Weitere Umrüstungen geplant

Die „Wes Amelie“, ein Containerfrachter, gehört der Reederei Wessels aus Haren an der Ems. Der Familienbetrieb, 1912 gegründet, zählt mit rund 40 Schiffen zu den größten Reedereien der deutschen Küstenschifffahrt. „Uns war wichtig, dass es nicht bei einer einmaligen Aktion bleibt“, so Geschäftsführer Gerd Wessels, „dieses Schiff hat 23 Schwesterschiffe, von denen 16 absolut baugleich sind – die ‚Wes Amelie‘ wird also voraussichtlich nicht das letzte Schiff unserer Flotte sein, das umgerüstet wird.“

Der Antrieb wird auf „Dual Fuel“-Betrieb umgestellt: Der Frachter soll mit flüssigen wie auch mit gasförmigen Kraftstoffen fahren. Eine solche Umrüstung ist sehr aufwendig, sie erfordert Modifikationen am Motor und bauliche Veränderungen am übrigen Schiff. Mithilfe der Spezialisten von MAN Diesel & Turbo wird das wuchtige Achtzylinder-Aggregat gründlich umgebaut, allein dafür kommen rund 30 Tonnen Material zum Einsatz.

Mehr Effizienz bei weniger Emissionen

Um den Verlust an Container-Stellplätzen gering zu halten, wird der Gastank auf dem Vorschiff platziert und so eingehaust, dass man noch Container oben aufsetzen kann. Dort, wo an der Gasleitung zwischen Tank und Maschinenraum Armaturen sitzen, sind vereiste Stellen zu sehen. „Flüssiges Erdgas hat minus 162 Grad Celsius“, erklärt Projektmanager Carl-Jascha Ewert, „bei solchen Verhältnissen wird selbst hochwertiger Stahl spröde – daher muss man verhindern, dass sich die Kälte auf die angrenzenden Strukturen des Schiffs überträgt. Eine technische Herausforderung.“

Schon früh war klar, dass die Umrüstung 6 bis 8 Millionen Euro kosten würde. Das Bundesverkehrsministerium half mit einem Zuschuss, der etwa 60 Prozent der gesamten Kosten deckt. Weitere 30 Millionen Euro Fördermittel für andere LNG-Projekte stehen bereit.

„Deutschland ist eine der weltweit größten Schifffahrtsnationen“, so der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann. „Wir wollen diese Spitzenposition halten und unterstützen deshalb die Einführung innovativer Technologien. Ziel ist: mehr Mobilität bei weniger Emissionen.“

Text: Clemens von Frentz, Fotos: Christian Augustin, Werk