05 Oktober 2017

Die Schnellschalterin

Melissa Joos entwickelt Schaltsysteme und pfeift Fußballspiele

Die Schnellschalterin

TV Echterdingen gegen Bradford City: Bei dem Fußball-Freundschaftsspiel geht es unter den Männern fair, aber trotzdem hart zur Sache. Mitten auf dem Platz eine Frau, die das Geschehen im Griff hat: Melissa Joos, Schiedsrichterin und Elektro-Ingenieurin bei der Firma Euchner in Leinfelden bei Stuttgart. Joos pfeift in der Verbandsliga der Herren – und bei den Damen sogar in der Bundesliga.

In Männerbastionen kennt sich Melissa Joos aus. Am Stammsitz von Euchner arbeitet sie als Projektleiterin an der Weiterentwicklung von Sicherheitsschaltsystemen für den Maschinen- und Anlagenbau. Mit gerade einmal 25 Jahren leitet sie ein kleines Projektteam von fünf Kollegen. Vor gut drei Jahren hat sie ihr Ingenieurstudium mit dem Bachelor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg abgeschlossen, heute übernimmt sie ganz selbstverständlich Verantwortung.

„In meiner Ausbildung wurde ich vom ersten Tag an gefördert und gefordert“

„Bei Euchner wurde ich vom ersten Tag der Ausbildung an gefördert und gefordert“, erklärt Joos ihren Aufstieg. Dass sie überhaupt zu dem Sicherheitsexperten kam, liegt auch am Leiter der Personalabteilung: „Er hat an unserem Gymnasium in Echterdingen das Unternehmen und die vielfältigen Chancen vorgestellt. Ich war total begeistert“, sagt sie.

Ihre Begeisterung hält an. In ihrem Projekt forscht und entwickelt sie an der Vernetzung der verschiedenen Sicherheitssysteme. Kern der Tür-Sicherheitsschalter von Euchner ist eine schon heute hochkomplexe Elektromechanik. Künftig werden die Sicherheitssysteme über den Schutz von Mitarbeitern und Produkten hinaus vielfältige Diagnose-Aufgaben übernehmen: „Wir erheben wichtige Umweltinformationen oder Statusdaten, die wir dann an andere Bereiche übermitteln können“, so Joos.

Flexible Arbeitszeiten ermöglichen Schiedsrichter-Lehrgänge

Bei ihren eigenen Diagnose-Aufgaben auf dem Fußballrasen unterstützt ihr Arbeitgeber sie mit flexiblen Arbeitszeiten. Der Mittelständler mit 750 Beschäftigten ermöglicht ihr, auch zeitaufwändige Schiedsrichter-Lehrgänge zu belegen.

Schnelle Auffassungsgabe, Entscheidungsfreude und Menschenkenntnis – diese Fähigkeiten helfen ihr als Schiri genauso wie in ihrem Job. Dabei ist für die junge Frau klar: „Die Schiedsrichterei ist nur mein Hobby, mein Beruf hat absolute Priorität.“ Ein Hobby allerdings, das sie an den Wochenenden zu den Frauenspielen in ganz Deutschland führt: Potsdam, München oder Köln. Und wenn sie ihr Ziel Fifa-Schiedsrichterin in den nächsten Jahren erreicht, kommen internationale Spiele dazu.

Im Job steht zwar aktuell kein Auslandseinsatz an. Doch gäbe es die Chance, Joos würde sie ergreifen. Bei 40 Euchner-Tochtergesellschaften weltweit steht sie nicht schlecht. Vielleicht arbeitet Melissa Joos ja irgendwann in Südeuropa und pfeift am Wochenende Real Madrid gegen den FC Barcelona.

Text: Fritz Schwab, Fotos: Wilhelm Mierendorf