07 Dezember 2017

Auszeit vom Job

Wei Manske-Wang nutzt Sabbatical, um ein Buch zu schreiben

Auszeit vom Job

Beruf und Privatleben gut unter einen Hut zu bringen, ist für viele Arbeitnehmer inzwischen ein immer wichtigeres Anliegen. Dabei kann es sowohl darum gehen, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, als auch darum, private Hobbys oder Interessen zu verfolgen. Die Maschinenfabrik Reinhausen (MR) aus Regensburg hat im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr Angebote für eine ausgewogene Work-Life-Balance eingeführt. Davon hat die Marketing-Mitarbeiterin Wei Manske-Wang (44) profitiert – aber auch das Unternehmen selbst. Denn die gebürtige Chinesin hat ihre Auszeiten genutzt, um sich weiterzubilden. Ihre neuen Erkenntnisse kommen letztlich auch der Firma zugute.

Frau Manske-Wang, Sie haben sich vor einigen Jahren entschlossen, berufsbegleitend Ihre Doktorarbeit zu schreiben. Wie haben Sie das neben Ihrem Job im strategischen Marketing bei MR organisiert?

Ich habe 2010 mit meiner Promotion gestartet. Damals war ich schon seit vier Jahren bei MR beschäftigt und hatte einen Vollzeit-Job mit Leidenschaft, 40 Stunden in der Woche. Die Schreib- und Recherchearbeit habe ich daher vor allem an den Wochenenden erledigt. Das zog sich fast vier Jahre hin. Mein Sohn war zum Glück schon im Teenager-Alter, und mein Mann hat mich liebevoll unterstützt. Entscheidend war aber auch, dass es bei MR damals schon Zeitkonten gab.

Inwiefern hat das geholfen?

Auf dem Zeitkonto konnte ich meine Überstunden ansparen. Diese habe ich, wann immer arbeitstechnisch erlaubt ist, in freie Tage für die Bibliothek umgewandelt. Vor allem vor dem Abgabetermin konnte ich durch Überstunden sowie einige Urlaubstage im Januar 2014 mehr als 40 Tage am Stück freinehmen und mich auf das finale Schreiben konzentrieren. Das war maßgeblich für das Endergebnis.

Was war der Auslöser, nach einigen Berufsjahren noch eine Promotion in Angriff zu nehmen?

Unmittelbar nach meinem Betriebswirtschaftsstudium in Regensburg bin ich 2006 bei MR im strategischen Marketing eingestiegen. MR expandierte damals verstärkt Richtung China, da habe ich als gebürtige Chinesin beim Aufbau der chinesischen Tochtergesellschaft mitgearbeitet. Doch auch wenn mir der praktische Job gefiel, haben mich immer stärker die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge fasziniert, etwas tiefer in der Theorie sozusagen. Darunter das gigantische Wachstum im Bereich Energie in den letzten Jahrzehnten. Genau dafür produziert MR ja Lösungen. So entstand zuletzt das Forschungsthema meiner Doktorarbeit, die von Urbanisierung und Energieversorgung der Megastädte in China handelte. Das hat mir viele neue Erkenntnisse gebracht, die ich anschließend in meine Arbeit bei MR einzubringen versuche.

Inwiefern hat diese Erfahrung, sich neues Wissen anzueignen, dazu beigetragen, nun an einem Buchprojekt mitzuarbeiten?

Das Thema ist sehr dynamisch und facettenreich. Es gibt ständig neue Entwicklungen. China erlebt gerade einen riesigen Aufschwung. Das ganze Land, die Infrastruktur und die Gesellschaft wandeln sich rasant. Das ist alles hochinteressant und zugleich relevant für Deutschland und deutsche Unternehmen, und ich habe das Gefühl, dem deutschen Publikum während dieses Wandelns beistehen zu müssen. Es bedeutet wiederum, mich für ein Buch erneut tiefer einzuarbeiten. Diesmal geht es um das Thema „Innovation der Mobilität“. Mein Doktorvater hatte mir dies angeboten. Aber noch einmal neben einer regulären Vollzeitstelle so ein Projekt zu stemmen, das wollte ich möglichst vermeiden.

Wie haben Sie es dennoch geschafft?

MR hatte inzwischen die Möglichkeit eingeführt, ein Sabbatical zu nehmen. Ich habe mich mit der Personalabteilung in Verbindung gesetzt und mich nach den Regularien erkundigt. Der Antrag lief völlig problemlos. Meine Chefs und die Personalabteilung waren sehr unterstützend. Innerhalb weniger Tage hatte ich alle Unterschriften beisammen.

Wie war das Sabbatical konkret geregelt?

Ich habe mich für zwei Monate Auszeit entschieden. Einen Monat im Frühjahr für die theoretischen Grundlagen und einen im Herbst, um in China vor Ort zu recherchieren. Während der zwei Monate bekam ich 75 Prozent des normalen Gehalts. Weitere sechs Monate habe ich normal gearbeitet und ebenfalls nur 75 Prozent des Gehalts erhalten. Dadurch habe ich die Freistellung finanziert.

Wie haben Ihr Arbeitgeber und Ihre Kollegen jeweils auf die nebenberuflichen Projekte reagiert?

Ich bin überall auf Verständnis und sogar Bewunderung gestoßen. Gerade Weiterbildung wird bei MR sehr stark gefördert, eben weil letztendlich die Firma auch durch ihre lernende Belegschaft sich weiterentwickelt. Bei meinem Buchprojekt gehe ich Denkanstößen nach, die der strategischen Ausrichtung der MR nutzen würden.

Ihre Doktorarbeit sowie das Buch sind Ausnahmeprojekte, für die Sie mit Ihrem Arbeitgeber individuelle Vereinbarungen getroffen haben. Gibt es darüber hinaus Angebote bei MR, die Sie im Alltag nutzen, um Ihren Beruf und das Privatleben gut zu vereinbaren?

Insgesamt wird bei MR vieles sehr individuell geregelt, etwa die Tages- und Wochenarbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Job-Sharing.

Kurzbiografie

Wei Manske-Wang Wei Manske-Wang (44) ist in Shanghai geboren und aufgewachsen und hat dort Germanistik studiert. Über einen Job bei einem chinesischen Reiseveranstalter lernte sie ihren deutschen Mann kennen und kam vor 20 Jahren seinetwegen in die Oberpfalz. Weil ihr chinesischer Studienabschluss in Deutschland nur bedingt anerkannt wurde, entschloss sie sich zu einem Zweitstudium Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg. Nach erfolgreichem Examen im bayerischen Elitestudiengang „Honors“ fing sie 2006 bei der Maschinenfabrik Reinhausen an und arbeitet seither im strategischen Marketing. Seit 2015 unterrichtet sie auch in ihrer Freizeit als Dozentin an der technischen Hochschule Deggendorf zur aktuellen Entwicklung Asiens.

Text: Alix Maria Sauer, Fotos: Werk