Die wirtschaftliche Lage im Sommer 2014

Konjunkturbericht aus dem Herz der Wirtschaft

Das Gesamtbild der Konjunktur in der Metall- und Elektro-Industrie zeigt im Frühsommer 2014 zwar weiter aufwärts, einzelne Indikatoren zeigen aber Anzeichen von Schwäche. So hat sich insbesondere das Geschäftsklima im Juni spürbar abgekühlt, nachdem die Produktion April/Mai ebenfalls leichte Einbußen hinnehmen musste. Dagegen hat der Auftragseingang deutlich zugelegt, vor allem getrieben durch einen starken Zuwachs bei den Auslandsaufträgen. Die Inlandsnachfrage bleibt weiter stabil. Beim ifo Geschäftsklima hat der Juni die bisher gute Stimmung verhagelt: die Geschäftserwartungen gingen per Saldo um sieben Punkte zurück – der stärkste Rückgang seit zwei Jahren und offenbar Reaktion auf die Krisen in der Ukraine und im Irak. Auch die Lagebeurteilung fiel nicht mehr ganz so positiv aus. Die Beschäftigung hat im Mai noch einmal zulegt, möglicherweise durch die verstärkte Übernahme von Zeitarbeitnehmern in die Stammbelegschaften. Derzeit signalisieren die Beschäftigungspläne aber einen nur moderaten weiteren Beschäftigungsaufbau.

Auftragseingang

Im April/Mai 2014 ist der Auftragseingang gegenüber dem 1. Quartal 2014 um 2,2 Prozent gestiegen. Maßgeblich für diesen deutlichen Anstieg waren die Auslandsaufträge, die um 3,4 Prozent zulegten. Das Inlandsgeschäft wuchs nur um 0,6 Prozent. Im Branchenvergleich gab es ein kräftiges Plus im Fahrzeugbau (+5,2 Prozent), auch der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik stieg (+2,8 Prozent). Der Maschinenbau gab leicht nach (-0,6 Prozent), deutlicher noch die Metallverarbeitung (-2,4 Prozent).

Produktion

Nach einem starken Jahresauftakt 2014 lag die M+E-Produktion im April/Mai 1,1 Prozent unter dem Durchschnitt des ersten Quartals. Außer dem Fahrzeugbau (+/-0,0 Prozent) gaben alle großen Branchen leicht nach: der Maschinenbau (-0,7 Prozent), der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-0,6 Prozent) und die Metallverarbeitung (-0,6 Prozent). Die Kapazitätsauslastung stieg im April 2014 auf 85,7 Prozent (Januar: 84,6 Prozent).

Beschäftigung

Die M+E-Beschäftigung lag im Mai 2014 saisonbereinigt mit 3.746.000 Mitarbeitern um 1,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat stieg die Zahl um etwa 3.200. Die weiteren Beschäftigungspläne der M+E-Industrie sind neutral und signalisieren einen nur noch moderaten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 309.000 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 461.000. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank noch einmal von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen wieder etwas größer geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2014 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 169.000 Arbeitslose, 7.100 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 94.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 5.900 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 35.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juni 2014 nur noch rund 5.700.

Kosten, Produktivität

Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: von Januar bis Mai 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,0 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Produktivität stieg um 1,9 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten leicht um 0,1 Prozent. Im Gesamtjahr 2013 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4 Prozent, nach fast 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im 1. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -9 Prozent; Gas: -4 Prozent) sind die Strompreise mit +3 Prozent weiter gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im 1. Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Geschäftsklima

Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ging im Juni 2014 spürbar zurück. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage sank von +30 auf +28. Die Erwartungen der M+E-Unternehmen fielen sehr deutlich von +19 auf 12 Punkt Punkte.

 

Aussichten

Mit einem nur leichten Produktionsplus von 0,4 Prozent ist die M+E-Industrie 2013 wie bereits in 2012 (+0,1 Prozent gegenüber 2011) ohne ein nennenswertes Wachstum geblieben. Für 2014 erwarten wir im Herz der Wirtschaft ein Produktionswachstum von bis zu 3 Prozent. Die Beschäftigung liegt mittlerweile deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Beschäftigungsplänen der Unternehmen für die kommenden Monate eher mit einem moderaten Beschäftigungszuwachs zu rechnen.