Die wirtschaftliche Lage im Herbst 2015

Konjunkturbericht aus dem Herz der Wirtschaft

Die M+E-Industrie befindet sich in der zweiten Jahreshälfte 2015 in einer Schwächephase. Die Produktion ist im zweiten und dritten Quartal jeweils leicht gesunken und die Auftragseingänge lagen im dritten Quartal deutlich unter dem Niveau des zweiten Quartals – vor allem ausländische Kunden haben weniger bestellt. Zudem bleibt ein gehöriges Maß an Skepsis und Unsicherheit, das durch die aktuellen Vorgänge im Inland (Flüchtlinge, Dieselabgase) und durch das schwächere Wachstum in China und anderen Schwellenländern noch verstärkt wird. Das spiegelt sich nach wie vor im ifo-Geschäftsklima wider, auch wenn in der Oktober-Befragung die Geschäftserwartungen etwas besser geworden sind.

Die M+E-Unternehmen haben im September saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter weiter leicht erhöht. Die aktuellen Beschäftigungspläne signalisieren aber eine spürbare Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Die M+E-Unter­neh­men erwarten für 2015 niedrigere Gewinne als im Vorjahr (ifo-Gewinn­umfrage vom September 2015). Für die weitere Geschäftsentwicklung der M+E-Industrie sind auch die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Hier liegt ein weiterer Schwachpunkt der inländischen Konjunktur, die vor allem vom stabilen Arbeitsmarkt, sprübaren Lohnerhöhungen und vom Konsum getragen wird. Die Verunsicherung der Investoren durch die Krisenherde in der Welt sowie durch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland ist nach wie vor nicht überwunden.

Auftragseingang

Im dritten Quartal 2015 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt um 3,3 Prozent gesunken. Während die Inlandsaufträge leicht um 0,5 Prozent zulegten, kamen aus dem Ausland deutlich weniger Aufträge als im Durchschnitt des zweiten Quartals (-5,9 Prozent). Am stärksten fielen die Auftragseingänge im Fahrzeugbau mit -6,3 Prozent, gefolgt von der Metallverarbeitung mit -1,4 Prozent und vom Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,3 Prozent. Der Auftragseingang im Maschinenbau lag mit -0,6 Prozent nur leicht unter dem Wert des zweiten Quartals.

Produktion

Die M+E-Produktion lag im dritten Quartal saisonbereinigt um 0,6 Prozent unter dem Wert des zweiten Quartals. Dabei stieg die Produktion im Fahrzeugbau gegenüber dem zweiten Quartal um 1,8 Prozent. Alle anderen Branchen lagen unter dem Niveau des zweiten Quartals: der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -0,6 Prozent, die Metallverarbeitung mit -1,6 Prozent und der Maschinenbau mit -2,3 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag im Juli 2015 bei 85,3 Prozent und damit knapp unter dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung

Die M+E-Beschäftigung lag im September 2015 mit 3.808.800 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber August 2015 stieg die Zahl um etwa 500. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren allenfalls einen leichten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 371.600 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 476.500. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 180.000 im Juni 2014.

Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen am aktuellen Rand etwas kleiner geworden, während der Trend weiter positiv bleibt: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Oktober 2015 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 165.300 Arbeitslose, 9.800 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 115.500 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 12.500 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im April 2015 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 27.700 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im September 2015 rund 15.000.

Verdienste

Im zweiten Quartal 2015 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,4 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,1 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2014 waren die Monatsverdienste um 3,3 Prozent und die Stundenverdienste um 3,5 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität

Die Lohnstückkosten sind in den ersten neun Monaten 2015 weiter gestiegen, und zwar um +3,1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Einzelnen: Dem Anstieg der Arbeitskosten je Stunde um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr stand eine Steigerung der Produktivität um nur 0,41 Prozent gegenüber. 2014 waren die Lohnstückkosten bereits um 1,6 Prozent und 2013 um 4,2 Prozent gestiegen. Die Energiepreise entwickeln sich in eine Richtung: Während Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich nachgaben (Öl: -28,6 Prozent; Gas: -8,0 Prozent), sind die Strompreise mit -1,1 Prozent nur leicht gesunken. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im dritten Quartal 2015 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise

Nach einer Phase sinkender Erzeugerpreise scheinen sich die Märkte wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2015 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr (nach 1,1 Prozent im zweiten Quartal 2015). Die Exportpreise lagen im dritten Quartal 2015 um 2,2 Prozent höher als 2014 (zweites Quartal: 2,9 Prozent), die Importpreise um 2,6 Prozent (zweites Quartal: 4,3 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 mit einer Jahresrate von 0,9 Prozent spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im Oktober 2015 sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,3 Prozent gestiegen.

Erträge

Laut ifo-Umfrage von September 2015 erwarten die M+E-Unternehmen in diesem Jahr Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Um­satzes. Sie liegen damit unter dem Niveau des Jahres 2014. Die Erträge bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2014 mit 1.044 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (1.220 Insolvenzen).

Geschäftsklima

Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im Oktober 2015 leicht verbessert und liegt nun bei 103,0 Punkten (September: 101,7 Punkte). Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von +17 Punkten auf +18 Punkte zu, die Erwartungen der M+E-Unternehmen stiegen leicht von +3 Punkten auf +7 Punkte.

Aussichten 2015

Durch ein unerwartet starkes viertes Quartal ist die Produktion in der M+E-Industrie 2014 um 2,6 Prozent gewachsen. Für 2015 rechnen wir derzeit mit einem deutlich geringeren Wachstum von bis zu 1 Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.