30 März 2017

Rasanter Antritt

Brose entwickelt aus Automotor einen E-Bike-Antrieb

Rasanter Antritt

Ulrike Döbrich tritt einmal in die Pedale – und rollt und rollt und rollt. Die Mitarbeiterin von Brose Antriebstechnik Berlin sitzt auf einem Fahrrad, das fast wie ein ganz normales Mountainbike aussieht. Wäre da nicht ein Einbau im Rahmen: Dort sitzt ein Elektromotor, der das Treten unterstützt. Er wiegt gerade einmal 3,4 Kilo.

Döbrich mag ihr E-Bike nicht mehr missen. Sie nutzt es für die Fahrt zur Arbeit, beim Einkaufen, in der Freizeit. Der E-Bike-Motor hat eine Leistung von 250 Watt und ist so leise, dass man ihn glatt vergessen könnte. Das liegt auch daran, dass im Antrieb statt einer Kette ein Zahnriemen verwendet wird. „Der Motor ist so konstruiert, dass der Einbau in jeder Lage im Rahmen möglich ist“, erklärt E-Bike-Fertigungsleiter Roman Misch. Außerdem könne der Antrieb mit Akkus und Displays verschiedener Hersteller kombiniert werden.

Der Trend zum E-Bike ist ungebrochen

50 Mitarbeiter sind im Berliner Werk und in der Entwicklung mit der Produktion und dem Vertrieb des E-Bike-Motors beschäftigt. Damit ist er noch einmal etwas Besonderes. Im Fahrradgeschäft kommt ein Großteil der Komponenten aus Asien. In der Produktion erledigt ein exakt arbeitender Automat die komplizierte Wicklung des leitenden Drahts im Stator, dem im Gegensatz zum Rotor fest stehenden Teil des Motors, der für die Leistung entscheidend ist. Die Montage dagegen wird aus Qualitätsgründen von erfahrenen Facharbeitern per Hand erledigt.

Sie ist so getaktet, dass die Stückzahl innerhalb kürzester Zeit angepasst werden kann. Zurzeit wohl vor allem nach oben. Dafür sprechen jedenfalls die Marktdaten des Fachverbands ZIV: 2014 wurden 480.000 E-Bikes in Deutschland verkauft, 2016 schon rund 560.000. Experten erwarten, dass die Zahlen weiter in die Höhe schnellen. Auch bei Brose: „Unsere Produktion wird 2017 deutlich steigen“, sagt Joachim Volland, Chef des E-Bike-Geschäfts in Berlin.

Lenkungsmotor stand Pate
für den Fahrradantrieb

Aber warum kümmert sich ein Automobilzulieferer eigentlich um Elektrofahrräder? „Brose hat einerseits das Know-how dafür – und andererseits die Zeichen der Zeit richtig erkannt“, sagt Volland. Die Brose Gruppe ist auf Mechatronik-Systeme für Fahrzeugtüren und –sitze spezialisiert und auf E-Motoren im Auto. Broses millionenfach produzierter Pkw-Lenkungsmotor stand Pate für den Fahrradantrieb, als sich die Ingenieure ab 2010 auf das E-Bike konzentrierten.

Der Erfolg kam schnell. Volland sieht folgende Gründe dahinter: „Wir fertigen Qualität in Deutschland und produzieren nach den hohen Standards der Automobilindustrie.“ Zum Produkt kommen Dienstleistungen – aktuell steht der Ausbau des Services für die Händler an. Auch am Antrieb selbst wird weiter getüftelt: Die Software soll die Kraftübertragung von Beinen und Motor noch besser steuern – und der ganze Motor noch leichter werden.

Text: Uwe Rempe; Fotos: Wiegand Sturm