20 Juli 2017

„Ich setze auf den guten Mix“

Smart durch Vielfalt in der Belegschaft

„Ich setze auf den guten Mix“

Bei Schenck Process werden alle gebraucht: Die älteren, erfahrenen wie die jungen Mitarbeiter mit Veränderungsdrang und die Kollegen aus anderen Kulturen mit neuen Sichtweisen. Sie alle arbeiten an innovativen Lösungen für so unterschiedliche Prozesse wie die Dosierung von Medikamentenwirkstoffen oder den Erzabbau in Australien. Im Gespräch erklärt Firmenchef Andreas Evertz, wie er das traditionsreiche Maschinenbau-Unternehmen der Mess- und Verfahrenstechnik mit seiner vielfältigen Belegschaft fit für die Zukunft macht.

Herr Evertz, Sie wollen das klassische Maschinenbau-Unternehmen Schenck Process smart und sexy machen? Geht das überhaupt?

Smart und sexy steht ja auch für Attraktivität. Wir wollen und müssen attraktiv sein für unsere Kunden, damit wir auch in Zukunft am Markt bestehen. Mit mehr als 2.300 Beschäftigten weltweit, davon etwa 500 hier in Darmstadt, und einem Umsatz von rund 550 Millionen Euro im Jahr sind wir Weltmarktführer im Bereich der Mess- und Verfahrenstechnik. Und das soll auch so bleiben.

Wie hat sich Schenck Process diese Position erarbeitet?

Wir können zurückgreifen auf 136 Jahre Erfahrung im Wiegen und Messen, stehen für hohe Technologiestandards und bringen in allen Industriebereichen weltweit Prozesse zum Laufen. Präzision ist unsere Stärke, egal ob es um die perfekte Zusammensetzung einer Backmischung geht oder den optimalen Reifen für die Formel 1. Wir punkten mit erstklassigem Equipment und umfassendem Prozesswissen. Wir entwickeln und produzieren innovative Lösungen für das Wägen, Dosieren, Fördern, Sieben, Automatisieren sowie die Luft-Filtrationstechnik.

Klingt nach einem Selbstläufer …

Aber Dinge verändern sich. Wir müssen uns mehr auf jüngere Generationen einstellen, ob bei den Mitarbeitern oder unseren Ansprechpartnern beim Kunden. Wer jetzt in Schule oder Studium steht, geht mit neuen Technologien anders um, lebt in einer ganz anderen Welt. Junge Menschen wollen schnell was bewegen und haben andere Entscheidungskriterien, die aber auch für unser Leben wichtig sein können. Folglich treffen sie auch ihre Entscheidungen anders, als wir es sonst gewohnt sind. Wir reagieren darauf, indem wir smart werden.

Und wie wird man smart?

Wir gehen neue Wege, probieren Sachen einfach mal aus. Ein Beispiel dafür sind „future lab“ und „easynizingTM“, das einer unserer dualen Studenten angestoßen hat. Hier werden Kompetenzen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammengeführt, neue Ideen entwickelt und zügig in die Tat umgesetzt. Hinter den Begriffen verbirgt sich aber noch mehr: Es ist eine Bewegung und der Beginn einer neuen Kultur bei uns, die immer den Nutzen für den Kunden in den Vordergrund stellt. So brechen wir traditionelle Strukturen auf, und eine neue Smart-Denke hält Einzug.

Mit welchem Ergebnis?

Wir haben auf diesem Weg in nur drei Monaten eine App entwickelt, die auf simple Weise die Überwachung einer Siebmaschine beim Kunden erlaubt. Unsere Entwicklungsabteilung hielt das zuvor für nicht durchführbar. Aber die jungen Leute blieben dran. Ich ließ sie also einfach mal probieren, und sie legten los, setzten enorme Energien frei, um die Welle zu surfen. Und inzwischen sind unsere Kunden begeistert von der App.

Erwarten Kunden solche Ideen?

Na klar, die helfen bei der Kundenbindung. Unsere Kernkompetenz ist es, die Materialien unserer Kunden zu verstehen. So können die ihre Kosten reduzieren durch Effizienzsteigerungen und optimalen Umsatz des Materials. Wir verkaufen nicht nur Maschinen, sondern Prozess-Sicherheit. Unterstützung beim Steuern und Überwachen der Prozesse durch neue Technologien ist da sehr willkommen.

Und dafür gehen Sie neue Wege?

Ja. Wir wollen für den Kunden Mehrwert schaffen und auch von verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen profitieren. Ich setze auf den guten Mix aus Weisheit, Können und Erfahrung der Älteren gepaart mit dem Drang der Jugend, schnell was zu verändern. Ich glaube, dass jeder so sein Bestes einbringt. Das Gleiche gilt übrigens auch beim Zusammenarbeiten von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Letztlich kann das für alle eine wirkliche Bereicherung sein.

Text: Maja Becker-Mohr, Fotos: Gerd Scheffler