13 April 2017

Für die gute Optik

Satisloh-Chef René Leroux setzt auf Hightech und Wertschätzung

Für die gute Optik

Brillen mit Antireflex-Beschichtung zum Schutz vor Display-Abstrahlung oder kleinen, internetverbundenen Displays: Maschinenbauingenieur René Leroux, Geschäftsführer von Satisloh in Wetzlar, ist immer wieder beeindruckt von der Kompetenz seiner Mitarbeiter, die solche Entwicklungen ermöglicht. Im Interview erklärt der Chef eines der führenden Hersteller von Maschinen für die Brillen- und Feinoptikfertigung sowie Hightech-Zubehör, was für ihn in Zukunft wichtig wird. Zum Beispiel vernetzte Produktionslinien und Leitstände, die die Produktion vom Schleifen bis zum fertigen Brillenglas übernehmen, oder Tablet-unterstützte Montagearbeiten.

Herr Leroux, macht Ihre Arbeit Ihnen Spaß?

Ja, sogar sehr. Die Stelle hier ist ein Volltreffer für mich, aber das wurde mir erst so richtig klar, als ich hier schon angefangen hatte. Vor allem das Know-how, die hohe fachliche Kompetenz der Mitarbeiter, hat mich auf Anhieb beeindruckt. Wir entwickeln und produzieren Maschinen, mit denen Brillengläser oder Linsen zum Beispiel für Zielfernrohre oder endoskopische Geräte hergestellt werden. Diese Maschinen werden in der Regel von einem Mitarbeiter allein montiert. Und darauf sind die Kollegen mit Recht stolz.

Was ist das Besondere am Unternehmen?

Satisloh geht zurück auf die früheren Familienunternehmen Satis Vacuum und Loh. Gerade der Name Loh hat seit fast 100 Jahren einen Ruf in der ganzen Welt. Das merken unsere Mitarbeiter immer wieder, wenn sie im Service in anderen Ländern unterwegs sind. Unsere Exportquote liegt bei über 90 Prozent.

Aber Satisloh ist heute kein Familienunternehmen mehr …

Mit unseren 250 Mitarbeitern am Standort Wetzlar und insgesamt 1 000 in der Satisloh Gruppe gehören wir zur französischen Essilor-Gruppe, einem der führenden Unternehmen für Brillengläser mit über 64.000 Beschäftigten weltweit. Obwohl Teil eines Konzerns, können wir aber wie ein mittelständisches Unternehmen agieren, vieles frei entscheiden und sind entsprechend schnell und sehr flexibel.

Sind Brillen eine Art Selbstläufer?

Jeder braucht eine Brille, ob als Ausgleich für eine Sehschwäche oder zum Schutz des Auges vor Sonnen- und UV-Licht. Ganz aktuell sind Brillen mit Antireflex-Beschichtung, die vor LED- und UV-Licht oder der Abstrahlung von Displays schützen. Hinzu kommen kleine Displays, die in die Brillen eingearbeitet sind und über die der mit dem Internet vernetzte Träger Informationen ablesen kann.

Sie gehen entspannt in die Zukunft?

So einfach ist das nicht. Wir sammeln ständig Ideen und entwickeln die passenden Maschinen und Prozesse. Wir müssen den Markt und die Trends im Auge behalten. So geht auch hier der Trend zu vernetzten Maschinen, ganzen Produktionslinien inklusive Leitständen, die wir zusammenstellen, vom Schleifen übers Beschichten und Polieren bis zum fertigen Brillenglas. Auf Wunsch überwachen wir sogar solche Linien.

Klingt spannend …

Wir treiben den Markt voran und tun viel, dass das so bleibt. Gerade haben wir eine neue Qualitätsoffensive gestartet, und wir wollen Prozesse noch besser zum Kunden verknüpfen. Etwa 1 Million Euro investieren wir im Jahr, zum Beispiel in neue Maschinen oder Prüfmittel und auch in Weiterbildung. Sorgen bereitet mir allerdings der Nachwuchs.

Inwiefern?

Anzahl und Qualifikationen der Ausbildungsbewerber gehen zurück. In der fortschreitenden Digitalisierung sehen wir aber eine Chance, junge Menschen besser anzusprechen. Wir richten gerade den ersten Pilotarbeitsplatz ein, um mit Tablets die Montagearbeiten zu unterstützen. Junge Kollegen finden so was toll, andere befürchten Leistungskontrollen. Aber darum geht es gar nicht, sondern wir wollen helfen, dass die richtige Schraube auf Anhieb am richtigen Platz sitzt. Auch in Zukunft wird ein Roboter nicht alle Aufgaben in einer Produktion übernehmen können. Die Maschine als Ganzes braucht den Menschen, und Menschen sind nun mal sehr individuell.

Und was braucht der Mensch?

Wertschätzung und Anerkennung. Zuhören, Finger zeigen gilt nicht; Fachleute nach Rat fragen und Probleme im Team lösen. Vor allem aber unser Paket aus gutem Entgelt und den sozialen Leistungen und natürlich nicht zuletzt die Tarifbindung. Denn in der Tarifgemeinschaft kümmert man sich um viele für die Mitarbeiter relevanten Themen.

Fragen: Maja Becker-Mohr; Fotos: Sandro Balzarrin